Markus Söder kündigt erste paritätische CSU-Liste zur Bundestagswahl an

Erstmals in ihrer Geschichte will die CSU mit einer paritätisch besetzten Kandidatenliste in die Bundestagswahl gehen. Parteichef Markus Söder kündigte am Montag nach Angaben von Teilnehmern in einer Videokonferenz des CSU-Vorstands in München an, dass bei der Listenaufstellung immer abwechselnd ein Mann und eine Frau berücksichtigt werden soll.

Meist gewinnen die Kandidaten der Union ihre Wahlkreise direkt. Eine quotierte Liste hat somit vor allem eine symbolische Wirkung.

Zur Listenaufstellung sagte Söder, dass Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der »geborene Spitzenkandidat« sei. Weitere Namen nannte er dem Vernehmen nach aber nicht, vorstellen will die CSU ihre Liste genau drei Monate vor der Wahl am 26. Juni. Wegen der Coronapandemie wird die Veranstaltung unter freiem Himmel stattfinden, im Stadion in Söders Heimatstadt Nürnberg.

16 Prozent Frauen in CSU-Landesgruppe im Bundestag

Bislang sind Frauen in der CSU-Bundesgruppe im Bundestag deutlich in der Minderheit: Sie erreichen nur 16 Prozent. Für die Bundestagswahl im Herbst stellen sich nach jetzigem Stand nur in 10 von 46 bayerischen Direktwahlkreisen Frauen für die CSU zur Wahl. Selbst wenn bei einem ähnlichen Ergebnis wie 2017 alle Kandidatinnen und Kandidaten ihr Direktmandat in Bayern gewinnen, läge der Frauenanteil der CSU-Landesgruppe anschließend mit 22 Prozent nur etwas höher.

Die Vorsitzende der Frauen-Union (FU) Bayern, Ulrike Scharf, hatte im SPIEGEL gefordert: »Es darf sich gar nicht die Frage stellen, ob die Bundestagsliste der CSU paritätisch besetzt wird! Unsere Politikerinnen und Politiker für den Bundestag müssen die Gesellschaft repräsentieren!«

Die CSU tut sich schwer damit, mehr Frauen in Ämter und Führungspositionen zu lassen. 2019 hatte die CSU-Basis auf dem Reformparteitag gegen eine Ausweitung der Frauenquote rebelliert. Söder sprach damals von keiner guten Wirkung für die Partei, für ihren Erfolg sei die CSU auf die Unterstützung von Frauen angewiesen. Scharf, Vorsitzende der Frauen-Union, nannte den Vorfall eine »sehr bittere Erfahrung«.

Am 20. und 21. Juni wollen die Spitzen von CSU und CDU in Berlin das gemeinsame Wahlprogramm der Union festzurren. Grundlinie sei dabei, dass »solides und modernes« Regieren repräsentiert werde, sagte Söder bereits kurz vor der Vorstandssitzung bei einer Pressekonferenz.