Wirrer Wonnemonat: So stellen Sie Ihr Depot richtig auf

von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Schon wieder ein Rekord: Im Mai erreichte der DAX ein neues Allzeithoch bei 15.538 Punkten. Und das im Mai – einem Monat, der an den Finanzm�rkten keinen guten Ruf hat. Die B�rsenweisheit „Sell in May and go away“, auf Deutsch: Verkaufe im Mai und verschwinde, d�rfte fast jedem Anleger bekannt sein. Sie empfiehlt, die historisch betrachtet schwachen B�rsenmonate von Mai bis einschlie�lich September zu meiden. Zum Wiedereinstieg r�t indes der zweite Teil des Bonmots: „�but remember to come back in September“ – denk daran, im September zur�ckzukehren.

In diesem Jahr scheint trotz des zwischenzeitlichen Hochs wieder einmal etwas dran zu sein an dem Sprichwort. Am 4. Mai gab der DAX um fast drei Prozent nach, auch am 13. Mai sackte er im Tagesverlauf deutlich ab. Zwei Tage mit empfindlichen Verlusten – der Mai machte seinem Ruf alle Ehre.

An beiden Tagen waren Meldungen aus den USA der Ausl�ser f�r die Kursr�ckg�nge. Am 4. Mai hatte US-Finanzministerin Janet Yellen angedeutet, dass h�here Zinsen m�glich w�ren. Obwohl sie ganz vorsichtig von sehr moderaten Anhebungen zur Vermeidung einer �berhitzung gesprochen hatte, reagierten die M�rkte heftig. Vor gut einer Woche waren es die hohen Inflationszahlen, die die Anleger aufschreckten. Die Preise in den USA lagen im April um 4,2 Prozent h�her als ein Jahr zuvor. So stark war die Teuerung seit fast 13 Jahren nicht ausgefallen.

Der Hintergrund f�r die Kursverluste ist in beiden F�llen gleich: Anleger sind besorgt, dass die Notenbanken von ihrer lockeren Geldpolitik abr�cken k�nnten. Die Menge an frischem und billigem Geld, das Monat f�r Monat in die M�rkte gepumpt wird, k�nnte sich verringern. H�here Zinss�tze w�rden Anleihen interessanter machen und daf�r sorgen, dass die relative Attraktivit�t von Aktien gegen�ber Renten abnimmt – was den R�ckzug von Anlegern und damit fallende Aktienkurse zur Folge h�tte. Auch die Kreditbelastung der Unternehmen w�rde steigen, wenn die Zinsen h�her sind, und so die Gewinne schm�lern.

Sind die volatilen Tage in der ersten Mai-H�lfte also ein Vorgeschmack auf die kommenden Wochen und Monate? Ja, sagen die meisten Experten. „Die ansteigende Inflation wird uns bis weit in die zweite Jahresh�lfte hinein begleiten“, meint Johannes Mayr, Chefvolkswirt der Verm�gensverwaltung Eyb & Wallwitz. Solange sie ein Thema ist, werde die Sorge der Anleger bestehen bleiben, dass sich die Notenbanken von ihrer lockeren Geldpolitik abwenden.

Dass die Inflation langfristig sehr hoch bleibt, gilt jedoch als weniger wahrscheinlich. „Die aktuelle Entwicklung ist von Sonderfaktoren getrieben“, sagt Mayr. Die Rohstoffpreise haben sich im Jahresvergleich stark erh�ht, in einzelnen Wirtschaftszweigen sorgen Liefer- und Angebotsengp�sse f�r steigende Preise. Vor zw�lf Monaten dagegen lag die Wirtschaft als Folge der ersten Corona-Welle am Boden, die Vergleichsbasis f�r die heutigen Zahlen ist also sehr niedrig.

„Im vierten Quartal wird die Inflation an Bedeutung verlieren, doch mit Werten �ber zwei Prozent werden wir uns anfreunden m�ssen“, so der �konom. „Gef�hrlich wird es aber erst, wenn Zweifel an der Unterst�tzung der Notenbanken aufkommen.“

Einen Hinweis, ob weiteres Ungemach droht, liefert oft auch der Blick auf die Ausrichtung der Anleger. Hier ist das Bild gemischt. Eine Gefahr f�r die Aktienkurse geht vom gro�en Teil optimistisch gestimmter Investoren aus. „Die Erwartungen der Anleger an die weitere Konjunkturentwicklung sind hoch und das Lager derjenigen, die fallende Kurse erwarten, ist klein“, berichtet Hans-J�rg Naumer, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei Allianz Global Investors. Das zeigen Stimmungsindikatoren etwa von Sentix oder der US-Privatanleger-Vereinigung AAII. „Es ist schwer, diese Erwartungen noch zu �bertreffen.“

Andererseits sind l�ngst nicht alle Anleger voll am Aktienmarkt engagiert. „Es steht noch immer viel Geld zum Investieren bereit“, sagt Naumer und verweist auf das anhaltend hohe Verm�gen von Geldmarktfonds, in denen Anleger ihr Kapital parken. „Viele wollen kaufen und werden so den Markt st�tzen, wenn Schw�chen erkennbar sind.“

Erholung eingepreist

Kaum vorherzusagen ist die weitere Entwicklung der Pandemie. Von dieser Seite aus drohen eher Gefahren als weitere positive Impulse. „Corona ist ausgepreist, eine starke wirtschaftliche Erholung eingepreist“, meint Naumer. Die Hoffnung, die Krankheit �ber Impfungen in den Griff zu bekommen, steckt also schon in den Kursen, ein R�ckschlag nicht. Die schlimme Situation in Indien f�hrt indes deutlich vor Augen, wie schnell es zu katastrophalen Folgen kommen kann, wenn Virusmutationen sich rasch verbreiten.

Ein Blick f�llt zudem auf die gro�en Technologiekonzerne. Sie wurden in den vergangenen Wochen mehrfach abgestraft und rissen durch ihre Dominanz den breiten Aktienmarkt mit nach unten. „Technologiewerte sind extrem teuer und reagieren auch sehr empfindlich auf �nderungen der Anleiherenditen“, warnt James Athey, Senior Investment Director bei Aberdeen Standard Investments. Steigende Zinsniveaus, wie sie in den vergangenen Wochen bei Anleihen zu sehen waren, w�rden sich negativ auf die k�nftigen Gewinne der Unternehmen auswirken. Athey glaubt, dass gerade die sehr teuren Segmente des Aktienmarkts wie der Technologiesektor darunter leiden werden.

Sollten Anleger angesichts der Risiken also der B�rsenweisheit „Sell in May“ in diesem Jahr folgen? Das Gros der Experten verneint das – aus zwei Gr�nden. „Die Konjunkturdynamik f�r die n�chsten zwei Jahre sieht sehr gut aus“, sagt Eyb-&-Wallwitz-�konom Mayr. „Die Volatilit�t d�rfte erh�ht bleiben. Das volkswirtschaftliche Umfeld spricht aber nicht f�r eine starke Marktkorrektur.“ Regierungen weltweit, allen voran die USA, haben riesige F�rderprogramme ins Leben gerufen, die sich bald in den Gesch�ftszahlen der Wirtschaft widerspiegeln d�rften.

Gegen einen Ausstieg aus dem Aktienmarkt sprechen aber auch ganz praktische Gr�nde: Es fehlt an Alternativen. Trotz gestiegener Renditen sind festverzinsliche Wertpapiere noch immer reichlich unattraktiv und k�nnen kaum als sicherer Hafen herhalten. Andere Investments sind nicht so liquide wie Aktien oder kaum weniger volatil.

Ein guter Rat ist wohl, momentan nicht gerade die hei�esten Eisen anzupacken, sondern mehr Wert auf Solidit�t zu legen. Das gelingt mit Fonds, die nicht unbedingt zu 100 Prozent am Aktienmarkt aktiv sein m�ssen oder die auf besonders verl�ssliche Firmen setzen. Mit ihnen ist kein Blick auf den Kalender n�tig, um mit dem Depot m�glichst gut aufgestellt zu sein.


INVESTOR-INFO

Konzerne, die best�ndig �berdurchschnittliche Dividenden zahlen, gelten als sehr solide. Denn eine solche Aussch�ttungspolitik diszipliniert bei der Verwendung der freien Mittel. In der Gruppe der globalen Dividendenfonds pr�sentiert sich der BL Equities Dividend besonders stabil. Fondsmanager J�r�mie Fastnacht sucht qualitativ hochwertige Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten und bleibt seinen Aktien lange treu.

Der US-Aktienmarkt ist hoch bewertet. Besser sieht es in Europa aus. Zudem hat die europ�ische Konjunktur Nachholbedarf und der Aktienmarkt ein entsprechend hohes Potenzial. Mit dem RB LuxTopic Aktien Europa k�nnen Anleger einen Fonds nutzen, der feine Zuw�chse bei geringen Schwankungen erzielt hat. Nur Aktien, die sich zuletzt gut und stabil entwickelt haben, werden aufgenommen. Au�erdem sichert Fondslenker Robert Beer das Portfolio gegen hohe Verluste ab.

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