Impfung gegen Corona: Wer wird wann geimpft?

In Deutschland sind Ende Dezember die ersten Impfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 und die Erkrankung COVID-19 gestartet. Da nicht genug Impfdosen zu Verfügung standen, um alle Menschen, die es möchten, direkt zu impfen, wurde eine Priorisierung beschlossen. Die Reihenfolge der Impfung wurde durch das Bundesgesundheitsministerium festgelegt. Die sogenannte „Corona-Impfverordnung“ folgt dabei weitestgehend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts. In der Regel werden zunächst Menschen mit höchster Priorität geimpft, es folgen Personen mit hoher Priorität und dann mit erhöhter Priorität.

Auch wenn die Impfpriorisierung bundesweit am 07.06.2021 offiziell aufgehoben wurde, behalten die Impfzentren im Saarland, in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Bayern die Priorisierung zunächst bei.

Wie sieht die Reihenfolge bei der Impfung gegen Corona konkret aus, wer hat Anspruch auf eine Impfung und gibt es eine Impfpflicht? Das erfahren Sie im Folgenden.

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Wer hat höchste Priorität bei der Corona-Impfung?

Mann wird mit höchster Priorität gegen Corona geimpft© Getty Images/fstop123

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Da das Alter beim Verlauf einer Corona-Infektion eine wichtige Rolle spielt, wurde dies bei der Priorisierung berücksichtigt. Zudem werden Menschen mit höchster Priorität geimpft, die im Gesundheitswesen beschäftigt sind.

Konkret gehören folgende Menschen zur Gruppe der Menschen mit höchster Priorität:

  • Personen über 80 Jahre
  • Angestellte oder Bewohner von Pflegeeinrichtungen für ältere oder pflegebedürftige Menschen
  • Angestellte der ambulanten Pflege   (Pflegedienste)
  • Personen, die in Einrichtungen arbeiten, in denen ein hohes Ansteckungsrisiko herrscht. Dazu gehören Rettungsdienste, Intensivstationen, Notaufnahmen, spezialisierte ambulante Palliativversorgung, Corona-Impfzentren sowie weitere Bereiche mit infektionsrelevanten Tätigkeiten, in denen es zu einem hohen Aufkommen von Aerosolen in Verbindung mit COVID-19-Patienten kommt. Dazu gehören Personen, die beispielsweise Behandlungen wie die Intubation oder die Bronchoskopie durchführen.
  • In Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen werden auch Zahnärzte zur Personengruppe mit hohem Ansteckungsrisiko gezählt. In allen anderen Bundesländern werden Zahnärzte nur mit höchster Priorität geimpft, wenn sie in einer Corona-Schwerpunktpraxis oder einer stationären Pflegeeinrichtung tätig sind.
  • Angestellte, die in einem Bereich tätig sind, in dem Risikopatienten behandelt oder betreut werden. Darunter fallen insbesondere die Transplantationsmedizin sowie die Behandlung von Krebserkrankungen (vor allem Hämato-Onkologie).

Wer hat hohe Priorität bei der Impfung gegen das Coronavirus?

Mann wird mit hoher Priorität gegen Corona geimpft© Getty Images/Cravetiger

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Hohe Priorität bei der Corona-Impfung haben Personen, die aufgrund von Alter, Vorerkrankungen oder ihrem Beruf ein hohes Risiko haben, sich zu infizieren beziehungsweise deren Beruf systemrelevant ist.

Diese Personengruppen haben bei der Impfung hohe Priorität:

  • Menschen über 70 Jahre
  • Personen mit Trisomie 21, Demenz, einer geistigen Behinderung oder mit erfolgter Organtransplantation
  • Personen mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen, wie einer schweren Depression oder Schizophrenie
  • Personen, die von einer der folgenden Erkrankungen betroffen sind: krankhaftes Übergewicht (Adipositas), chronische Nieren- und/oder Lebererkrankung, Immundefekt (Immundefizienz), HIV, Diabetes mellitus mit Komplikationen, Krebs- und/oder Herzerkrankungen, Schlaganfall, COPD, Asthma, Rheuma, Autoimmunerkrankungen
  • bis zu zwei enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen aus der eben genannten Gruppe sowie von über 70-Jährigen Pflegebedürftigen oder schwangeren Personen
  • Personen, die in der Pflege, Betreuung oder Behandlung von geistig behinderten Menschen tätig sind (ambulant oder stationär)
  • Personen, die im Rahmen einer medizinischen Tätigkeit oder im Rahmen eines Heilberufs (zum Beispiel Psychotherapie, Physiotherapie) einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Dazu unter anderem gehören Ärzte, Zahnärzte sonstiges Personal mit direktem Kontakt zu Patienten und Personal in Blut- und Plasmaspendezentren sowie in Corona-Testzentren oder in Apotheken, in denen Tests durchgeführt werden.
  • Menschen, die bei Polizei oder Ordnungsdiensten tätig sind und sich beispielsweise bei Demonstrationen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sehen
  • Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder relevanten Bereichen der Krankenhausinfrastruktur arbeiten
  • Menschen, die in Unterkünften für Flüchtlinge oder Obdachlose arbeiten oder leben
  • Zahnärzte, sofern sie nicht in Bayern, Sachsen, Thüringen oder Sachsen-Anhalt oder in einer Corona-Schwerpunktpraxis beziehungsweise einer stationären Pflegeeinrichtung tätig sind. In diesem Fall werden Sie mit höchster Priorität geimpft.
  • Personal in Kindertagesstätten (Kitas) sowie Grund-, Sonder- und Förderschullehrkräfte
  • Personen in Auslandsvertretungen oder bei politischen Stiftungen, die an Orten tätig sind, an denen die gesundheitliche Versorgung unzureichend ist oder Soldat*innen in Auslandseinsätzen mit hohem Infektionsrisiko

Wer hat erhöhte Priorität bei der Corona-Impfung?

Mann wird mit erhöhter Priorität gegen Corona geimpft© Geber86/E+ via Getty Images

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Erhöhte Priorität haben Personen, die aufgrund von Alter, Beruf oder Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf oder eine Ansteckung mit dem Coronavirus haben, sowie Personen, die relevante Tätigkeiten in speziellen Bereichen ausüben.

Folgende Personen gehören zur Gruppe mit erhöhter Priorität:

  • Personen über 60 Jahre
  • Menschen, die relevante Positionen in einem der folgenden Berufe ausüben: Regierung, Verwaltung, Verfassungsorgane, Streitkräfte, Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Technisches Hilfswerk (THW), Justiz
  • Lehrkräfte an weiterführenden Schulen
  • Personen, die relevante Positionen in einem der folgenden Bereiche besetzen: Unternehmen der kritischen Infrastruktur (beispielsweise Energieversorgung, Wasser, Transport und Verkehr, Ernährungs- oder Abfallwirtschaft, Apothekenwesen, Informationstechnik)
  • Menschen mit einer Tätigkeit im Lebensmitteleinzelhandel
  • Personen mit prekären Lebens- oder Arbeitsbedingungen (beispielsweise Minijobs, Leiharbeit)
  • Personen, die in medizinischen Bereichen mit niedrigem Ansteckungsrisiko mit COVID-19 tätig sind, beispielsweise in Laboren
  • Personen mit Diabetes mellitus
  • Wahlhelfer*innen

Wann werden alle anderen geimpft?

Personen warten auf Impfung gegen Corona© Prostock-Studio/iStock Getty Images Plus via Getty Images

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Bis zum 22. März 2021 wurden nach Deutschland 14,3 Millionen Impfstoffdosen der Hersteller Moderna, AstraZeneca und BioNTech/Pfizer geliefert.

Nach aktuellem Kenntnisstand und unter der Voraussetzung, dass noch weitere Impfstoffe zugelassen werden, geht das Bundesgesundheitsministerium davon aus, dass im Sommer 2021 jeder in Deutschland, der sich gegen das Coronavirus impfen lassen möchte, auch geimpft werden kann.

Gibt es eine Impfpflicht?

Impfpflicht© Paul Biris/Moment via Getty Images

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Die Frage, ob es in Deutschland eine Impfpflicht gibt, kann mit Nein beantwortet werden. Egal, in welcher Priorisierungsgruppe Sie sich befinden: Die Impfung gegen das Coronavirus ist freiwillig.

Wer hat grundsätzlich Anspruch auf eine Impfung?

Frau hat Anspruch auf Corona-Impfung© FG Trade/E+ via Getty Images

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Alle Personen, die in Deutschland ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort haben, haben Anspruch auf eine Impfung. Hinzu kommen alle Personen, die in bestimmten deutschen Pflegeeinrichtungen arbeiten, aber nicht in Deutschland wohnen.

Die Finanzierung sowie die Verteilung der Impfstoffe übernimmt der Bund. Eine Impfung ist damit kostenlos.

Wie ist die Regelung für Härtefälle?

Corona-Impfung Härtefälle© Getty Images/Maskot

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Bestimmte Personen, die von einer Vorerkrankung oder Behinderung betroffen sind, werden nicht explizit in einer der Gruppen mit besonderer Priorität genannt. Dazu gehören auch Menschen mit teils schweren Behinderungen oder Erkrankungen, für die aufgrund von deren Seltenheit jedoch bisher keine gesicherten Daten über einen möglichen Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit COVID-19 vorliegen. Wird ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf angenommen, können die zuständigen Behörden im Einzelfall entscheiden, in welche der unterschiedlichen Gruppen ein Betroffener eingestuft wird (sogenannte Härtefälle).

Unter die Einzelfallentscheidung können auch Personen fallen, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr oder nicht mehr mit gleicher Wirksamkeit geimpft werden können (beispielsweise bei bevorstehender Chemotherapie) oder wenn die Lebensumstände oder der Beruf ein unvermeidbar hohes Ansteckungsrisiko mit sich bringen.

Die Entscheidungsträger unterscheiden sich dabei je nach Bundesland. Ob es im Rahmen der überarbeiteten Impfverordnung zu einer einheitlichen Regelung kommen wird, ist derzeit noch offen.

Mögliche Abweichung von der Impfreihenfolge

Corona-Impfstoffe© Getty Images/Images By Tang Ming Tung

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Von der Reihenfolge kann in Einzelfällen abgewichen werden. Laut der Impfverordnung sind Anpassungen der Reihenfolge möglich, wenn dies notwendig ist, um den Verwurf von Impfstoff zu vermeiden. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn noch Impfdosen in einem angebrochenen Fläschchen übrig sind.

Zudem kann eine Abweichung in Regionen erfolgen, in denen sich das Coronavirus besonders schnell ausbreitet. Dadurch soll die Verbreitung schneller eingedämmt werden. Die Ausnahmeregelung gilt für hochbelastete Grenzregionen (die sogenannte „Ringimpfung“) sowie für Hochinzidenzgebiete innerhalb Deutschlands („Riegelimpfung“).

Eine weitere Abweichung von der Impfreihenfolge ermöglicht das Bundesgesundheitsministerium den Bundesländern beim Vakzin von AstraZeneca. Auch wenn die Impfung von Personen aus Gruppe 2 und 3 noch nicht abgeschlossen ist, können sich Interessierte bereits jetzt mit dem Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen. Je nach Bundesland ist dabei die Impfung erst für Personen ab 60 Jahren oder auch bereits ab 18 Jahren verfügbar.