Mexiko: Kulturministerin rügt Modeketten wie Zara für Nutzung indigener Muster

Einen Etappensieg in ihrem Kampf für Gerechtigkeit konnte Alejandra Frausto Guerrero im vergangenen November bereits verbuchen: Die französische Modemarke Isabel Marant schickte der mexikanischen Kulturministerin einen Entschuldigungsbrief: Sollte das Haus Isabel Marant, und damit auch dessen Gründerin, mangelnden Respekt gegenüber der Purépecha-Gemeinschaft oder Mexiko gezeigt haben, hieß es in dem Schreiben, biete man »unsere aufrichtigste Entschuldigung« an. Es ging unter anderem um einen Wollponcho, der mit eindeutig indigenen Mustern der im Bundesstaat Michoacán lebenden Volksgruppe verziert war.

Seit sie 2018 von Mexikos linkspragmatischem Präsidenten Obrador berufen wurde, fordert Frausto Guerrero internationale Modeketten, darunter auch Michael Kors, Carolina Herrera oder Mango, mit Briefen heraus, sich beim Design ihrer Massenware rücksichtsvoller im Umgang mit Blumenmustern oder geometrischen Formen zu zeigen, die auf kulturellen Erzeugnissen einer oder mehrerer der zahlreichen indigenen Gruppen Mexikos basieren.

Jetzt schrieb Frausto Guerrero erneut einen geharnischten Brief, diesmal an die auch in Deutschland bekannte und beliebte spanische Kette Zara sowie die US-Marken Anthropologie und Patowl. Als Beispiele für die ungefragte Nutzung und Aneignung indigener Muster nannte sie in ihrem Schreiben unter anderem ein mit sogenannten Huipil-Blumen besticktes Midikleid samt Gürtel von Zara, aber auch bestickte Shorts und bedruckte T-Shirts mit Elementen aus der Kultur der Mixteken- und Zapoteken-Völker.

In dem Schreiben, das bereits am 13. Mai abgeschickt wurde, fordert Frausto Guerrero eine öffentliche Erklärung der drei Unternehmen für die Aneignung des »Gemeinschaftsbesitzes« verschiedener indigener Völker sowie Vorschläge für deren Entschädigung, teilte ihr Ministerium am Freitag mit. Frausto plädiert für einen fairen Handel und die Gleichbehandlung von indigenen Kreativen, Unternehmern und Designern.

Es geht also nicht nur um den moralischen Anspruch, kulturelle Aneignung zwecks Vermarktung mit billiger Massenmode oder teuren Designerstücken zu unterbinden, sondern auch um Geld: Die mexikanischen Urheber und Urheberinnen der oft in Handarbeit hergestellten Floral- und Linienmuster sollen auch ihren Anteil am internationalen Geschäft mit der indigenen Kunst haben. Die traditionellen Huipils beispielsweise, schreibt die Politikerin und Anwältin, werden von Frauen in Colorado, Oaxaca im Hüftwebstuhl gewebt und spiegelten die Symbole der Vorfahren wider, »die mit der Umwelt, der Geschichte und der Kosmovision der Gemeinde verbunden sind«. Die Herstellung dieser Muster dauere mindestens einen Monat.

Designs des Mixe-Volkes von Santa María Tlahuitoltepec, ebenfalls im Bundesstaat Oaxaca, die Frausto Guerrero unter anderem auf Shorts der Marke Anthropologie identifiziert hat, seien eine »Manifestation ihrer Identität, ihrer Geschichte und ihrer Beziehung zur Umwelt« und symbolisierten beispielsweise Berge, Wasser oder Pfade. »Sie sind das Produkt der Kreativität dieses Volkes, das sie von Generation zu Generation weitergibt; ihre Träger tragen sie mit Stolz, als tiefsten Ausdruck ihrer Kultur.«

Frausto Guerrero will diese Geschichten sichtbar machen und beruft sich auf entsprechende Uno-Resolutionen zum Schutz kultureller Rechte und Erben. Für sie sei es eine Frage der »ethischen Rücksichtnahme«, auf den »Schutz der Rechte indigener Völker« zu bestehen und öffentlich darüber zu diskutieren, schreibt sie. Ihre Briefe seien »Teil der Maßnahmen, die das mexikanische Kulturministerium zum Schutz des kulturellen Erbes der indigenen Gemeinden ergriffen hat, um Plagiate ihrer Identitätselemente durch nationale und transnationale Unternehmen zu verhindern.«

Von Zara, Anthropologie oder Patowl gab es bisher noch keine Reaktion.