Timon Karl Kaleyta: Geschichte eines einfachen Mannes | kulturnews.de

„Die Geschichte eines einfachen Mannes“ von Timon Karl Kaleyta ist ein moderner Schelmenroman – und gleichzeitig ein Abgesang auf dieses Genre. Denn dass ein Arbeiterkind dieselben Erfolgschancen hat wie Akademikersprösslinge, kann heute nur noch ein weltfremder Fantast glauben. Und so trifft der Ich-Erzähler eine katastrophale Entscheidung nach der anderen, bleibt aber jederzeit von seinen Talenten und seinem Glück überzeugt. Viele Stationen seines Lebens sind von Kaleytas eigener Biografie inspiriert: Wie der Autor mit seiner Band Susanne Blech feiert auch der Protagonist zumindest zwischenzeitlich unverhoffte Erfolge als Musiker. Augenzwinkernd legt Kaleyta seinen Figuren dazu hoffnungslos veraltete Wörter in den Mund, lässt sie ohne jegliche Ironie „frohlocken“ und „verdrießen“. Das ist verdammt lustig – und zugleich eine düstere Satire über Klasse.

Mit „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ hat es Timon Karl Kaleyta auf unsere Liste der besten Bücher im Juni 2021 geschafft.