Polizei nennt Hass als Motiv: Mann überfährt muslimische Familie in Kanada – vier Tote

Tschechien öffnet Grenzen für EU-Bürger ab 21. Juni +++ Großrazzia in Berliner Hotel wegen illegalen Glücksspiels +++ CO2-Konzentration erreicht im Mai historischen Höchststand +++ Die Nachrichtenlage am Dienstagmorgen.

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

Wie die kanadische Polizei am Montag (Ortszeit) mitteilte, hat ein 20-jähriger Mann bereits am Sonntag vier Mitglieder einer muslimischen Familie überfahren. Die Ermittler seien überzeugt, „dass diese Opfer angegriffen wurden, weil sie Muslime waren“, so ein Sprecher. Kanadas Premierminister Justin Trudeau äußerte sich „entsetzt“ über die Tat. Kanada stehe an der Seite der muslimischen Gemeinschaft, schrieb er auf Twitter: „Islamophobie hat keinen Platz in irgendeiner unserer Gemeinschaften. Diese Hass ist heimtückisch und verachtenswert – und er muss aufhören.“

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag

Wir haben für Sie zusammengefasst, was in der Nacht passiert ist:

Auto-Attacke in Kanada: Polizei geht von islamfeindlichem Motiv aus

Bei einem gezielten Angriff mit einem Auto hat ein Mann in Kanada vier Mitglieder einer muslimischen Familie getötet. Der 20-Jährige habe die Menschen nach ersten Erkenntnissen am Sonntagabend in der Provinz Ontario gezielt auf einem Bürgersteig überfahren, erklärte die Polizei am Montag (Ortszeit). Bei den Opfern handelt es sich laut Stadtverwaltung um zwei Frauen im Alter von 74 und 44 Jahren, einen 46-jährigen Mann und ein 15 Jahre altes Mädchen – drei Generationen einer Familie. Ein neunjähriger Junge überlebte den Angriff schwer verletzt. 

Frauen mit Hijab trauern um die Opfer eines mutmaßlich antimuslimischen Angriffs und legen Blumen an einer Ampel nieder

Eine Frau legt Blumen am Angriffsort ab. Vier der fünf überfahrenen Mitglieder einer muslimischen Familie starben.

© Brett Gundlock / The Canadian Press via AP / DPA

Es gebe „Hinweise, dass dies eine geplante und durch Hass motivierte Tat war“, sagte Polizeisprecher Paul Waight am Montag. Ihm zufolge wurde der Mann sieben Kilometer vom Tatort entfernt in der Stadt London festgenommen. Gegen ihn wird wegen vierfachen Mordes und Mordversuchs ermittelt. Zudem prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft eine mögliche Anklage wegen „Terrorismus“.

US-Vizepräsidentin strebt Kooperation mit Guatemala in Migrationskrise an

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat sich bei einem Besuch in Guatemala für eine Zusammenarbeit der beiden Länder in Migrationsfragen ausgesprochen. Ziel müsse es sein, die Fluchtursachen in dem zentralamerikanischen Land zu bekämpfen und Lösungen für „seit Langem bestehende Probleme“ zu finden, sagte Harris bei einem Treffen mit Präsident Alejandro Giammattei in Guatemala-Stadt. Den Menschen müsse „ein Gefühl der Hoffnung“ vermittelt werden. Es müsse verhindert werden, dass sie sich wegen der Missstände in ihrem Land zur Flucht in die USA gezwungen sähen. 

Harris warnte die Bewohner des von Armut und Gewalt geplagten Landes davor, illegal in die Vereinigen Staaten einzureisen. Wer dies versuche, werde an der Grenze wieder zurückgeschickt. Die USA würden weiterhin ihre Gesetze durchsetzen und ihre Grenze sichern. 

Tschechien öffnet Grenzen für EU-Bürger ab 21. Juni

Tschechien öffnet seine Grenzen ab 21. Juni für Reisende aus der EU und aus Serbien. Bei der Einreise muss eine vollständige Impfung gegen das Coronavirus oder eine überstandene Infektion nachgewiesen oder ein negativer Coronatest nachgewiesen werden, wie die Regierung in Prag am Montag mitteilte. 

Nächtliche Großrazzia in Berliner Hotel wegen illegalen Glücksspiels

Die Berliner Polizei hat am späten Montagabend mit der Durchsuchung eines Hotelgebäudes in der Nähe des Kurfürstendamms begonnen. Es gehe um den Verdacht des illegalen Glücksspiels, sagte eine Polizeisprecherin auf DPA-Anfrage. Im Einsatz seien fast 300 Kräfte der Polizei. In dem Hotel müssten zehn Geschosse inklusive Keller durchsucht werden. Ein Polizeisprecher am Einsatzort sagte, es gehe um 160 Zimmer. Auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) war bei der nächtlichen Razzia vertreten.

CO2-Konzentration erreicht im Mai historischen Höchststand

US-Wissenschaftler schlagen Alarm: Trotz der Corona-Pandemie hat die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre im vergangenen Monat den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Das Mauna Loa-Observatorium in Hawaii, das seit 1958 Messungen vornimmt, verzeichnete für den vergangenen Monat durchschnittlich 419 Teile pro Million (ppm), wie die US-Behörde für Wetter, Klima und Ozeanographie (NOAA) am Montag mitteilte. 

Der Mai ist üblicherweise der Monat mit den höchsten Kohlendioxidwerten im Jahr. Im Mai vergangenen Jahres lag der durchschnittliche Wert bei 417 ppm.

Was heute wichtig wird

Das sind die wichtigsten Themen und Termine des Tages:

Nach Sachsen-Anhalt-Wahl kommen mehrere Fraktionen zusammen

Die meisten neuen Fraktionen im Landtag von Sachsen-Anhalt kommen heute zu ihren ersten Treffen nach der Wahl zusammen. Die Fraktionen von CDU und SPD konstituieren sich offiziell und wollen ihre Vorstände wählen, wie Sprecher mitteilten. Bei der CDU steht der bisherige Fraktionschef Siegfried Borgwardt für eine Wiederwahl zur Verfügung, hieß es. Die bisherige Fraktionschefin der SPD, Katja Pähle, äußerte sich noch nicht zu einer möglichen Wiederwahl. Auch die Grünen und Linken treffen sich jeweils im Landtag, planen laut Sprechern aber keine Wahlen. Im Zentrum dürfte die Auswertung der Wahlergebnisse von Sonntag stehen. 

Die Grünen hatten am Montagabend bereits mitgeteilt, nicht erneut für eine Koalition mit CDU und SPD zur Verfügung zu stehen. 

Die Morgenlage: Polizei nennt Hass als Motiv: Mann überfährt muslimische Familie in Kanada – vier Tote

Völkermord von Srebrenica: Letztes Urteil über Ex-General Mladic

Fast 26 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica fällt das UN-Kriegsverbrechertribunal das letzte Urteil über einen der mutmaßlich Hauptschuldigen, den serbischen Ex-General Ratko Mladic. In erster Instanz war der heute 78 Jahre alte Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Erwartet wird, dass die Richter dieses Urteil in der Berufung bestätigen. Mladic selbst will einen Freispruch erreichen.

Mladic wurde während des Bosnienkrieges (1992-1995) als „Schlächter vom Balkan“ bekannt. 2017 war er wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermords zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zu seinen Verbrechen zählen die jahrelange Belagerung Sarajevos mit mehr als 10.000 Toten, die Verfolgung und Vertreibung von bosnischen Muslimen und Kroaten sowie der Völkermord von Srebrenica.

Prozess gegen mutmaßlichen Brandstifter aus linker Szene beginnt in Berlin

Vor dem Berliner Landgericht beginnt ein Prozess gegen einen mutmaßlichen Brandstifter aus der linken Szene. Die Anklage wirft dem 46-Jährigen neben Brandstiftung auch das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Er soll ab Juli 2009 als Mitglied einer militanten sozialrevolutionären Gruppierung Brandanschläge auf Gebäude der öffentlichen Verwaltung und der Wirtschaft in Berlin verübt haben. Der Angeklagte soll in der Hoffnung, durch erhebliche Straftaten einen Umsturz des politischen und gesellschaftlichen Systems zu erwirken, das Haus der Wirtschaft, das Holztor der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die Eingangstür des Amtsgerichts Wedding in Brand gesetzt haben. Für das Verfahren sind zunächst 21 Verhandlungstage bis Oktober angesetzt.

Zverev will bei French Open erstmals ins Halbfinale

Alexander Zverev will bei den French Open erstmals das Halbfinale erreichen. Deutschlands bester Tennisspieler trifft heute im dritten Spiel auf dem Centre Court auf den Spanier Alejandro Davidovich Fokina. Die Partie beginnt nicht vor 16 Uhr. Bislang war für den 24 Jahre alten Hamburger beim Sandplatz-Klassiker in Paris immer spätestens im Viertelfinale Schluss. Gegen Davidovich Fokina geht Zverev aber als klarer Favorit in die Begegnung.

Eine asiatisch aussehende Frau schaut bei Sonnenschein hoch zum Tennisball, den ihre linke Hand gerade hochwirft

Parlament in Namibia debattiert über Versöhnungsabkommen mit Deutschland

Das Parlament in Namibia beginnt mit der Debatte über ein Versöhnungsabkommen mit Deutschland zur Aufarbeitung der blutigen deutschen Kolonialgeschichte. Mit dem Abkommen will Deutschland die Verbrechen deutscher Kolonialtruppen an den Volksgruppen der Herero und Nama Anfang des 20. Jahrhunderts offiziell als Völkermord anerkennen und die Nachkommen der Opfer um Entschuldigung bitten. Angekündigt ist zudem ein 1,1 Milliarden Euro umfassendes Wiederaufbauprogramm. 

Vertreter der Herero und Nama hatten die Vereinbarung scharf kritisiert und unter anderem eine mangelnde Beteiligung von Opfergruppenvertretern bei den Verhandlungen beklagt.

Weitere Nachrichten lesen Sie hier bei stern.de. Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihre stern-Redaktion

reb DPA AFP