Verschwörer, die ganz offen agieren

Sie sind nicht irgend­wer, son­dern ver­sam­melt im Club der Mächtigsten der Mächtigen, dem Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum – WEF). Und sie hal­ten nicht hin­term Berg mit ihren Plänen von einer schö­nen neu­en Welt. Das zeigt u.a. ein Papier vom 16.4.:

»5 Visionen der Zukunft von unse­rem Global Technology Governance Summit

Die neu­en Technologien, die die Vierte Industrielle Revolution (4IR) vor­an­trei­ben, wer­den der Schlüssel zur glo­ba­len Erholung von der COVID-19-Pandemie sein – aber nur, wenn sie rich­tig genutzt werden.

Das war die Botschaft des Global Technology Governance Summit 2021 des Weltwirtschaftsforums, bei dem füh­ren­de Persönlichkeiten vir­tu­ell zusam­men­ka­men, um dar­über zu dis­ku­tie­ren, wie wir sicher­stel­len kön­nen, dass auf­kom­men­de Technologien ver­ant­wor­tungs­voll gestal­tet und genutzt werden…

„COVID-19 hat unse­ren Übergang in das Zeitalter des 4IR beschleu­nigt“, schreibt Klaus Schwab, der Gründer und Executive Chairman des Weltwirtschaftsforums, im Global Technology Governance Report. „Wir müs­sen sicher­stel­len, dass die neu­en Technologien in der digi­ta­len, bio­lo­gi­schen und phy­si­schen Welt men­schen­zen­triert blei­ben und der Gesellschaft als Ganzes die­nen, indem sie allen einen fai­ren Zugang ermöglichen.“«

Verpackt in phil­an­thro­pi­sche Phrasen wird gleich zu Beginn die Dystopie des Transhumanismus skizziert:

»Der Bericht hebt Governance-Lücken in den Bereichen Datenschutz, Haftung, grenz­über­schrei­ten­de regu­la­to­ri­sche Diskrepanzen und das Missbrauchspotenzial durch schlech­te Akteure her­vor und ver­weist auf den Anstieg von Ransomware-Angriffen und Deep-Fake-Video-Technologie.

Wie kann die Technologie also zum Nutzen aller ein­ge­setzt wer­den? Hier sind fünf Visionen einer Zukunft, die von neu­en Technologien beein­flusst wird, die auf dem Gipfel dis­ku­tiert wurden.

1. Synthetische Biologie könnte die Welt verändern

Zur Synthetischen Biologie gehört CRISPR, die Gen-Editing-Technologie, die der­zeit zur Bekämpfung von COVID-19 ein­ge­setzt wird. „Es geht dar­um, die Biologie zu ver­bes­sern und Organismen für nütz­li­che Zwecke umzu­ge­stal­ten„, sagt Professor Amy Webb von der New York University’s Stern School of Business.

„Es wird uns nicht nur erlau­ben, Genome zu edi­tie­ren, son­dern auch, und das ist wich­tig, einen neu­en Code für das Leben zu schrei­ben – wir wer­den Schreibrechte haben“, füg­te sie hin­zu. „Das könn­te und wird nicht nur die Gesundheit, son­dern auch die Materialien ver­än­dern. Ich kann mir kei­nen Bereich vor­stel­len, in dem wir nicht eine signi­fi­kan­te Verbesserung sehen werden.“

2. Verminderte Realität wird unser Erleben verändern

Wenn Sie einen Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung besit­zen, haben Sie die ver­min­der­te Realität bereits erlebt. Dabei geht es dar­um, alles Unwichtige zu ent­fer­nen, damit wir uns auf das kon­zen­trie­ren kön­nen, was für uns wich­tig ist. Eine Diminished-Reality-Brille zum Beispiel könn­te es uns bald ermög­li­chen, Dinge aus­zu­blen­den, die wir für bestimm­te Aufgaben nicht sehen wollen.

Professorin Amy Webb von der Stern School of Business [! AA] der New York University sprach auf dem Gipfel über geräusch­un­ter­drü­cken­de Fenster, die eine „Anti-Welle“ erzeu­gen, um den Schall zu blo­ckie­ren. „In naher Zukunft könn­te dies unse­re Städte völ­lig ver­än­dern und den zusätz­li­chen Lärm dämp­fen“, sag­te sie.

3. Wir werden über Geräte hinausgehen

Sie wol­len immer das neu­es­te Smartphone haben? Bald wird das kei­ne Rolle mehr spie­len, sagt Mike Bechtel, Chief Futurist bei Deloitte [eben­falls ein Wirtschaftsberatungsunternehmen, AA]. „In den nächs­ten 10 Jahren wird es dar­um gehen, über das Gerät hin­aus­zu­ge­hen„, sag­te er. „Wir kön­nen rea­lis­ti­scher­wei­se nicht über­all 15 intel­li­gen­te Lautsprecher haben.

„Wir wer­den zu Umgebungserlebnissen (ambi­ent expe­ri­en­ces) über­ge­hen, was kurz für eine Art digi­ta­les Downton Abbey steht, wo wir nicht Echo oder Google fra­gen ‚Wie ist das Wetter?‘, son­dern ein­fach sagen ‚Wie ist das Wetter?‘ und der rich­ti­ge Agent zur rich­ti­gen Zeit auf­springt und die rich­ti­ge Antwort gibt.“«

»Downton Abbey ist eine bri­ti­sche Fernsehserie, pro­du­ziert für den Sender ITV… Downton Abbey han­delt vom Schicksal einer Adelsfamilie und ihrem Personal am Anfang des 20. Jahrhunderts, von bedeu­ten­den Ereignissen und Umbrüchen …«
de.wikipedia.org

»4. Echte Investitionen in Humankapital könnten transformativ sein

Warum sind man­che Jobs bes­ser bezahlt als ande­re? Professor Stuart Russell von der University of California, Berkeley, sagt, dass es auf die Investition in die Ausbildung ankommt.

Ein Chirurg zum Beispiel schöpft aus Tausenden von Jahren medi­zi­ni­scher Forschung, wäh­rend er etwa ein Jahrzehnt lang aus­ge­bil­det wird, und wird mit einem hohen Status und Gehalt belohnt. Aber wenn man Babysitter als Beispiel nimmt, sagt Russell das: „Wir haben fast nichts in die Wissenschaft, die Technik, die Professionalisierung und die Ausbildung in der Kinderbetreuung investiert.“

„Wenn wir es rich­tig machen könn­ten, wäre es wun­der­bar. Wir haben eine Menge Daten dar­über, was pas­siert, wenn man mensch­li­chen Einzelunterricht im Gegensatz zum Unterricht im Klassenzimmer hat. Ein wirk­lich guter mensch­li­cher Tutor kann etwa drei­mal so schnell unter­rich­ten wie ein typi­scher Schulklassenunterricht. Grob gesagt wür­de man also Kinder bis zum Alter von 10 Jahren auf College-Niveau brin­gen.

5. KI wird uns nicht die Jobs wegnehmen… noch nicht

Russell sag­te auf dem Gipfel auch, dass Sie sich ent­span­nen kön­nen, wenn Sie sich Sorgen machen, Ihren Job an einen Roboter oder einen Computer zu ver­lie­ren – zumin­dest vor­erst. „Die Art von KI, über die sich die Leute Sorgen machen, dass sie alle Jobs über­nimmt, gibt es noch nicht“, sag­te er.

Die OECD sagt, dass 14 % der Arbeitsplätze welt­weit inner­halb der nächs­ten zwei Jahrzehnte von der Automatisierung bedroht sind, wäh­rend sich 32 % radi­kal ver­än­dern könnten.

Doch obwohl künst­li­che Intelligenz als Bedrohung ange­se­hen wer­den könn­te, wird sie laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums mehr Arbeitsplätze schaf­fen als sie ersetzt.

Auf der Website des Weltwirtschaftsforums kön­nen Sie die Höhepunkte oder gan­ze Sitzungen des Global Technology Governance Summit nach­le­sen.« 

(Hervorhebungen nicht im Original.)


Organismen – das sind auch Menschen – sol­len nach Nützlichkeitserwägungen ver­än­dert, ja sogar mit spe­zi­el­lem Code erzeugt wer­den. Ungeachtet der gene­rel­len Fragwürdigkeit einer sol­chen Hybris ist das Kriterium der Nützlichkeit (für wen?) scho­ckie­rend. Wenn irgend­wo ein Vergleich mit der Selektionsrampe von Auschwitz sinn­voll erscheint, dann hier. Der Weg von der „Umgestaltung“ unnüt­zen Lebens zu sei­ner Vernichtung ist nur kurz. Auch der Alptraum von der Schaffung „nütz­li­chen“ Lebens ist, wenn auch vor­erst ohne die ras­sis­ti­sche Begründung, nahe am Wahn des Nationalsozialismus.

Die Vorstellung der „vermin­der­ten Realität“ ist voll­ends bei Orwell ange­langt. Das „Entfernen alles Unwichtigen“ hat in unse­rer heu­ti­gen Medienwelt bereits begon­nen. Es soll opti­miert wer­den und weit über das hin­aus­ge­hen, was uns Werbung schon seit lan­gem vor­gau­kelt. Mittels der geplan­ten all­um­fas­sen­den Digitalisierung sol­len wir der Gedankensteuerung nicht mehr ent­rin­nen kön­nen. Es bedarf dann kei­ner Bücherverbrennung mehr, wie sie die Nazis prak­ti­zier­ten und Bradbury in „Fahrenheit 451“ beschrieb. Die Vernichtung oder das Verstecken von Tatsachen in digi­ta­ler Form ist mäch­ti­ger und weni­ger sicht­bar. „Event 201“ exis­tiert schon heu­te nicht mehr als eigen­stän­di­ger Eintrag bei Wikipedia. Der flap­si­ge Spruch „Die DDR hat es nie gege­ben“ droht Wirklichkeit zu wer­den, wenn das Weltwissen bei Google mono­po­li­siert wird. Hier liegt neben der Totalüberwachung der tie­fe­re Sinn der all­seits geprie­se­nen Digitalisierung.

Neuartige Umgebungserlebnisse sol­len die Realität erset­zen, in Anlehnung an Fernsehserien über das Schicksal von Adelsfamilien. Das ist gemeint mit der Transformation von Humankapital – was für ein ent­lar­ven­des Wort!

Dies alles klingt nicht nur bedroh­lich, son­dern ist es auch. Hier arti­ku­lie­ren sich nicht ein­fach durch­ge­knall­te Milliardäre, deren Hobby die Raumfahrt ist und die ihr Hirn lie­bend ger­ne in Androiden ver­pflan­zen wür­den, um „unsterb­lich“ zu wer­den. Das WEF ist eine Denk- und Ausführungsfabrik füh­ren­der olig­ar­chi­scher Strukturen der gan­zen Welt.

Allerdings gibt es einige „Aber“.

Zum einen gibt es eben­falls mäch­ti­ge Kapitalfraktionen, in deren Interesse die­se Pläne der über­wie­gend US-ame­ri­ka­ni­schen Technologie- und inzwi­schen Gesundheitskonzerne ganz und gar nicht lie­gen. Wer Autos ver­kau­fen will, braucht Menschen, die sie fah­ren und nicht vir­tu­el­le „Umgebungserlebnisse“ genie­ßen wol­len. Wer sei­nen Profit mit Lebensmitteln macht, wird dank­bar Innovationsschübe der Digitalisierung mit­neh­men, sei­ne Gewinne aber nicht an den Versandhandel der Amazon & Co. abtre­ten wol­len. Der chi­ne­si­sche und rus­si­sche, aber auch der ara­bi­sche Kapitalismus sind kei­nes­falls kom­pa­ti­bel mit den vor­ge­stell­ten Plänen. Einzelne Elemente wer­den sicher auch dort gou­tiert und umge­setzt wer­den, eine Auslieferung an die Schwabs erscheint aber sehr unwahrscheinlich.

Zweitens erfor­dern die Pläne eine gigan­ti­sche Ressourcenvergeudung von Energie und der ihnen zugrun­de lie­gen­den Rohstoffe. Bereits heu­te ist der Energiebedarf für den Betrieb der Serverfarmen und der Milliarden Endgeräte enorm. Eine Welt, die sich zuneh­mend bewußt wird über die Endlichkeit natür­li­cher Ressourcen wird dies nicht ohne Widerstand hin­neh­men. Ebenso ist kei­nes­wegs aus­ge­macht, daß die für Erzeugung der erfor­der­li­chen Geräte zwin­gend not­wen­di­gen Grundstoffe in die Hände der Planenden gelan­gen werden.

Zu guter Letzt sind die Pläne der Herrschenden schon immer das Eine gewe­sen, die Bereitschaft der Unteren, sich ihnen zu unter­wer­fen, das Andere. Wovon haben römi­sche Imperatoren, bri­ti­sche Kolonialreichführer, Nazis und ande­re zeit­wei­se sehr Mächtige nicht alles geträumt! Auch sie wähn­ten sich unbe­sieg­bar. Gewiß haben die heu­ti­gen Oligarchen weit­aus raf­fi­nier­te­re und wirk­sa­me­re Propagandamittel zur Verfügung als die frü­he­ren Machthaber. Doch gelingt es ihnen immer weni­ger, die Unteren zu über­zeu­gen. Ja, sie spie­len das Spiel mit, oft mit einer erschre­cken­den Bereitschaft. Aber wer glaubt denn heu­te wirk­lich noch, wir hät­ten es mit einer schreck­li­chen Pandemie zu tun, vor der wir uns alle schüt­zen müs­sen, kos­te es, was es wol­le. Nein, die meis­ten Menschen sagen: Besser als mich alle Tage zu tes­ten, gebe ich mir den klei­nen „Piks“, dann darf ich in Urlaub fah­ren. Kaum jemand tut das aus Angst vor dem Virus. Das zeigt die Grenzen der Propaganda auf.

Vielleicht tue ich den dama­li­gen DDR-BürgerInnen Unrecht, wenn mir als Wessi die Situation heu­te so ähn­lich vor­kommt wie 1988/1989 in der DDR. Da sind alle brav zur 1. Mai-Demo gegan­gen, nicht weni­ge ver­mut­lich sogar über­zeugt. Sie sind „Zettel fal­ten“ gegan­gen und haben sich gesagt, soll die SED doch glau­ben, das sei­en Wahlen. Irgendwann ist die­ses Kartenhaus zusam­men­ge­stürzt. Das konn­te nur pas­sie­ren durch gro­ße Dummheit und Realitätsferne der Regierenden (und natür­lich mit äußerst kräf­ti­ger Mithilfe aus dem Westen). Sind wir dies­be­züg­lich heu­te nicht in einer ver­gleich­ba­ren Lage?

Author: aa