Mehr Impfstoff durch Enteignung!

Die Schizophrenie bei wei­ten Teilen der Linken fin­det kei­nen Halt mehr:

https://www.facebook.com/ILMarburg

Das gewal­ti­ge Echo spricht Bände:

Man hält sich offen­bar eher an die­se Leitlinie:

https://www.facebook.com/events/478102176807037/

Werden dem­nächst nur noch „Geimpfte“ auf deren Demos zuge­las­sen? Wäre ein bes­se­res Motto viel­leicht „Die Linke schafft sich ab“?


Ein Versuch, die Argumentation zu verstehen

Ich ver­heh­le mei­ne Sympathien für Enteignungen von Großkonzernen nicht. „Deutsche Wohnen ent­eig­nen!“ ist eine sinn­vol­le Kampagne. Enteignungen, um dann den glei­chen Schrott zu pro­du­zie­ren wie zuvor, sind aller­dings ziem­lich töricht. „Panzer für alle – Rheinmetall & Co. ent­eig­nen“ wäre eine Parallele, bei der ver­mut­lich auch die „Interventionistische Linke Marburg“ ins Nachdenken käme.

Sehen wir ein­mal ab von dem „Wir imp­fen die gan­ze Welt“ von Merkel und Spahn, Gates und Pfizer und unter­stel­len, es gebe eine Pandemie und das ein­zi­ge wirk­sa­me Mittel dage­gen sei­en Impfstoffe.

Unterstellen wir wei­ter, die BefürworterInnen des Impfens hät­ten sich mit Wirkung und Nebenwirkung von Impfstoffen ver­traut gemacht. Und zudem, sie hät­ten in den armen Ländern, mit denen sie sich soli­da­risch füh­len, nach­ge­fragt, ob man dort die Pfizer-Stoffe haben wol­le und eine posi­ti­ve Antwort erhalten.

Selbst dann soll­ten die #ZeroCovid-VertreterInnen berück­sich­ti­gen, was am Samstag ein kuba­ni­scher Spezialist (Kuba ist oft­mals der posi­ti­ve Bezugspunkt) zu sagen hatte:

»Seit eini­gen Wochen wird wie­der ver­mehrt über die Aufhebung der Patente für Impfstoffe gegen Covid-19 gespro­chen. US-Präsident Joseph Biden erklär­te jüngst sei­ne Unterstützung dafür, die deut­sche Bundesregierung stellt sich hin­ge­gen wei­ter gegen die Freigabe. Wie ste­hen Sie und Kuba zu einem sol­chen Schritt?

Es gibt meh­re­re Wege, die Produktion von Impfstoffen anzu­kur­beln. Einer davon ist die Freigabe der Patente; dadurch kann es güns­ti­ger wer­den, Vakzine an ande­ren Orten her­zu­stel­len. Allerdings müs­sen dort auch die indus­tri­el­len Kapazitäten exis­tie­ren, zudem erfor­dert die Produktion von Impfstoff gut aus­ge­bil­de­tes Personal. In der jet­zi­gen Pandemiesituation haben wir nicht die Zeit, die uns sonst zur Verfügung stand. Früher konn­te man sich drei, vier, fünf Jahre Zeit las­sen, um Anlagen ein­zu­rich­ten, Personal zu schu­len und so wei­ter. Jetzt aber ist in kür­zes­ter Zeit ein indus­tri­el­ler Betrieb erfor­der­lich. Auch wenn also die Patente zur Verfügung gestellt wür­den, wür­de dies in vie­len Fällen nicht aus­rei­chen, um das Problem des Impfstoffmangels zu behe­ben.«
jungewelt.de (5.6.)

Die Enteignungsforderung ist damit poli­ti­sche Schaumschlägerei, ein Radikalismus, der auch unter der Vorgabe der Notwendigkeit des Impfens kei­ner­lei prak­ti­sche Bedeutung hat. Sie ist der Versuch, aus einer poli­ti­schen Sackgasse her­aus­zu­kom­men, indem man wei­ter gera­de­aus läuft, dabei aber Kampflieder singt (sofern das der Infektionsschutz in Marburg zuläßt).

Wäre man tat­säch­lich über­zeugt von der Wohltat des Impfens und woll­te man dies anti­ka­pi­ta­lis­tisch gestal­ten, dann wür­de man sich mit die­sem Gedanken des kuba­ni­schen Experten beschäftigen:

»Im Gegensatz zu den in kapi­ta­lis­ti­schen Ländern ent­wi­ckel­ten und pro­du­zier­ten Impfstoffen wur­den die kuba­ni­schen Präparate nicht mit dem Ziel ent­wi­ckelt, mit ihrem Verkauf Profit zu gene­rie­ren. Besonders für ärme­re Länder im glo­ba­len Süden könn­ten sie daher eine wich­ti­ge Rolle bei der Bekämpfung der Coronapandemie spielen.

Zum Selbstverständnis Kubas gehört, soviel bei­zu­tra­gen, wie wir kön­nen, soviel, wie mach­bar ist, und sogar das zu tei­len, was wir haben. Wir wer­den uns natür­lich im Rahmen unse­rer wirt­schaft­li­chen Möglichkeiten dar­an betei­li­gen, dass auch Menschen in ande­ren Ländern geimpft wer­den kön­nen.«

Man wür­de sich das chi­ne­si­sche und das rus­si­sche Modell anse­hen und mög­li­cher­wei­se gewis­se Unterschiede bei den Exportbedingungen fest­stel­len. Um nicht miß­verst­stan­den zu wer­den: Ich hal­te die Argumentation für nach­voll­zieh­bar, wenn es denn eine Pandemie mit Atemwegserkrankungen gäbe, sei eine Impfkampagne kon­tra­pro­duk­tiv. Meine Sympathie liegt weder bei rus­si­schen noch chi­ne­si­schen Konzernen. Ich habe mit die­ser Argumentation ledig­lich ver­sucht, mich in das Denkmodell der #ZeroCovidianerInnen zu versetzen.

Author: aa