Osteoporose in den Wechseljahren

Frau mit Osteoporose in den Wechseljahren© iStock.com/victor_69

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Osteoporose, Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Depressionen – das und mehr sind die Schreckgespenster der Wechseljahre. Gegen die Menopause kann man nichts tun, sehr viel aber mit gesunder Ernährung und Sport gegen fast alle Symptome. Zusätzliche Hormone müssen nicht sein. Ein gewisses Unbehagen beschleicht wohl alle Frauen, wenn sie an die bevorstehenden Wechseljahre denken. Und diejenigen, die schon mittendrin sind, kämpfen mit ganz unterschiedlichen Problemen, fühlen sich hilflos dieser tiefgreifenden Phase ihres Lebens ausgesetzt. Was Osteoporose mit den Wechseljahren zu tun hat und was dagegen hilft, lesen Sie hier.

Was sind eigentlich die Wechseljahre?

Tatsache ist: Die Wechseljahre, auch Klimakterium oder Menopause genannt, werden durch einen dauerhaften Rückgang der Hormonproduktion (Östrogen und Progesteron) geprägt. Dieser Lebensabschnitt trifft die meisten Frauen irgendwann im Alter zwischen 45 und 50 Jahren, oder extremer, zwischen 40 und 55.

Von den 85 Prozent der Frauen, die überhaupt Beschwerden haben, leiden 25 Prozent unter starken Wechseljahrsbeschwerden: Dazu gehören Hitzewallungen, labile Stimmungen bis hin zu Depressionen, weniger Lust am Sex, Schlafstörungen und Kopfschmerzen. Zudem können Müdigkeit, Herz-Kreislaufbeschwerden, veränderte Regelblutungen, trockenere Haut oder eine Gewichtszunahme auftreten.

Osteoporose in den Wechseljahren

Eine weitere häufige Begleiterscheinung ist eine Abnahme der Knochendichte – die gefürchtete Osteoporose. Diese entsteht, wenn der ständig stattfindende Wechsel zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau im Körper gestört ist. Dadurch wird die Dichte der Knochen herabgesetzt, weshalb sie porös werden und leichter brechen.

Osteoporose ist ein weit verbreitetes Problem von Frauen in den Wechseljahren, und zwar aufgrund des durch die Menopause ausgelösten Östrogenmangels. Die Östrogene steuern nämlich die Aufnahme von Kalzium in den Knochen. Kalzium wiederum ist zentral für den Aufbau von Knochen, beziehungsweise des Knochengewebes, das diesen stabilisiert.

Man bedenke: 99 Prozent des gesamten Kalziumgehaltes des Körpers sind in den Knochen gespeichert. Und nachvollziehbar ist: Wenn Knochenmasse schwindet, verliert der Knochen seine Stabilität. Schmerzhafte Knochenbrüche, Veränderungen an der Wirbelsäule, ein Rundrücken (auch als nicht gerade schmeichelhafter „Witwenbuckel“ bekannt) sind die Folgen.

Zusätzliche Hormone durch Hormonersatztherapie?

Gegen die in den Wechseljahren auftretenden Symptome kann das Hormon Östrogen verordnet werden, um so künstlich den Hormonspiegel zu korrigieren. Die sogenannte Hormonersatztherapie, oder Hormon Replacement Therapy, kurz HRT, wird bereits seit den 1960er Jahren zur Behandlung von Symptomen eingesetzt, die aufgrund von Östrogenmangel entstehen.

Als Mono- oder Kombinationstherapie (gemeinsam mit dem Gelbkörperhormon Gestagen) werden Östrogene als Medikamente in den Wechseljahren in Form von Gels, Cremes, Pflastern oder Tabletten angewendet.

Zur Behandlung einer bereits bestehenden, also manifesten, postmenopausalen Osteoporose sind Östrogene nicht geeignet. Sie können lediglich zur Prävention von Osteoporose eingesetzt werden. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn insbesondere eine längerfristig durchgeführte Hormonersatztherapie kann das Risiko für Brustkrebs sowie für Erkrankungen des Herzens und des Gefäßsystems erhöhen. Die möglichen Nebenwirkungen einer Hormonersatztherapie sind dabei auch vom Alter sowie eventuellen Vorerkrankungen und familiären Vorbelastungen der betroffenen Person abhängig. Der Nutzen einer HRT sollte deshalb gemeinsam mit dem*der Arzt*Ärztin gegen die individuellen Risiken abgewogen werden.

Eine Hormonersatztherapie zur Vorbeugung von Osteoporose wird in der Regel nur empfohlen, wenn bei der Betroffenen bereits ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche vorliegt und andere Medikamente aufgrund von Unverträglichkeiten oder Wechselwirkungen mit weiteren Arzneimitteln nicht eingenommen werden können.

Phytoöstrogene als Alternative zur Hormonersatztherapie

In unterschiedlichen Studien wurde mittlerweile die Wirkung von sogenannten Phytoöstrogenen bei der Behandlung von postmenopausaler Osteoporose nachgewiesen. Diese pflanzlichen Stoffe, zu denen beispielsweise Isoflavone und Lignane gehören, haben eine östrogenartige Wirkung. Es gibt spezielle Präparate auf Basis von Soja, die als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden können. Darüber hinaus sind Phytoöstrogene beispielsweise in folgenden Lebensmitteln enthalten:

Inwieweit man mithilfe von Phytoöstrogenen auch der Entstehung einer Osteoporose in den Wechseljahren vorbeugen kann, ist jedoch noch nicht ausreichend wissenschaftlich geklärt. Suchen Sie zur Einnahme von Phytoöstrogenen über spezielle Präparate ärztlichen Rat.

Weitere Formen der Behandlung von postmenopausaler Osteoporose

Ein weitere wichtige Wirkstoffgruppe, die speziell zur Vorbeugung und Behandlung von postmenopausaler Osteoporose eingesetzt wird, sind sogenannte Selective Estrogen Receptor Modulators, kurz SERM. Diese hemmen den Abbau von Knochen und die Häufigkeit von Knochenbrüchen nimmt ab. Nach aktuellem Kenntnisstand treten zudem deutlich weniger Nebenwirkungen auf, als bei einer HRT üblich.

Auch spezielle Antikörper-Präparate, die zweimal jährlich per Spritze verabreicht werden, erfreuen sich bei der Therapie von Osteoporose in den Wechseljahren immer größerer Beliebtheit. So kann vor allem der Antikörper Denosumab die Knochendichte steigern und damit das Risiko von Knochenbrüchen verringern.

Daneben können die während einer Osteoporose-Behandlung üblichen Medikamente zum Einsatz kommen. Dazu gehören neben Schmerzmitteln vor allem Kalzium- und Vitamin-D3-Präparate sowie Bisphosphonate, die das Risiko von Knochenbrüchen senken sollen.

Osteoporose durch Ernährung und Bewegung vorbeugen

Mit ein paar einfachen Verhaltensregeln können Sie dazu beitragen, der Entstehung von Osteoporose vorzubeugen. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung mit viel Kalzium.

Die Basis für stabile Knochen wird zwar schon in der Kindheit geschaffen, doch für kalziumreiche Ernährung ist es nie zu spät. Folgende Lebensmittel enthalten besonders viel Kalzium:

Wichtig ist dabei, dass das Kalzium über den Tag verteilt zugeführt wird, etwa durch mehrere kleine Milchmahlzeiten am Tag oder durch zusätzliche Kalziumpräparate. Außerdem sollte man darauf achten, nicht zu viel Phosphat, wie es in Schmelzkäse, Wurst- und Fleischwaren enthalten ist, aufzunehmen. Phosphat verschlechtert nämlich die Aufnahme von Kalzium.

Abgesehen von allen anderen positiven Effekten auf die Gesundheit in den Wechseljahren ist Sport ein ausgezeichneter Schutz vor Osteoporose. Dieser stärkt nicht nur die Knochen, Sport an der frischen Luft fördert zudem die Bildung und Vitamin D, was wiederum den Aufbau von Kalzium in den Knochen fördert. Geeignet sind beispielsweise Tennis oder Walken.

ICD-Codes für diese Krankheit:

M80.0, M81.0

Aktualisiert: 04.06.2021 – Autor: gesundheit.de; überarbeitet: Jasmin Rauch