Staatsholding – Catasta will an „erfolgreichen Kurs“ von Schmid anschließen

Nach dem Rücktritt von Thomas Schmid von der Spitze der Österreichischen Beteiligungs AG (Öbag), ist Christine Catasta ab Mittwoch interimistische Alleinvorständin der Staatsholding. Erst seit vergangenem Oktober ist sie Öbag-Direktorin, als Prokuristin und Leiterin des Beteiligungsmanagements war sie Schmid zur Seite gestellt worden. Catasta zog auch in Aufsichtsräte von Beteiligungsfirmen ein, um dort die Interessen der Republik zu vertreten.

Am Rande einer Diskussion des Internationalen Forum für Wirtschaftskommunikation am Dienstag Abend sagte sie, sie wolle an den „sehr erfolgreichen Kurs“ Schmids anschließen. Sie will für Kontinuität sorgen, aber auch fürs Einkehren von Ruhe. Sie betonte erneut, dass sie sich nicht für die Nachfolge von Schmid bewerben werde und das in der heutigen Aufsichtsratssitzung ausgeschlossen habe. Dann im Herbst oder spätestens zum Jahresende werde sie an einen neuen Chef übergeben. 

Das ÖBAG-Team und den vorzeitig gehenden Schmid, der über Chatprotokolle mit seiner Assistentin und Spitzenvertretern der ÖVP gestolpert ist, lobte Catasta in höchsten Maßen. „Ich schließe an einen sehr erfolgreichen Kurs an, den Thomas Schmid eingeleitet hat“, sagte die Wirtschaftsprüfungsexpertin. Schmid habe die „Strategie gesetzt“, für Wertsteigerungen gesorgt, die Dividenden seien gestiegen. „Der Aufsichtsrat war sehr zufrieden mit der Arbeit von Schmid.“ Aber, so Catasta: Es seien viele Chatprotokolle öffentlich geworden „wie sie alle in ihren Handys haben, sie sind aber nicht öffentlich. So ist Druck entstanden und Thomas Schmid hat sich entschlossen, zurückzutreten.“

Erfahrene Wirtschaftsprüferin

In Wirtschaftskreisen ist sie keine Unbekannte, und ihr Einzug in die Öbag war auch keine Überraschung. Sie war von 1982 bis 2020 beim Wirtschaftsprüfer PwC Österreich tätig und leitete die Firma ab 2018. Die zweifache Mutter hat das Doktoratsstudium der Wirtschaftswissenschaften an der WU Wien absolviert und war beeidete Wirtschaftsprüferin. Ihr Spezialgebiet war Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung.

Neben der Öbag bekleidet sie zahlreiche weitere Positionen. Sie ist Aufsichtsratsmitglied bei der Erste Bank und Sparkasse, beim Verbund, den Casinos Austria und der AUA. Außerdem ist sie Vorstandsmitglied bei der Österreichischen Luftverkehrs-Privatstiftung (ÖLP) und Mitglied des Instituts österreichischer Wirtschaftsprüfer, im Fachsenat für Betriebswirtschaft und Organisation der Kammer der Wirtschaftstreuhänder und auch der „Professional Ethics and Competences Working Party of Accountancy Europe“ in Brüssel. Dazu kommt noch die Tätigkeit als Präsidentin der „Association of Corporate Growth“ und jene als Beirätin bei Leitbetriebe Austria. Unter weiteren Funktionen ist sie etwa Vorstandsmitglied beim Rotary Club Wien-Belvedere.

Catasta soll nun an der Spitze der Öbag wieder für mehr Ordnung und Ruhe sorgen und die Suche nach einem neuen Vorstand vorantreiben. Sie selbst wird nicht für den Vorstandsposten kandidieren, wie die Öbag in einer Aussendung mitteilt.

Die Staatsholding verwaltet die Anteile der Republik an elf Unternehmen – unter anderen an der OMV, der Post, dem Verbund, den Casinos Austria, der Telekom Austria und der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Der Wert ihres Portfolios beträgt knapp 27 Milliarden Euro. Im Vorjahr spülten die Beteiligungsfirmen in Form von Dividenden 480 Millionen Euro in die Staatskassen. Im Zuge der Ernennung Schmids als Alleinvorstand wurde immer wieder kritisiert, dass „nur“ ein Vorstand allein ein so umfassendes und großes Portfolio verwaltet.

Imageschaden bei Öbag

Die Skandale rund um Schmids Chats und sein damit einhergehender Rückzug aus der Öffentlichkeit haben die Öbag de facto handlungsunfähig gemacht. Und auch in den Beteiligungsunternehmen – in manchen davon war Schmid auch im Aufsichtsrat – hatte man wenig Freude mit Schmids Handy. „Du bist Familie“, soll ihm Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) einmal geschrieben haben. Als die gesetzliche Grundlage für den neuen Job in der Öbag gegeben war, habe Blümel, damals Kanzleramtsminister, an Schmid geschrieben: „Schmid AG fertig.“ Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) soll ihm geschrieben haben: „Kriegst eh alles, was du willst.“ Das bezog sich auf die Bitte Schmids, kein Vorstand ohne Mandate zu werden.

Auch vor Schmids Rücktritt soll Catasta innerhalb der Öbag Einfluss gehabt haben und eine gewichtige Rolle gespielt haben. Sie genießt auch innerhalb der Beteiligungsunternehmen einen guten Ruf und konnte ihren Namen bisher aus den skandalträchtigen Enthüllungen heraushalten. (red.)