„Wehmut ist dabei“: Oberster Handwerker tritt nicht mehr an

Sachsens oberster Handwerker tritt nicht mehr zur Wahl an und will sein Amt in neue Hände geben. „Ich bin ein absoluter Verfechter von Amtszeitbegrenzung in Spitzenämtern“, sagt Roland Ermer. Nach mehr als zehn Jahren und dreieinhalb Wahlperioden im Amt ist für den 57-Jährigen deswegen als Präsident des Sächsischen Handwerkstages Schluss. Am 8. Juni soll in Dresden der Nachfolger gewählt werden. „Klar ist ein wenig Wehmut dabei“, so Ermer. In den vergangenen Jahren war er Sprachrohr für mehr als 56.000 Handwerksbetriebe mit rund 300.000 Beschäftigten im Freistaat.

Ob der Bäckermeister aus Bernsdorf (Landkreis Bautzen) nun mehr Zeit für seine Passion – die Backstube – hat, bleibt abzuwarten: Zum zweiten Mal tritt er als CDU-Direktkandidat für den Wahlkreis Bautzen I zur Bundestagswahl im September an. 2017 verlor er gegen den Kandidaten der AfD. In Berlin will er mehr Fokus auf eine Region lenken, die stark mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat. „Falls das ansteht, dann ist das Leben sowieso ein anderes.“ Seine Erfahrung im Ehrenamt und im Familienbetrieb könnten ihm bei der Aufgabe helfen, ist Ermer überzeugt. Seit der politischen Wende ist er ehrenamtlich tätig, unter anderem als Landesobermeister des Bäckerhandwerks.

In den vergangenen zehn Jahren als Handwerkstagpräsident hat sich Ermer unter anderem für ein besseres Miteinander zwischen Kammern und Verbänden eingesetzt. „Das Handwerk wird nie an Bedeutung gewinnen, wenn wir uns untereinander zanken. Dafür müssen wir mit einer Stimme sprechen“, so der 57-Jährige. Er wünscht sich zudem, dass das Handwerk als Wirtschaftsmacht ernster genommen wird, Lösungsvorschläge aus der Praxis mehr Gehör finden. Als Nachfolger wird der Dresdner Handwerkskammer-Präsident Jörg Dittrich gehandelt.

„Zu tun bleibt genug“, sagt Ermer, der in den nächsten Jahren den Familienbetrieb mit knapp 30 Angestellten an seine Tochter übergeben will. Überhaupt ist Nachfolge ein großes Thema im Handwerk, es fehlt an Nachwuchs in vielen Bereichen. Sorgen macht sich Ermer auch um die handwerkliche Berufsausbildung, die sich zunehmend vom Land in die Ballungsräume verlagert. „Das bleibt eine wichtige Aufgabe.“

Ermer erinnert sich auch noch gut an das Jahr 2012, als er sich wegen der Besteuerung von gespendeten Backwaren für die Tafel an den damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wandte. Mehrere tausend Euro Umsatzsteuer hätte er nachzahlen sollen. „Es wäre billiger gewesen, die Lebensmittel wegzuschmeißen.“ Die Regelung wurde geändert. Im vergangenen Jahr wurde der Bäckermeister mit der Sächsischen Verfassungsmedaille ausgezeichnet.