Umfrage unter 1500 Firmen: Unternehmen in Deutschland haben weniger Existenzängste – und bekommen länger Geld vom Staat

Mit dem Abflauen der Coronakrise sehen sich immer weniger Betriebe in Deutschland akut in ihrer Existenz bedroht. Dies geht aus einer Umfrage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter gut 1500 Firmen hervor. Der Anteil dieser Unternehmen sank demnach im Mai von 13 auf acht Prozent. »Die Inzidenzwerte entspannen sich vielerorts, parallel dazu blicken auch die privatwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wieder optimistischer in die Zukunft«, sagte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger.

Vor allem Kleinstbetriebe mit bis zu neun Beschäftigten berichten von deutlich geringeren Existenzängsten. Die positive Entwicklung macht sich auch beim Schaffen neuer Jobs bemerkbar. Insgesamt übersteigen die Einstellungen im Mai in 14 Prozent der Betriebe die Anzahl an Entlassungen.

Auch wenn sich die Aussichten verbessern, sollen die staatlichen Corona-Hilfszahlungen zunächst weiterlaufen: Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch die Verlängerung der Kurzarbeitsregeln. Demnach erstattet der Staat auch über den 30. Juni hinaus die Sozialversicherungsbeiträge bei Kurzarbeit vollständig. Ab Oktober werden die Beiträge dann noch zur Hälfte übernommen, wenn mit der Kurzarbeit bis zum 30. September begonnen wurde. Zudem soll es für die Anmeldung von Kurzarbeit weiter ausreichen, wenn mindestens zehn Prozent der Beschäftigten betroffen sind und nicht wie sonst ein Drittel.

Das Arbeitsministerium beabsichtigt durch die Verlängerung, »Beschäftigungsverhältnisse auch über den 30. Juni 2021 hinaus zu stabilisieren und dadurch Arbeitslosigkeit und gegebenenfalls Insolvenzen möglichst zu vermeiden«. Profitieren dürften davon vor allem Betriebe im Gastgewerbe, die auch im Mai eher entlassen als eingestellt haben. Laut IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei könnte dies daran liegen, dass sich die Betriebe aufgrund der anhaltenden Unsicherheit zurückhielten.

Auch die Wirtschaftshilfen für Unternehmen sollen wohl bis Ende September verlängert werden. Dies meldete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insiderinformationen. Bislang war die sogenannte Überbrückungshilfe III bis Ende Juni angelegt. Damit können Unternehmen, die einen Umsatzeinbruch wegen der Coronapandemie nachweisen können, nun weiterhin große Teile ihrer Fixkosten ersetzt bekommen.

»Zudem werden auch Anreize geschaffen, dass Betriebe schnell wieder öffnen«, zitierte die Agentur aus Regierungskreisen. »So sollen Unternehmen eine Personalkostenhilfe erhalten, wenn sie Mitarbeiter früher aus dem Kurzarbeitergeld-Bezug herausholen oder Beschäftigte neu einstellen.« Auch Solo-Selbstständige wie Künstler, Stadtführer oder Sprachlehrer sollen zusätzliche Hilfen bekommen: Die sogenannte Neustarthilfe soll von bislang 7500 Euro auf 12.000 Euro erhöht werden.