Tages- und Festgeld: Hier finden Sparer die besten Angebote

von Simone Gr�neweg, Euro am Sonntag

Dagobert Duck badet bekanntlich gern in seinem Geld. Diesem Hobby fr�nen die meisten Sparer noch nicht, aber �hnlich wie die Comicfigur sparen sie gern und viel. Die Ursache f�r den j�ngsten Sparboom ist schnell erkl�rt. Ob der Besuch im Restaurant, im Kino oder beim Friseur – das alles war in den vergangenen Monaten gar nicht oder kaum m�glich. Dementsprechend wurden die Portemonnaies geschont. Wer weniger Gelegenheiten zum Geldausgeben hat, legt entsprechend mehr beiseite. Das Problem: Viele parken ihr Geld auf unverzinsten Giro- und Sparkonten. Dort befanden sich laut DZ Bank bereits Ende vergangenen Jahres fast zwei Billionen Euro.

Die Bilanz solcher Einlagen f�llt bitter aus. Der Leitzins der Europa�ischen Zentralbank (EZB) du�mpelt seit Ma�rz 2016 bei null Prozent. Banken, die bei der EZB Geld parken, mu�ssen 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen. Dementsprechend haben die Finanzinstitute ihre Zinsofferten an die Sparer stark reduziert.

Negativzinsen nehmen zu

Mittlerweile rollt sogar eine Negativzinswelle auf die Sparer zu. Immer mehr Kreditinstitute bitten ihre Kunden zur Kasse, wenn sie ihr Geld sicher bunkern wollen. Bislang kassieren die Banken vor allem bei Tagesgeldkonten. Laut einer aktuellen Auswertung des Finanzportals Verivox verlangen derzeit 329 Banken Negativzinsen von Privatkunden. Meistens handelt es sich um einen Minuszins in H�he von 0,5 Prozent. In die Schlagzeilen gerieten zuletzt auch die Commerzbank und die Targobank, denn sie erheben selbst bei Neukunden auf Sparkonten ab einem bestimmten Freibetrag Negativzinsen, die Banken meist lieber Verwahrentgelt nennen.

Als sei das nicht schon genug, knabbert zus�tzlich die Inflation am Ersparten. Im April lagen die Verbraucherpreise um zwei Prozent �ber dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Direktbank Comdirect rechnet regelm��ig vor, was die Inflation f�r konservative Sparer bedeutet. In den ersten drei Monaten 2021 betrugen die Zinss�tze f�r Tages- und Festgelder, Girokonten und Spareinlagen hierzulande durchschnittlich gerade mal 0,11 Prozent, w�hrend die Inflationsrate bei 1,36 Prozent lag. „Daraus ergibt sich ein Realzins von minus 1,25 Prozent“, schreiben die Finanzexperten. Das ist also der Zins, den die Sparer nach Abzug der Inflation erzielen. Damit haben die Spareinlagen der Deutschen in dem Zeitraum 8,1 Milliarden Euro an Wert verloren.

An der Gesamtsituation wird sich vorerst nichts �ndern. „Auch wenn in den letzten Wochen an den Finanzm�rkten viel �ber steigende Zinsen gesprochen wird, muss man gut zwischen Leitzinsen der Notenbanken und Kapitalmarktzinsen unterscheiden“, betont Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Die langfristigen Kapitalmarktzinsen seien zuletzt durch h�here Inflationsraten und das – erwartete – Anziehen der Konjunktur gestiegen. „Die Notenbanken haben allerdings deutlich gemacht, dass sie nicht mit Leitzinserh�hungen auf eine h�here Inflation reagieren und erst einmal �ber diesen Anstieg hinwegschauen werden“, sagt Brzeski.

Auch wenn die Gemengelage f�r konservative Sparer frustrierend erscheint, sollten sie das Beste aus der Situation machen. Es geht mitunter darum, die Verluste m�glichst gering zu halten. Die FMH-Finanzberatung hat f�r �uro am Sonntag deswegen die derzeit attraktivsten Offerten f�r Festgeld, Tagesgeld und langfristige Anlagen herausgesucht. Dabei gilt: Wer von solchen Angeboten profitieren m�chte, muss in der Regel flott reagieren – die Konditionen �ndern sich h�ufig recht schnell. Immer wieder werben Geldh�user mit befristeten Zinsaktionen um neue Kunden oder schlicht Aufmerksamkeit.

Beim Tagesgeld f�llt derzeit die Bank of Scotland auf. F�r alle Einzahlungen, die man dort bis zum 28. Mai vornimmt, zahlt das Institut einen Bonuszins in H�he von 0,4 Prozent. Den gibt es f�r drei Monate zus�tzlich zum Basiszins von 0,1 Prozent. Mit einer besonderen Offerte wartet auch die Openbank auf. Bis zum 16. Juni erhalten Kunden dort noch 0,5 Prozent f�rs Tagesgeld. Die Digitalbank geh�rt zur spanischen Open Bank, die ihren Sitz in Madrid hat. Die Bigbank aus Estland bietet als Onlinebank auch Kunden in Deutschland Sparprodukte an. Sie zahlt immerhin noch 0,4 Prozent f�r Einlagen auf Tagesgeldkonten. Auch beim Festgeld und bei den langfristigen Anlagen steht die Bigbank mit ihren Konditionen an der Tabellenspitze.

Einlagensicherung beachten

Das angelegte Verm�gen bei der estnischen Bank unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung. Das bedeutet: Im Pleitefall haben alle Kontoinhaber einen Rechtsanspruch auf R�ckerstattung ihres Geldes bis zu einer Summe von 100.000 Euro. Bei der Bank11, die 0,1 Prozent aufs Tagesgeld zahlt, gilt dagegen die erweiterte Sicherung. Die Bank ist freiwilliges Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Dort sind Spareinlagen in Millionenh�he gesch�tzt.

Dass Anleger aufpassen sollten, wo sie ihr Geld bunkern, zeigt das Beispiel der Greensill Bank. Die Tochter eines britisch-australischen Finanzkonglomerats fiel hierzulande vor allem mit attraktiveren Konditionen beim Tagesgeld auf, musste aber im M�rz Insolvenz anmelden. Die Privatanleger hatten Gl�ck im Ungl�ck: Die Finanzaufsicht Bafin stellte wenige Stunden nach der Er�ffnung des Insolvenzverfahrens offiziell den Entsch�digungsfall fest. Damit griff die Einlagensicherung. Laut dem Bundesverband deutscher Banken waren Privatanleger bei Greensill nicht nur �ber die gesetzliche Einlagensicherung abgesichert, sondern es wurden auch Anspr�che �ber den Einlagensicherungsfonds bedient.

Sparkasse D�sseldorf greift durch

Kritik gab es nach dieser Pleite an Zinsportalen wie Zinspilot oder Weltsparen, denn die Bremer Greensill Bank warb auch auf solchen Seiten. Die Portale haben vor allem die Geldanlage im Ausland als Gesch�ftsmodell entdeckt und agieren dabei lediglich als Vermittler. Sparer k�nnen �ber die Plattformen relativ bequem in anderen L�ndern anlegen und unb�rokratisch Angebote wechseln.

Verbrauchersch�tzer raten aber zur Vorsicht, denn sie sehen insbesondere Offerten aus wirtschaftlich kriselnden L�ndern kritisch. Je schlechter die Kreditw�rdigkeit eines Staats ist, desto h�her ist die Wahrscheinlichkeit, dass dessen Sicherungssysteme nicht funktionieren. Und darauf sei man im Pleitefall angewiesen. Wer solchen Unw�gbarkeiten aus dem Weg gehen m�chte und bei der Hausbank bleibt, muss sich ebenfalls wappnen. Zahlreiche Institute haben bereits Negativzinsen eingef�hrt.

Ziemlich konsequent zog das die Sparkasse D�sseldorf durch. Das Geldhaus betreut mehr als 405.000 Kunden und f�hrte ein Verwahrentgelt in H�he von 0,5 Prozent ein. F�r Bestandskunden gilt dabei ein Freibetrag von 100.000 Euro, f�r Neukunden sind es 50.000 Euro. Zun�chst schrieb die Bank 1.800 Kunden mit mehr als 250.000 Euro auf Tagesgeld- und Girokonten an. Bei 99 Prozent der Kunden habe man eine individuelle L�sung gefunden, sagt ein Sprecher der Bank. Entweder wurde Geld umgeschichtet oder das Verwahrentgelt akzeptiert.

F�nf Betroffene reagierten nicht. Die Bank blieb konsequent: Das Geld dieser Kunden in H�he von 2,43 Millionen Euro �berwies sie ans Amtsgericht. Derzeit werden in einer zweiten Runde Kunden mit einem Verm�gen von mehr als 130.000 Euro kontaktiert.

Das Beispiel zeigt, wie ungem�tlich es f�r Sparer wird. Sie m�ssen damit rechnen, dass die Bank auf sie zukommt. „Bei Bestandskunden brauchen die Institute die Zustimmung der Kunden, um Negativzinsen erheben zu k�nnen“, erkl�rt der Frankfurter Rechtsprofessor Tobias Tr�ger. Einseitig k�nnen sie die nicht einf�hren. Das gelte auch, wenn die Bank eine Verg�tung f�r das Verwahren der Kundengelder haben m�chte. „In dem Fall m�ssen die Banken die Vertragsbeziehung zum Kunden umstellen und einen echten Verwahrvertrag abschlie�en. Eine solche Vertrags�nderung bedarf aber ausnahmslos der Zustimmung des Kunden“, erg�nzt Tr�ger.

Vermutlich werden in den kommenden Monaten noch viele Sparer von ihren Banken angeschrieben. „Wer viel Geld auf seinen Konten liegen hat, sollte sich grunds�tzlich wappnen, bevor er zum Gespr�ch mit dem Bankberater geht“, r�t der Finanzexperte Sascha Straub von der Verbraucherzentrale Bayern. Eine M�glichkeit: Kunden k�nnen ihr Geld auf verschiedene Konten verteilen, um Freigrenzen einzuhalten. Allerdings m�sse man dabei andere anfallende Kosten wie Kontof�hrungsgeb�hren im Blick haben, sagt Straub.

Besondere Vorsicht sei geboten, wenn die Bank eigene Finanzprodukte anpreise, warnt er. „Einerseits ist es nat�rlich sinnvoll, das Ersparte in andere Bereiche zu investieren. Man sollte sich jedoch erkundigen, ob die angepriesenen Produkte wirklich gut sind“, sagt der Verbrauchersch�tzer. Ansonsten k�nne sich die Situation der Anleger auch verschlimmbessern. „Wenn jemand etwa in �berteuerte Fonds mit einer schwachen Performance investiert, verliert er am Ende vielleicht noch mehr Geld.“

Wer zu einer anderen Bank wechselt, muss sich mit den Bedingungen des neuen Anbieters abfinden. Experten raten wechselwilligen Sparern darum zur Vorsicht. In der Regel werden sich die Geldh�user von den Neukunden direkt einr�umen lassen, dass sie einen Negativzins einf�hren k�nnen, der sich hinter dem n�chterner anmutenden Wort Verwahrentgelt verbirgt.


INVESTOR-INFO

Einlagensicherung Generell

Wird eine Bank in Europa insolvent, erhalten Kontoinhaber ihr Geld bis zu einer Summe von 100.000 Euro automatisch zur�ck. Darauf haben sie einen Rechtsanspruch. Bei Ehepaaren mit einem Gemeinschaftskonto liegt die Grenze bei 200.000 Euro. Das gilt f�r Guthaben auf Giro-, Tages- und Termingeldkonten. Verbraucher sollten jedoch wissen: Die Europ�ische Union hat die Regeln daf�r festgelegt, die Einlagensicherung liegt jedoch in der Hand der einzelnen L�nder. Banken aus Nicht-EU-Staaten k�nnen zudem v�llig anders organisiert sein. Wer dort sein Geld anlegen m�chte, sollte sich darum unbedingt mit den Regelungen der entsprechenden L�nder vertraut machen.

Besonderheit

Der Verkauf des Eigenheims, eine Abfindung nach der K�ndigung oder der Eintritt ins Rentenalter – in solchen Lebenssituationen kann sich eine gro�e Summe auf dem Konto befinden. Liegen solche besonderen Lebensumst�nde vor, gilt im Fall der Zahlungsunf�higkeit der Bank f�r die Kunden eine Sicherungsgrenze bis zu 500.000 Euro. Der erh�hte Schutzumfang gilt nur f�r sechs Monate ab dem abzusichernden Ereignis.

Privatbanken

Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) sch�tzt das Guthaben von Kunden bei privaten Banken in Deutschland. Falls sie mehr als 100.000 Euro durch eine Insolvenz verloren haben, steht die Sicherung f�r den dar�ber hinausgehenden Betrag gerade. Nach der Greensill-Bank-Pleite musste sie etwa drei Milliarden Euro in die Hand nehmen, um Anleger zu entsch�digen. Welche Summe je Kunde abgesichert ist, richtet sich nach dem haftenden Eigenkapital der jeweiligen Bank. Infos dazu gibt es unter www.bdb.de.

Sparkassen und Co

Alle �ffentlich-rechtlichen Sparkassen, Landesbanken und Landesbausparkassen sowie Genossenschaftsbanken geh�ren institutsbezogenen Sicherungssystemen an. Geht es einem Institut finanziell schlecht, wird es von den anderen Verbandsmitgliedern unterst�tzt, bis es wieder solvent ist. N�here Informationen dazu findet man im Internet unter www.dsgv.de und www.bvr.de.

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