Globale Mindeststeuer: Großbritannien will offenbar Ausnahme für Finanzbranche

Anders zu sein als der Rest der Welt, das zählt ein Stück weit zur Identität von Großbritannien. Nun plant das Land offenbar eine eigenwillige Variante des britischen Exzeptionalismus: Finanzminister Rishi Sunak dringt laut einem Bericht der »Financial Times« auf Ausnahmen für die in London ansässige Finanzbranche von der geplanten weltweiten Mindeststeuer.

Die britische Regierung befürchte Nachteile für global agierende Banken mit Sitz in London, berichtete die Zeitung mit Verweis auf Informationen aus dem Umfeld der Verhandlungen. Sunak habe die Bedenken auch beim Treffen der Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) am vergangenen Wochenende angesprochen.

Wenn sich Großbritannien mit der Ausnahmeregelung nicht durchsetzen kann, würde die Londoner City als Standort für Finanzinstitute wohl weniger attraktiv. Andere Länder hoffen dagegen durch die Mindeststeuer auf höhere Einnahmen. So kalkuliert etwa Frankreich mit einem Plus von mehreren Milliarden Euro pro Jahr. Das sagte Finanzminister Bruno Le Maire dem französischen TV-Sender BFM. Es gebe aber noch keine genaue Zahl. Nach Berechnungen der EU-Steuerbeobachtungsstelle, einem unabhängigen Analysehaus, kann Frankreich mit 4,3 Milliarden Euro rechnen.

Le Maire sagte, aus der anderen Säule der geplanten Steuerreform sei mit zusätzlichen Einnahmen von 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro zu rechnen. Bei dieser Säule geht es um eine andere Verteilung der Besteuerungsrechte zwischen den Ländern. Dabei werden allerdings nur die 100 größten und profitabelsten Konzerne berücksichtigt.