Jens Spahn geht bei seiner Verteidigung im Streit um minderwertige Masken volles Risiko ein

Als Gesundheitsminister in der Pandemie hat man ohnehin eine empfindliche Fallhöhe, die jeden Tag getestet wird. Nun hat Jens Spahn seine noch mal deutlich aufgestockt. Spahn hat erklärt, dass die Vorwürfe aus der SPD gegen die Maskentests seines Hauses »empörend« seien, rein »wahltaktisch« motiviert. Was die Sache für ihn noch größer aufpumpt: Kanzlerin Angela Merkel, sonst gern zurückhaltend, wenn Minister ins Straucheln geraten, hat sich voll hinter ihn gestellt. In der CDU-Präsidiumssitzung soll sie gesagt haben, dass die Kritik an Spahn jeder sachlichen Grundlage entbehre. Jeder. Komplette Luftnummer also. Das ist einerseits schön für Spahn, dürfte aber unschön werden, wenn sich das Gegenteil herausstellt.

Spahn hat einen riskanten Schritt gemacht und die Kanzlerin dabei mitgenommen. Den Vorwurf, seine Masken-Schnelltests seien zu dürftig, die Masken angesichts der bestehenden Verordnungen deshalb nicht zulässig gewesen und unbrauchbar, hat er mit einem wütenden Gegenangriff gekontert. Er hat es nicht dabei belassen, seine Testmethode zu verteidigen oder dem Arbeitsministerium zu unterstellen, mit hinhaltendem Widerstand die Maskenversorgung der Republik zu gefährden. Er ist weiter gegangen: Wenn Spahn jetzt verspricht, dass sein Test ohne Wenn und Aber taugt, dann verspricht er damit auch, dass die so getesteten Masken taugen. Dass sie sicher sind. Unbedenklich. Alle. Denn der Spahn-Maskentest, so die Botschaft, lässt keine Schrottmasken durch; sonst wäre er ja doch nicht ausreichend gewesen.

9000 Chargen soll der Bund geprüft haben, 9000 Chargen, die nun sicher sein müssen. 230 Millionen Masken, die vom Bund an die Länder gingen, unters Volk gebracht wurden. Auf einer höchst fragwürdigen Rechtsgrundlage, aber angeblich mit 95 Prozent Filterleistung, jede von ihnen. Der Gesundheitsminister hat es versprochen, er steht dafür mit seinem Wort, und weil das bei Spahn vielen inzwischen zu wenig ist: mit seinem Amt. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass es nun sehr eng wird für den Mann, dem die Kanzlerin so viel zutraut.

Die »Zeit« hat gerade mit eigenen Tests nachgewiesen, dass unter den Masken, die Spahns Ministerium unter Volk brachte, hochgefährliche waren, mit Filterleistungen um 50 Prozent. Es werden nicht die einzigen gewesen sein, die Spahns angeblich sicheren Kurztest nie hätten bestehen dürfen. So viel kann man schon sagen.