Liz Phair: Soberish – Interview | kulturnews.de

Liz Phair, in dem Lied „Good Side“ singst du :„There’s so many ways to fuck up a life/I tried to be original“. Was ist dein Zwischenstand nach 53 Jahren – hast du dein Leben auf die Reihe bekommen oder verkackt?

Liz Phair: Tja, dieser Satz ist so etwas wie das Thesenpapier am Anfang der Masterarbeit. Quasi: Hallo, das erwartet dich auf dieser Platte. Bei der Antwort schwanke ich hin und her. An manchen Tagen habe ich es ziemlich gut, an anderen paddele ich immer noch stromaufwärts und muss mich vor entgegenkommenden Baumstämmen ducken. Es gab und es gibt Kämpfe in meinem Leben. Ich denke auch nicht, dass ich es in irgendeiner Form geschafft habe. Von außen wird zuweilen anders auf mich geblickt.

Du hast zehn Jahre kein Album gemacht und dich für „Soberish“ wieder mit dem „Guyville“-Produzenten Brad Wood zusammengetan. Aber du machst keinen Grunge mehr, sondern sehr originelle Popmusik, die ein bisschen an Madonna in ihrer „Ray Of Light“-Phase erinnert.

Liz Phair: Großartig! Madonna war immer meine Heldin. Brad und ich haben dasselbe Alphabet wie früher benutzt, also viele der alten Geräte, aber wir haben damit eine neue Sprache erfunden. Die Basis ist der Sound von „Exile In Guyville“, aber kernsaniert, mit tiefer gehängten Decken, neuen Leitungen und einem frischen Anstrich.

Um das Thema Sex machst du keinen Bogen. „My pussy is a big dumb cat“ lautet etwa eine Zeile in „Bad Kitty“. Deine Version von Cardi Bs „WAP“?

Liz Phair (lacht): Erwischt. Die Idee zu dem Text hatte ich bereits 2014 während eines Rafting-Ausflugs im Grand Canyon. Als Cardi B und Megan Thee Stallion mit dem Song rausgekommen sind, ist mir eingefallen: So eine Nummer habe ich doch auch, also raus damit. Letztlich geht es darum, welche Sorte Frau man sein, wie man sich geben soll. Oder eben nicht. Alles ist widersprüchlich, und meine Botschaft mit dem Song ist: Fuck it, ich bin einfach ich.