Leserbericht aus der Quarantäne

Helmi2000 schreibt:

»Ich befin­de mich zur Zeit in Quarantäne, obwohl ich nega­tiv getes­tet wur­de. Einen Teil mei­ner jetzt nicht enden­den Freizeit zuhau­se ver­bin­ge ich zum Beispiel heu­te damit, eine Klage gegen die Stadt Köln wegen Entschädigung auf­grund Freiheitsberaubung vor­zu­be­rei­ten.«

Die völ­lig absur­de Geschichte schil­dert er anhand einer anony­mi­sier­ten Mail an sei­ne Vorgesetzten, die so lautet:

»Von: <<Helmi2000>>
Gesendet: Freitag, 28. Mai 2021 22:13
An: Herren X1; X2; X3; X4; Frau Y.
Cc: Herrn N1; N2
Betreff: Kontaktperson 224068 – Ordnungsverfügung vom 26. Mai 2021

Guten Abend zusammen,

bevor ich mich den Themen Corona und Quarantäne unter Bezug auf Großraum- oder Poolbüros (das von den Behörden ver­wen­de­te Wort „Absonderung“ ist eine der typi­schen Phrasen, die unse­re Regierung für men­schen­rechts­feind­li­che Eingriffe zur Verniedlichung ver­wen­det) zuwen­de, drei Vorbemerkungen:

  • Das Verfassen die­ser Mail und auch die Recherchen hier­zu sind ent­we­der in län­ge­ren (prüf­ba­ren) pri­va­ten Mittagspausen oder nach Dienstschluss erfolgt.
  • Frau Reker wür­de ich belei­di­gend als A; B; D; D; F; K; P; S; V; usw. bezeich­nen. Ich spre­che dies nicht aus, da mir ansons­ten arbeits­recht­li­che Konsequenzen dro­hen würden.
  • Ich bin Corona-Maßnahmengegner (nicht zu ver­wech­seln mit Leugner, da es die­ses Krankheitsbild tat­säch­lich gibt, aller­dings nur für ca. 5% der Bevölkerung schwer­wie­gen­de Verläufe zu befürch­ten sind – meist mit Vorerkrankungen, also ähn­lich wie bei der Grippe). Insofern habe ich auch ein äußerst gespal­te­nes Verhältnis zu den PCR-Tests (sie­he unten), die bis zu 97% falsch-posi­ti­ve Ergebnisse lie­fern kön­nen. Die nach­ste­hen­den Informationen zu den Testkriterien und dem Verhängen von Quarantänemaßnahmen kön­nen den Webseiten der WHO (Weltgesundheitsorganisation) dem Land NRW, der Stadt Köln und dem RKI ent­nom­men wer­den – es sind also alles „offi­zi­el­le“ Informationsquellen.

Ich bedan­ke mich bei Frau Fu. und Frau Mo. (bei­de Gesundheitsamt der Stadt Köln) für ihre freund­li­che Unterstützung und die mir gege­be­nen Hinweise.

Kurz zusam­men­ge­fasst: Ich habe mit zwei Kolleginnen, Frau F. und Frau K.; am Donnerstag, den 20. Mai 2021, gemein­sam das Poolbüro ‑1/303 im 1. UG genutzt. Dieses hat eine Fläche von 65 qm und wur­de somit – bei der vor­ge­schrie­be­nen Mindestanforderung von 10 qm Fläche je Beschäftigten in Großraumbüros – ord­nungs­ge­mäß genutzt. Bezug neh­mend auf die ange­han­ge­ne Mail und den ein­ge­füg­ten Ausschnitt des Grundrisses wur­de mei­ner­seits der vor­ge­ge­be­ne Abstand zur nächs­ten Person ord­nungs­ge­mäß eingehalten.

Frau K. teil­te mir am Mittwochmorgen um 8:52 Uhr mit, dass Frau F. an Corona erkrankt sei und sie sich auf den Weg zu einem PCR-Test machen wür­de. Um 9:05 Uhr rief mich Frau Y. an und teil­te mir dies noch­mals mit, ver­bun­den mit der Bitte, eben­falls einen PCR-Test durch­zu­füh­ren. Der von mir bereits durch­ge­führ­te Antigen-Schnelltest war nega­tiv (Anmerkung: Für die zur Anwendung der Beschäftigten kom­men­den, aus­ge­ge­be­nen Antigen-Tests der Firma Lyher bestand eine Sonderzulassung der BfArM nur bis zum 24. Mai 2021, die­se dür­fen dem­nach jetzt nicht mehr ver­wen­det und kön­nen somit als Sondermüll ent­sorgt wer­den.). Ich bin der Bitte nach­ge­kom­men und habe den Test unmit­tel­bar danach bei mei­nem Hausarzt durch­füh­ren las­sen. Allerdings unter der Anmerkung, dass ich auf das mir zuste­hen­de Recht der Mitteilung des CT-Wertes (cycle thres­hold = Anzahl der Vervielfältigungszyklen des Probenmaterials) bestehe. Es wer­den dann meis­tens zur Sicherheit bes­se­re Anlayseverfahren ver­wen­det, weil man als Arzt nicht ins Gerede kom­men will.

Frau F. rief mich am spä­ten Vormittag an und teil­te mir Details zum Test mit. Sie war mit mil­den Symptomen einer Erkältung beim Arzt, der dann unbe­dingt einen PCR-Test durch­füh­ren woll­te (hier­an kön­nen Arzte zusätz­li­ches Geld ver­die­nen wie für jede Meldung von Corona-Erkrankten an das RKI). Das Ergebnis war dann posi­tiv bei einem CT-Wert von „34“: Die WHO gibt an, dass bei CT-Werten über „25“ alles Mögliche ver­viel­fäl­tigt wird, aber hier­aus kei­ne Rückschlüsse auf eine Corona-Erkrankung gezo­gen wer­den kön­nen, selbst bei ähn­lich erschei­nen­den Symptomen nicht. Die Ärztin erklär­te ihr hier­zu, dass man bei ihr „wegen des hohen CT-Wertes, also des weni­gen vor­ge­fun­de­nen Genmaterials nur von einer leich­ten Erkrankung aus­ge­he (ein­fach nur lach­haft). Ich hät­te mich an ihrer Stelle gewehrt und einen erneu­ten Test mit den regu­lär anzu­wen­den­den CT-Werten eingefordert.

Am Mittwochnachmittag erreich­te mich dann die Quarantäneverfügung der Stadt Köln, die mich zuerst nicht beun­ru­higt hat, weil mir die Vorschriften des Landes NRW hier­zu bekannt sind, mein Gesundheitszustand kei­nen Anlass zur Besorgnis gab und ich von einem nega­ti­ven Testergebnis aus­ge­hen konn­te. Das Testergebnis am nächs­ten Morgen war dann auch wie erwar­tet nega­tiv. Die direk­te Anfrage bei Frau Y., die Arbeit wie­der im vol­lem Umfang auf­neh­men zu kön­nen, also unter Anwendung der KRITIS-Ausnahmeregelung, wur­de gemäß Mitteilung von Herrn N1 durch Herrn X3 und Herrn X2 abge­lehnt. Auch dies ist eigent­lich nicht besorg­nis­er­re­gend, da laut der Auskunftsseite des Landes NRW fol­gen­des gel­ten soll (hier Quarantänepflicht – Absatz unter den Bulletpoints + Dauer der Quarantäne – zwei­ter Bulletpoint):

Jetzt wird es inter­es­sant: Ich habe mich dar­auf an das Gesundheitsamt der Stadt Köln gewen­det und die Aufhebung der Quarantäne bean­tragt – mei­nes Erachtens waren die Bedingung erfüllt. Mir wur­de mit­ge­teilt, dass die­se Regelung nicht gel­ten wür­de, weil die Stadt Köln wie bei der (voll­kom­men blöd­sin­ni­gen, ver­schärf­ten Ausgangssperre) hier eben­falls ver­schärf­te Regeln anwen­det (die genau­so wenig zu den stark gefal­le­nen und sowie­so frag­li­chen Inzidenzwerten passen):

Wir leben hier also wie­der ein­mal in einer Parallelwelt! Nächste Frage ist, ob ich Kontaktperson bin?

Hierzu teil­te mir Frau Fu. mit, dass das RKI – und zwar abso­lut gegen­läu­fig – zur sich abzeich­nen­den „Infektionslage“ die Bedingungen, ab wann ich als Kontaktperson gel­te, noch ein­mal dras­tisch ver­schärft hat, gemäß nach­ste­hen­dem Auszug der Webseite des RKI (Herr X1 und Herr X3, bit­te den gesam­ten Text gut durchlesen):

Wichtig sind die Punkte 3.1 (3.) und 3.1.1. – drit­ter Bullet Point

Aufgrund der unten ste­hen­den Mail wur­de mir dann abschlie­ßend bei einem heu­te geführ­ten Telefonat von Frau Mo. die genaue Anwendung der RKI-Regelung durch das Gesundheitsamt bei der Stadt Köln mitgeteilt:

  • Die Gesamtfläche des Poolbüros (Weitläufigkeit) ist nicht von Bedeutung für die Bewertung als Kontaktperson.
  • Der zur Verfügung ste­hen­de Platz für jeden Beschäftigten hat eben­falls kei­nen Einfluss (mehr) auf die Anordnung der Quarantäne.
  • Es spielt somit kei­ne Rolle, ob ich Abstand hal­ten kann oder nicht.
  • Selbst FFP2-Masken ver­än­dern nichts an der Situation der Bewertung. Diese dür­fen auch nicht durch­ge­hend getra­gen wer­den (gemäß DGUV 112–190).

Bleibt noch die unten in der Mail ste­hen­de Frage, wie die Zwangsbelüftung / Entlüftung – oben im Text „adäqua­te“ Lüftung genannt – in Großraumbüros zu bewer­ten ist. Auch hier­zu erhielt ich noch­mals ernüch­tern­de Antworten:

„Eine Infektion durch Aerosole kann nur dann bei Lüftungsanlagen aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn die­se medi­zi­ni­schen Standards ent­spre­chen, also jede Stunde min­des­tens vier­mal das gesam­te Luftvolumen eines Raums aus­ge­tauscht wird.“ Dies ist ein­deu­tig und bedeu­tet, dass in allen Großraumbüros der ABC – per Definition des Gesundheitsamtes – die Lüftungsanlagen kei­ne Übertragung durch Aerosole ver­mei­den. Die Antwort auf die Frage nach dem Stoßlüften kann sich jetzt auch schon jeder aus­ma­len – dies geht in innen­lie­gen­den (Pool)Büros tech­nisch bedingt nicht und (jetzt bit­te genau auf­pas­sen) hat auch kei­ne Bewandtnis für Flächen wie den Campus 000, weil selbst zehn­mi­nü­ti­ges Stoßlüften, auch wenn es alle hal­be Stunde wie­der­holt wer­den wür­de, nicht die vom Gesundheitsamt gefor­der­ten Bedingungen zum Luftmassenaustausch erfüllt.

Etwas Sarkasmus oder Zynismus sei mir erlaubt: Bei einem Orkan oder Hurrikan mit Windstärke 12 oder mehr drückt das Gesundheitsamt viel­leicht ein Auge zu!

Alles was ich hier zusam­men­ge­tra­gen habe, ist sehr leicht über­prüf­bar und hät­te mei­ner Meinung nach allen Beschäftigten der ABCjeweils spä­tes­tens bei Eintritt der Änderungen mit­ge­teilt wer­den müs­sen – sonst steht ja auch alles „Wichtige“ zu Corona im RB. Ich weiß nicht, wer bei uns hier­für zustän­dig ist, aber irgend­je­mand wird hof­fent­lich die Änderungen zu Schutzverordnungen, Quarantäne, Kontakten etc. nachhalten!?

Was bedeu­tet dies nun alles für mich?

  • Ich sit­ze auf­grund eines lach­haf­ten PCR-Tests bei einer Kollegin in Quarantäne und kom­me aus die­ser wegen eines über­zo­ge­nen Infektionswahns des Gesundheitsamtes (natür­lich der Stadtführung) nicht her­aus. Ich darf auch zusätz­lich noch einen Tag län­ger in Quarantäne blei­ben, da der 3. Juni ein Feiertag ist und ich mich nicht direkt frei­tes­ten las­sen kann.
  • Es spielt kei­ne Rolle, ob ich mit oder ohne Maske im Campus zum Drucker lau­fe, die­se stän­dig auf­ha­be (was ich nicht darf ) oder nicht. Ist dort jemand infi­ziert und ich bin län­ger als 10 Minuten anwe­send, gehe ich in Köln für min­des­tens 14 Tage in Quarantäne.
  • Selbst ein Aufenthalt in den Einzelbüros (neu­deutsch: Denkerzellen) nützt nichts, wenn ich mich mor­gens nicht direkt dar­in ein­schlie­ße. Hiervon gibt es auch nur zwei Stück.

Was bedeu­tet dies für die ABC?

  • Gibt es zum Beispiel im Campus 000 eine/n Infizierte/n bei der zur­zeit ange­dach­ten Belegung von maxi­mal 20 Leuten, gehen die­se alle in Quarantäne (bis auf den einen oder ande­ren Geimpften).
  • Dies gilt dann auch für die ande­ren Großraumbüroflächen. Ausnahme wäre ein Verhältnis zuguns­ten einer lan­gen, zu öff­nen­den Fensterfront in Verbindung mit einer schma­len Raumtiefe.
  • Während der Sommerferien wäre 000 dann nahe­zu hand­lungs­un­fä­hig – die­se Szenario ver­su­che ich mir gera­de auszumalen!

Welche Rückschlüsse zie­he ich für mich (als jetzt gebrann­tes Kind)?

  • Bis zur Aufhebung der voll­kom­men über­zo­ge­nen Regelungen in Köln hal­te ich mich genau 9 Minuten und 30 Sekunden am Stück im Campus oder ande­ren Großraumbüroflächen auf.
  • Ich habe die Absicht, Anfang Juli in Urlaub zu fah­ren und wer­de mich daher nicht dem Risiko aus­set­zen, mir durch eine erneut auf­ge­zwun­ge­ne Quarantäne den Urlaub ver­ha­geln zu lassen.
  • Ich blei­be daher bis auf risi­ko­freie Termine (an der fri­schen Luft oder bei nur kurz­zei­tig erfor­der­li­cher Anwesenheit in engen Räumen für maxi­mal 9 Minuten) durch­ge­hend im Home Office.
  • Sobald ich von offi­zi­el­ler Seite bestä­tigt bekom­me, dass auch in Köln die Regeln der Landes NRW durch­weg Anwendung fin­den, kom­me ich wie­der in den Campus.

PS: Diese Mail kann bei Bedarf auch ger­ne in Richtung Vorstand wei­ter­ge­lei­tet werden.

Ich wün­sche allen ein schö­nes Wochenende – mei­nes wird es mit Sicherheit nicht sein.

Freundliche Grüße

<<Helmi2000>>
Dipl.-Ing.«


»Von: <<Helmi2000>>
Gesendet: Freitag, 28. Mai 2021 13:54
An:quarantaene@stadt-koeln.de‚ <quarantaene@stadt-koeln.de>
Betreff: Kontaktperson 224068 – Ordnungsverfügung vom 26. Mai 2021

Sehr geehr­te Damen und Herren,

Bezug neh­mend auf das Telefonat mit Frau Fu. über­sen­de ich Ihnen eine Ausschnitt des Gebäudeplans XYZ. Das Poolbüro hat die Nummer ‑1/303 und befin­det sich links.


Die Größe (sie­he oben) beträgt 65,97 qm, das Büro muss, weil es innen­lie­gend ist (ohne Fenster), zwangs­be- und ent­lüf­tet wer­den. Die Lüftungsanlage war bei mei­ner Anwesenheit in Betrieb.

Die Anordnung der Personen war wie folgt: Ich habe an den gel­ben Tischen mit dem Kopf zur Wand (nach unten) geses­sen. Die bei­den ande­ren Kolleginnen neben­ein­an­der an den roten Tischen, dem­nach hin­ter mir in glei­cher Richtung vor den PC’s. Die Breite der Tische beträgt 80 cm, zwi­schen den gel­ben und grü­nen Tischen beträgt der Abstand 1,6 Meter. Hieraus ergibt sich eine Gesamtdistanz von 3,20 Metern.

Während mei­ner Anwesenheit von 8:45 Uhr bis cir­ca 13:00 Uhr hat­te ich zwei Termine (im Gebäude (80 Minuten und am Friesenplatz 60 Minuten). Den Raum habe ich ent­spre­chend der Vorgaben jeweils mit Maske betre­ten und ver­las­sen. Aufgrund der Anordnung, des Abstandes zwi­schen mir und der infi­zier­ten Kollegin sowie der Gesamtluftmenge in dem Raum (Geschosshöhe cir­ca 3 Meter) trifft nach mei­ner Auffassung die Bezeichnung als direk­te Kontaktperson nicht zu.

Ich bit­te Sie dies zu über­prü­fen. Vielen Dank.

Freundliche Grüße

<<Helmi2000>>
Dipl.-Ing.«

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