Food - Agrana aims to become climate neutral by 2040

Wien. Der Agrana-Konzern will bis 2040 klimaneutral werden. Dafür sind insgesamt Investitionen von 400 Millionen Euro geplant, wurde bei der Bilanzpressekonferenz des Wiener Frucht-, Stärke- und Zuckerunternehmens am Dienstag angekündigt – der letzten von Langzeitchef Johann Marihart. Der CO2-Ausstoß des weltweit tätigen Konzerns belief sich zuletzt (direkt und indirekt) auf 740.000 Tonnen/Jahr. Klimaneutralität bedeute ab 2040 „null CO2 aus fossilen Brennstoffen“ auszustoßen.

Zwischenziel bis 2025 ist eine Reduktion der konzernweiten CO2-Emissionen um 25 Prozent. Dafür werden in den kommenden Jahren jeweils 10 Millionen Euro investiert. Zwei Zuckerfabriken – eine in der Slowakei und eine in Tschechien – werden derzeit noch mit Kohle betrieben. Der Kohleausstieg erfolgt in der Slowakei noch heuer, in Tschechien im Geschäftsjahr 2025/26. Der Umstieg auf Grünstrom soll insgesamt mit der verstärkten Nutzung von Biomasse gelingen, auch „grünere“ Rohstoffreste sollen in der Zukunft verarbeitet werden.

Marihart gab seine letzte Bilanzpressekonferenz

Nüchtern und sachlich, wie es Journalisten über viele Jahre gewohnt waren, zog Langzeit-CEO Marihart auch seine letzte Bilanzpressekonferenz durch. Der 70 Jahre alte Manager wird Anfang Juni von Markus Mühleisen (54) als Agrana-Generaldirektor beerbt. Dieser war zuletzt Manager bei der Molkereigenossenschaft Arla Foods in Deutschland und hatte zuvor unter anderem auch schon für Nestlé gearbeitet.

Mit Marihart verliert der Konzern, der heuer sein 30-jähriges Börsenjubiläum begeht, ein echtes Urgestein. Der Niederösterreicher gilt als einer der längstdienenden Firmenchefs in Österreich. Ab der Gründung der Agrana 1988 war Marihart im Vorstand, ab 1992 fungierte er als Vorstandsvorsitzender.

Weltmarktanteil in der Fruchtsparte bei 40 Prozent

Marihart sagte zum Ausblick aufs letzte Geschäftsjahr, das er noch als Manager begonnen hat, dass 2021/22 weiter von den Herausforderungen der Corona-Pandemie geprägt sein werde. „Aber dennoch erwarten wir einen deutlichen Anstieg des Betriebsgewinns (Ebit) in diesem Geschäftsjahr.“ Für den Konzernumsatz werde ein moderates Plus erwartet. Wie über viele Jahre werde das Investitionsvolumen mit mehr als 110 Millionen Euro neuerlich über dem Abschreibungsvolumen von 91 Millionen Euro liegen.

Über die vergangenen zehn Jahre hat die Agrana 1,2 Milliarden Euro rund um den Globus investiert. Im Fruchtbereich liegt ihr Weltmarktanteil bei mehr als 40 Prozent. Die Fruchtzubereitungen werden vor allem in Milchprodukte gemischt, aber auch in Mehlspeisen.

Beim Zucker gelang im Vorjahr der Erhalt der wackelnden Zuckerfabrik in Leopoldsdorf bei Wien. Man zeigte sich optimistisch, dass die kontrahierte und laut Konzern notwendige Anbaufläche von mehr als 38.000 Hektar Zuckerrüben gehalten werden könne. Bemühungen, etwa den Schädling Rübenderbrüssler zurückzudrängen, würden greifen. Millionen Käfer wurden in Pheromonfallen gelockt und konnten sich nicht vermehren. Heuer wird weiter mit solchen Fallen gearbeitet. Das feucht-kühle Wetter half heuer bisher ebenso.

Den Nettogewinn steigerte Agrana im Geschäftsjahr 2020/21 um 76,3 Prozent auf 55 Millionen Euro, der Umsatz wuchs um 2,7 Prozent auf 2,55 Milliarden. Die Dividende soll von 77 auf 85 Cent je Aktie erhöht werden. (APA)