MV Werften: Staat rettet angeschlagenen Schiffbauer mit 300 Millionen Euro

In der Coronakrise spitzte sich die Lage beim Schiffsbauer MV Werften dramatisch zu. Viele der Tausenden Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, durch den Einbruch des Kreuzfahrttourismus waren die Kapazitäten plötzlich nicht mehr gefragt. Nun wird das angeschlagene Schiffbauunternehmen mit weiteren Staatsgeldern gerettet. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung habe der Gewährung der Mittel zugestimmt, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Das Volumen betrage insgesamt 300 Millionen Euro. »Wir wissen, was wir an unseren Schiffbauern haben, und wir möchten, dass sie eine Perspektive für die Zukunft erhalten.« Mit dem Geld würden viele Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern erhalten.

Die MV Werften gehören seit 2016 dem börsennotierten Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting aus Hongkong. Für ihn werden an den Standorten Wismar, Warnemünde und Stralsund Passagierschiffe gebaut.

Die nun gewährten Hilfen setzen sich aus 193 Millionen Euro Brückenfinanzierung zusammen, die bereits bekannt waren. Hinzu kommen 47 Millionen Euro für ein Nachrang-Darlehen und 60 Millionen Euro für eine Stille Beteiligung. »Die Stützung ist Teil eines Gesamtpakets von neuen Kapitalmaßnahmen zusammen mit dem Eigentümer Genting und dem Land Mecklenburg-Vorpommern«, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium.

Transfergesellschaft für 650 Mitarbeiter

CDU-Politiker Altmaier sprach von harten Verhandlungen. Die Branche sei durch die Coronavirus-Pandemie stark in Mitleidenschaft gezogen worden. »Die Werft hat jetzt die Chance, nicht nur die begonnenen Schiffsbauten fertigzustellen, sondern auch neue Aufträge einzuwerben.« MV sei der größte Industriebetrieb in Mecklenburg-Vorpommern, mit rund 3000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in strukturschwachen Regionen.

Mit der Überbrückungshilfe solle nun die Restrukturierung angegangen werden, teilte der Konzern mit. Es gebe nach 14 Monaten Pandemie mittlerweile Anzeichen für eine Normalisierung. »Die Buchungszahlen der Kreuzfahrtreedereien steigen und zeigen schon heute eine Nachfrage nach sicheren Schiffsreisen.«

Die Gewerkschaft IG Metall zeigte sich erleichtert: »Das monatelange Gezerre um die künftige Finanzstruktur und die extreme Unsicherheit für Tausende Beschäftigte ist damit hoffentlich zu Ende«, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Für eine wirkliche Perspektive seien jedoch weitere Aufträge entscheidend. Mit Bereitstellung der Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) greife nun auch der vom Unternehmen geplante Personalabbau, so die IG Metall. In einem ersten Schritt müssten voraussichtlich zum 1. August etwa 650 Mitarbeiter an allen drei Standorten gehen. Ihnen werde der Wechsel in Transfergesellschaften angeboten.

Der kurz nach Ausbruch der Pandemie geschaffene WSF hat ein Gesamtvolumen von 600 Milliarden Euro, wovon 100 Milliarden für direkte Unternehmensbeteiligungen bereitstehen. Laut Wirtschaftsministerium wurden bislang 19 Anträge im Volumen von 8,5 Milliarden Euro bewilligt. Einer der Hauptprofiteure war Lufthansa. 120 Interessenbekundungen liegen zudem vor, der Großteil davon aus dem Mittelstand. Sieben Anträge sind momentan in der Bearbeitungsphase.