Streit über Vorverkaufsgebühr: Münchner Landgericht rügt Eventim

Tickethändler dürfen Vorverkaufsgebühren für abgesagte Veranstaltungen nicht automatisch auf Kosten ihrer Kundschaft behalten. Das urteilte das Landgericht München I und gab somit in einem wesentlichen Punkt der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen recht, die gegen die Münchner Ticketagentur Eventim geklagt hatte. Das Gericht nannte die Beteiligten nicht, allerdings begrüßte anschließend die Verbraucherzentrale die Entscheidung (Aktenzeichen: 37 O 5667/20).

Der Klage vorausgegangen waren laut Verbraucherzentrale massenhafte Beschwerden zur Rückerstattungspraxis von Eventim. Kunden beklagten demnach, »dass Eventim die Erstattung von Tickets für coronabedingt verschobene Veranstaltungen verweigere. Außerdem behielt Eventim bei ersatzlos abgesagten Veranstaltungen in nicht nachvollziehbarer Weise Gebühren ein und erstattete nicht den vollen Kaufpreis«, so die Zentrale in ihrer Pressemitteilung.

Zu Unrecht, wie die Richter urteilten. Ein entsprechender Satz in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ist demnach rechtswidrig. Wenn eine Veranstaltung erfolgreich über die Bühne geht, streicht der Tickethändler bei Verkauf auf Provisionsbasis die Kommission allein ein. Daher sollte der Händler auf der anderen Seite auch das entsprechende Risiko allein tragen, und nicht bei einer abgesagten Veranstaltung Kosten auf die Kunden abwälzen, argumentierte die Kammer. Ein zweiter Punkt: Die Höhe der Vorverkaufsgebühr ging aus den Ticketpreisen vielfach gar nicht hervor. Das rügte das Gericht als intransparent.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und bedeutet außerdem laut Gericht auch nicht, dass der Tickethändler in jedem Fall automatisch die Vorverkaufsgebühr für eine abgesagte Veranstaltung zurückerstatten müsste. Es kann als Teilerfolg gewertet werden – nicht durchsetzen konnte sich die Verbraucherzentrale nämlich in der Frage, ob die Agentur auch bei Verschiebung von Veranstaltungen in jedem Fall verpflichtet ist, Stornierungen zu akzeptieren.