Meyer-Werft lässt Mitarbeiter über Stellenabbau abstimmen

Die Geschäftsführung der Papenburger Meyer-Werft hat die Mitarbeiter über einen Stellenabbau abstimmen lassen. Der Betriebsrat kritisierte das Vorgehen der Werft-Leitung als »rechtswidrig«.

Rund 1500 teilnehmende Beschäftige hatten die Wahl zwischen einem Abbau von 660 oder 1000 zu streichenden Jobs. Wie das Unternehmen mitteilte, stimmte mit 93 Prozent eine klare Mehrheit für den sogenannten »Weg A« und damit den geringeren Abbau. Dieser Weg sieht zusätzlich vor, dass sich die restliche Belegschaft zu einem Beitrag bereit erklärt. Als solcher wurden bislang 200 unbezahlte Überstunden im Jahr genannt.

Die Geschäftsführung habe damit einen Versuch unternommen, die Belegschaft zu spalten und Stimmung gegen den Betriebsrat zu machen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Nico Bloem. Er verwies auch darauf, dass nur ein Teil der Belegschaft an der Umfrage teilnahm. Zudem sei eine solche Aktion mitbestimmungspflichtig. Die Arbeitnehmervertretung sei aber nicht beteiligt worden und auch die Vorschläge des Betriebsrats zum Stellenabbau seien nicht Teil der Umfrage gewesen.

Trotz des Protestes des Betriebsrats haben Geschäftsführer Tim Meyer und Personalchefin Anna Blumenberg den Stellenabbau bekräftigt. Mehr als Tausend Mitarbeiter bekundeten vor den Werfttoren ihren Unmut über den drohenden Verlust der Arbeit. Betriebsratschef Nico Bloem forderte Verhandlungen über eine Lösung ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Kaum Nachfrage nach neuen Kreuzfahrtschiffen in Sicht

In der Belegschaft, die nach Blumenbergs Angaben noch 3900 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zählt, herrscht große Unruhe. Wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche steckt die Werft in der Krise. Zwischen Geschäftsführung einerseits und Bloem und der IG Metall andererseits gibt es aber seit Monaten keine Verständigung über den Umgang mit den Problemen.

Auch wenn nach langem Corona-Stillstand die ersten Kreuzfahrtschiffe wieder auf Fahrt gehen, wird es in den kommenden Jahren kaum Nachfrage nach neuen Traumschiffen geben. Den Bestand an Aufträgen arbeitet die Meyer-Werft verlangsamt bis 2025 ab. Sie will 1,2 Milliarden Euro sparen und 40 Prozent Arbeitskapazität abbauen. Auch andere deutsche Werften müssen wegen Auftragsmangels in der Corona-Krise Stellen abbauen.