Geldfluss dank Bitcoin – wie sich Terrorgruppen mit digitalen Währungen finanzieren

Kryptowährung und Terrorismus Geldfluss dank Bitcoin – wie sich Terrorgruppen mit digitalen Währungen finanzieren

Ein Mitglied der Kassam-Brigaden posiert auf einem Lkw mit Raketen bei einer Parade der Terrorgruppe im Gazastreifen

Ein Mitglied der Kassam-Brigaden posiert auf einem Lkw mit Raketen bei einer Parade der Terrorgruppe im Gazastreifen. Mit Bitcoin-Spenden kauft der bewaffnete Arm der Hamas Waffen.

© Nidal Alwaheidi/ / Picture Alliance

Terrororganisationen wie die Hamas haben Kryptowährungen für sich entdeckt. Digitales Geld wie der Bitcoin sind für sie ein willkommenes Mittel, an anonyme Spenden zu kommen. Das zeigte auch der jüngste Konflikt in Nahost.

Terrorgruppen profitieren weltweit offenbar zunehmend von der Möglichkeit, sich durch Kryptowährungen wie den Bitcoin zu finanzieren. Dabei schaffen sie es, mit Online-Kampagnen Geld durch anonyme Spenden einzusammeln. Jüngstes Beispiel für diese Praxis ist die Hamas, wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) in dieser Woche berichtete. Das Blatt zitierte eine namentlich nicht genannte Führungspersönlichkeit der radikal-islamistischen Palästinenserorganisation mit der Information, die Gruppe habe jüngst einen deutlichen Schub an Bitcoin-Geldtransfers erhalten. Zur Höhe der Summe machte er keine Angaben.

Einen Schub habe die Bereitschaft zu anonymen Spenden ausgerechnet durch die Gewalt im Nahen Osten und die Angriffe der Hamas auf Israel im vergangenen Monat erhalten, heißt es. Das erklärte Ziel der im Gazastreifen regierenden radikalislamischen Hamas ist die militärische Vernichtung des Staates Israel.

Hamas verwendet Bitcoin-Spenden zum Kauf von Waffen

Mit Kryptowährungen wie dem Bitcoin sind anonymisierte Spenden über das Internet möglich. Für Organisationen wie die Hamas eröffnete sich mit der Entstehung des virtuellen Geldes ein relativ unkomplizierter Weg, an Finanzen zu kommen, um beispielsweise Waffen zu kaufen oder Anschläge zu planen. 

Legal ist das Spendensammeln kaum möglich, da die Organisation in den USA, der Europäischen Union und in anderen westlichen Staaten als terroristisch eingestuft ist. Das Spenden an solche Gruppen ist in den meisten Ländern illegal.

Der jüngste Konflikt in Nahost hat laut dem „WSJ“ auch noch einmal deutlich die Mechanismen gezeigt, mit denen die Spendenbereitschaft von Menschen weltweit an Terrororganisationen gesteigert werden: So wirkten die kriegerischen Auseinandersetzungen in Israel und Gaza gleichsam wie eine Art Reklame für die Islamisten – so jedenfalls der Tenor der „WSJ“-Berichts.

Der amerikanische Anti-Terror-Experte Ari Redbord bestätigt das in dem Beitrag: Solche Konflikte steigerten das Interesse an den Online-Präsenzen der Terrorgruppen – und damit auch die Bereitschaft, ihnen anonym Geld zukommen zu lassen. Die Zugriffe auf die Online-Portale der Hamas hätten während der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Israel zugenommen, fand das „Counter Extremism Project“ heraus, eine New Yorker Non-Profit-Organisation, die die Web-Aktivitäten der Extremisten analysiert.

Die Kampfhandlungen im Mai hätten die Aufmerksamkeit auf die Webseiten der Kassam-Brigaden gelenkt, des bewaffneten Arms der Hamas, bestätigte auch der Informant dem „WSJ“. „Bei den Bitcoin-Spenden hat es definitiv einen Ausschlag nach oben gegeben“, wird der Hamas-Informant in dem Artikel zitiert.

Das „WSJ“ verbreitete diese Informationen als Exklusiv-Nachricht. „Ein Teil des Geldes wird für militärische Zwecke verwendet, um die Grundrechte der Palästinenser zu verteidigen“ sagte der Informant dem Bericht zufolge.  Warum die Hamas mit dieser Information an die Öffentlichkeit geht, ist unklar.

US-Behörden decken illegale Finanzflüsse auf

Anti-Terror-Ermittler vor allem in den USA verfolgen schon seit Längerem die anonymen und illegalen Geldflüsse im Netz, mit denen der weltweite Terror finanziert wird. Im vergangenen August beispielsweise beschlagnahmte die US-Regierung unter dem damaligen Präsidenten Donald Trump etwa 2 Millionen US-Dollar und 300 Kryptowährungs-Konten der islamistischen Terrorgruppen Al-Kaida, IS und der Kassam-Brigaden. Auf letztere entfielen dabei laut „WSJ“ allein eine Million US-Dollar.

Debüt als US-Präsident

Die Beschlagnahme der Terror-Millionen erregte nach Angaben des Nachrichtenportals „Bloomberg“ damals nicht nur wegen der Aufdeckung der illegalen Finanzströme Aufmerksamkeit, sondern auch wegen der Vorgehensweise der US-Behörden: Undercover-Ermittler hatten die Fundraising-Kampagnen der Terroristen infiltriert und sie so enttarnt, berichtete „Bloomberg“ damals. Eine wichtige Rolle beim Spendensammeln spielen laut den Berichten auch Social-Media-Kanäle und Messenger-Dienste.

Quellen: „Wall Street Journal„, „Bloomberg

anb