Ex-Fed-Chefin: US-Finanzministerin Yellen wirbt für höhere Leitzinsen

Die Verbraucherpreise steigen bereits kräftig, während die Zinsen auf Tiefstständen verharren. An die daraus folgende Logik, dass sich Schulden finanziell lohnen können und Sparer kalt enteignet werden, haben sich viele inzwischen gewöhnt. Doch kehrt sich diese Geldpolitik irgendwann auch mal um?

Etwas höhere Leitzinsen wären nach Ansicht der amerikanischen Finanzministerin Janet Yellen für die USA jedenfalls vorteilhaft. Das billionenschwere Ausgabenprogramm von US-Präsident Joe Biden wäre gut für die USA, auch wenn es zu einer höheren Inflation und zu höheren Zinsen beitragen würde, sagte Yellen der Agentur Bloomberg.

»Wir haben gegen die Inflation, die zu niedrig ist, und Zinsen, die derzeit zu niedrig sind, seit einer Dekade gekämpft«, sagte Yellen, die bis 2018 an der Spitze der US-Notenbank Fed stand. Wenn die Zinsen wieder ein normales Niveau erreichen würden, wäre das »keine schlechte Sache«.

Verstärken die Hilfspakete die Inflation?

Der aktuelle Chef der Fed, Jerome Powell, hatte zuletzt jedoch angekündigt, die Zinsen zugunsten der Wirtschaft erst mal nicht anheben zu wollen. So sollen Kredite für Unternehmen günstig bleiben und die Konjunktur gestützt werden, zuletzt waren innerhalb der Fed gar Nullzinsen bis 2023 im Gespräch. Dass es tatsächlich zu einer Zinswende kommt, kann also weiterhin bezweifelt werden.

Biden wiederum will der US-Wirtschaft mit einem Billionen-Infrastrukturprogramm aus der Coronakrise helfen. Damit sollen vor allem Jobs für Arbeiter und die Mittelschicht geschaffen werden.

Diese Hilfspakete könnten nach Ansicht mancher Experten vielmehr die Inflation in den USA noch weiter anheizen. Yellen wies diese Befürchtungen in dem Bloomberg-Interview jedoch zurück. Die Pakete würden sich auf etwa 400 Milliarden Dollar an Ausgaben pro Jahr belaufen, das sei nicht genug, um einen Inflationsanstieg zu verursachen. Die aktuellen Preissteigerungen seien durch vorübergehende, pandemiebedingte Anomalien angetrieben, wie Engpässe in der Lieferkette.

Die Verbraucherpreise waren in den USA zuletzt so kräftig wie seit 2008 nicht mehr gestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat verteuerten sich die Lebenshaltungskosten im April um 4,2 Prozent, die Rate für Mai will die US-Regierung am Ende dieser Woche bekannt geben.