Klimaschutz: Bundesregierung plant Solardachpflicht für Neubauten

Neue Regeln für Häuslebauer: Schon ab dem kommenden Jahr könnte in Deutschland eine Pflicht für Solardächer eingeführt werden – das zumindest sieht das »Klimaschutz-Sofortprogramm 2022« der Bundesregierung vor. Es werde eine »PV- bzw. Solarthermie-Installationspflicht« eingeführt, heißt es in dem vertraulichen Entwurf, der dem SPIEGEL vorliegt. Die Pflicht soll nicht nur für Neubauten, sondern auch für »größere Dachsanierungen« gelten.

Auch die Anforderungen für die Dämmung sollen dem Bericht zufolge verschärft werden. Alle Neubauten müssen ab 2023 den bisher höchsten Energiestandard EH-55 erfüllen. Bisher war das Erreichen dieses Standards den Bauherren freigestellt.

Ab dem Jahr 2025 sollen die Vorgaben mit dem sogenannten EH-40-Standard weiter verschärft werden. Dieser Standard sieht vor, dass Neubauten nur noch maximal 40 Prozent der Energie eines Standardgebäudes verbrauchen dürfen. Ob und wann die Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist aber noch offen: Denn noch wird in der Bundesregierung um die genauen Maßnahmen des Klimapaktes gerungen.

Privathaushalte spielen in der deutschen Klimabilanz eine wesentliche Rolle: Sie verursachten im Jahr 2018 etwa ein Viertel des deutschen Energieverbrauchs, zeigen Daten des Umweltbundesamts. Etwa zwei Drittel dieser Energie wurden zum Heizen gebraucht, und das hauptsächlich mit Erdgas und Heizöl. Entsprechend groß ist das Einsparpotenzial durch bessere Dämmung und die Verwendung erneuerbarer Energien.

Trotzdem üben Immobilienverbände deutliche Kritik an den Plänen: »Das ist ein unkoordinierter Schnellschuss, der Bauen und Wohnen dramatisch verteuert«, sagte der Präsident des Verbands Haus & Grund, Kai Warnecke, der »Bild-Zeitung«. Es sei »lächerlich, eine Solardachpflicht einzuführen, ohne endlich den Verkauf des produzierten Stromes an die Bewohner des Hauses zu erlauben«.