NHS in Großbritannien: Zu viele Beschäftigte erleiden Burnout – Gesundheitsversorgung gefährdet

Die Überlastung des britischen Gesundheitssystems stand in der Coronakrise kurz bevor. Bis an die Grenzen beansprucht waren jedoch nicht nur die Kapazitäten an Betten oder Beatmungsgeräten, die Pandemie hat auch die ohnehin angespannte Personalsituation im britischen Gesundheitswesen laut einem Bericht des zuständigen Parlamentsausschusses schonungslos offengelegt.

Die Erschöpfung bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den britischen Gesundheits- und Pflegediensten haben demnach ein alarmierendes Niveau erreicht. »Der Burnout beim Personal quer durch den (Gesundheitsdienst) NHS und das Pflegesystem stellt ein außerordentlich gefährliches Risiko für das künftige Funktionieren beider Dienste dar«, sagte der Ausschussvorsitzende und ehemalige Gesundheitsminister Jeremy Hunt einer Mitteilung zufolge. Er sprach von einem »inakzeptablen Druck, wobei die chronisch übermäßige Arbeitsbelastung als Hauptursache für Burn-out in der Belegschaft identifiziert wurde«.

Kürzungen vor der Pandemie als Hauptproblem identifiziert

Das britische Gesundheitssystem wird anders als in Deutschland nicht über Beiträge der Versicherten, sondern durch von der Regierung jährlich festgelegte Milliarden-Beträge direkt aus der Staatskasse finanziert. Der Gesundheitsdienst NHS leidet seit Jahren unter Personalmangel und knappen Mitteln. Die Pandemie habe dieses Problem nun noch verstärkt, so der Bericht.

Obwohl die Krise einen starken Druck auf die Beschäftigten ausgeübt habe, seien Stellenabbau und Sparmaßnahmen bereits vor der Coronalage in dem Land als größte Ursachen für die Burnout-Erkrankungen identifiziert worden. Ob auch der Brexit und der damit verbundene Mangel an ausländischen Arbeitskräften in Großbritannien für die Situation verantwortlich sind, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Klar ist demnach jedoch: Nur eine langfristige Personalplanung über fünf bis zehn Jahre könne das Problem lösen. Bislang sei die Planung nicht vom Bedarf und der benötigten Kapazität bestimmt, sondern vom Umfang der vorgesehenen Mittel. Das sei im besten Falle »undurchsichtig«, heißt es. Im schlechtesten Fall sei es »verantwortlich für die inakzeptablen Druck auf die Mitarbeiter«.

Dass es um die Arbeitssituation im NHS schlecht bestellt ist, darauf hatte zuletzt auch Boris Johnsons‘ Krankenschwester aufmerksam gemacht. Jenny McGee kümmerte sich um ihn, nachdem der Premierminister im Frühling 2020 an Corona erkrankt war. Zuletzt hat McGee ihre Stelle aber gekündigt – wegen mangelnder Anerkennung seitens der Regierung.

»Wir erhalten nicht den Respekt und den Lohn, den wir verdienen«, sagte McGee im Mai dem Sender Channel 4. Viele Pflegekräfte hätten den Eindruck, dass die Regierung in der Pandemie sehr ineffektiv und unentschlossen gehandelt habe.