Ian McGuire: Der Abstinent – Rezension | kulturnews.de

Buhrufe und Pfiffe ertönen in Manchester. Nicht, weil ein Champions-League-Finale vergeigt wurde, sondern wegen einer stümperhaft vollzogenen Hinrichtung. Es ist das Jahr 1867: Man trifft sich um acht Uhr morgens vorm Galgen, trägt speckige Bibermützen, pafft Meerschaumpfeifen und sieht zu, wie irische Rebellen am Strick dem Tod entgegenzappeln. Der gerade aus Dublin versetzte Constable James O’Connor befürchtet baldige Racheaktionen der Fenians, die für Irlands Unabhängigkeit kämpfen. Zu Recht: Ein skrupelloser amerikanischer Bürgerkriegsveteran ist als Todesschwadron schon auf dem Weg nach Manchester. Der halbtrockene Alkoholiker O’Connor versucht verzweifelt, einen klaren Kopf zu bewahren, steht er doch als Ire selbst zwischen allen Fronten. Der literarische Noir von Ian McGuire basiert auf historischen Ereignissen, die er im unerbittlichen Duell zweier Männer sowie der Darstellung des streng riechenden, archaischen Großstadtlebens lebendig werden lässt. Ian McGuire führt uns im flackernden Laternenlicht durch die verrußten Straßen Manchesters und stößt uns auf den allgegenwärtigen Tod und das Elend, das schon einen Steinwurf von der nächsten Latrine entfernt lauert. So wird sein historischer Polizeiroman auch zur atmosphärisch dichten Zeitreise und einer fast sinnlich spürbaren Leseerfahrung.

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