Stahltechnologie – Voestalpine will ab 2050 klimaneutral sein

Das Versprechen einer „grünen Stahlzukunft“ steht. Bis 2030 will die Voestalpine ihre Emissionen in einem ersten Schritt gegenüber dem Status quo vor der Viruskrise um 30 Prozent senken. Allerdings brauche es dafür politische Unterstützung, sagte Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch bei der Bilanzpräsentation. Denn für den Umstieg von den klassischen Kohlehochöfen auf eine elektrifizierte Produktion – für die Standorte Linz und Donawitz werde das alles in allem circa eine Milliarde Euro kosten – müsse es ausreichend erneuerbare Energien zu wettbewerbsfähigen Preisen sowie ein entsprechend ausgebautes Stromnetz geben. „Da hat die Politik noch keinen Plan“, so Eibensteiner.

Bis 2030 will die Voestalpine bei ihren Gesamtemissionen von elf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr drei bis vier Millionen Tonnen einsparen. In einem weiteren Schritt will sie dann ihre Stahlproduktion bis 2050 klimaneutral machen. Zusätzlich zu grünem Strom soll dabei eine Technologie eingesetzt werden, die auf grünem Wasserstoff basiert, derzeit aber noch nicht ausgereift ist.

Indes sieht sich Österreichs größter CO2-Emittent in seiner Branche schon bisher als Vorreiter in Sachen Umwelt- und Klimaschutz. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat er hier laut Eibensteiner insgesamt 2,4 Milliarden Euro in umweltfreundlichere Produktionsprozesse und einschlägige Forschungsprojekte investiert. So verfügt der Konzern inzwischen über etliche Patente. Eines etwa betrifft die Herstellung von klimaneutralem, für die Stahlerzeugung bestimmtem Vormaterial (Eisenschwamm) unter Einsatz von Biogas und grünem Wasserstoff. Hier will die Voest künftig Lizenzen vergeben.

Neues Edelstahlwerk wird um einiges teurer und später fertig

Bei seinem aktuell größten Investitionsprojekt – dem Bau eines neuen Edelstahlwerks im steirischen Kapfenberg – macht der Konzern unterdessen wieder Tempo. Zuvor war es wegen der Pandemie zu Lieferverzögerungen bei Anlagenlieferanten gekommen, was den Zeitplan für die Fertigstellung nach hinten verschoben hat. Die Kaltinbetriebnahme des Werks stellt das Management zwar noch für heuer – Ende 2021 – in Aussicht. Mit dem Vollbetrieb sei jedoch erst Mitte 2022 zu rechnen.

Wie Eibensteiner weiter mitteilte, sei daneben auch von deutlich höheren Kosten für das Bauprojekt auszugehen. Gegenüber dem Investitionsplan von 350 Millionen Euro rechnet der Stahlmanager mit einer Kostenüberschreitung von 10 bis 20 Prozent, also 35 bis 70 Millionen Euro.

Das neue Edelstahlwerk selbst wird laut Voestalpine einen hohen Digitalisierungs- und Automatisierungsgrad haben und das weltweit modernste seiner Art sein. Wie es hieß, werde es für eine Jahresproduktion von bis zu 205.000 Tonnen Spezialstahl ausgelegt sein und 100 hoch qualifizierte Mitarbeiter beschäftigen.

Im Geschäftsjahr 2020/21, das mit 31. März zu Ende ging, ist die Voestalpine wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Obwohl Corona-bedingt beim Umsatz 1,5 Milliarden Euro verloren gingen und eine Sonderabschreibung von 197 Millionen Euro zu verkraften war, konnte netto ein kleiner Gewinn von knapp 32 Millionen Euro verbucht werden – nach einem Verlust von 216,5 Millionen im Jahr davor.

„Neben dem konjunkturellen Rückenwind (vor allem im vierten Geschäftsquartal, Anm.) lieferten unsere internen Maßnahmen zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung einen entscheidenden Beitrag zum positiven Jahresabschluss“, erklärte Eibensteiner in einer virtuellen Pressekonferenz. Geplant ist nun, die Dividende von 20 auf 50 Eurocent je Aktie anzuheben.

Dank anhaltend guter Nachfrage in fast allen Kundenbranchen sieht die Voestalpine ihre Werke derzeit voll ausgelastet. Mit seinen Produkten beliefert der Konzern, sehr viele industrielle Branchen – darunter die Bereiche Auto, Konsumgüter, Bau, Bahn, Luftfahrt sowie Öl und Gas. Eibensteiner rechnet zumindest bis Ende des Kalenderjahres 2021 mit einer weiteren Erholung der globalen Konjunktur. Wichtige Wachstumsimpulse erwartet er sich auch von den billionenschweren Paketen in Europa und den USA zur Belebung der Wirtschaft nach der Viruskrise.

Betriebsgewinn sollte 2021/22 deutlich höher ausfallen

Ein wenig getrübt wird die aktuelle Geschäftsentwicklung lediglich durch angespannte Lieferketten – etwa den Chipmangel in der Autoindustrie – und steigende Preise bei den Rohstoffen (Erz, Kohle, Legierungselemente etc.). Bisher sei es aber gelungen, die Rohstoffpreissteigerungen den Kunden weiterzuverrechnen.

Für das angelaufene Geschäftsjahr 2021/22 stellte Eibensteiner einen deutlich höheren operativen Gewinn (Ebitda) von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro in Aussicht. 2020/21 lag diese Kennzahl bei 1,1 Milliarden.

Ein weiterer Personalabbau in Österreich steht unterdessen nicht an: „Wir haben in der Steiermark 550 Mitarbeiter abgebaut und sehen keinen Bedarf, jetzt noch zusätzlich Abbaumaßnahmen vorzunehmen“, so Eibensteiner. Nachsatz: „Mittlerweile haben wir auch die Kurzarbeit in der Steiermark beendet.“