Eiskalt „erwischt“: Auch US-Präsident Biden kann der Zikaden-Invasion nicht entkommen

Insektenschwarm verzögert EU-Reise Eiskalt „erwischt“: Auch US-Präsident Biden kann der Zikaden-Invasion nicht entkommen

Joe Biden, Präsident der USA, stellt nach, wie er sich zuvor eine Heuschrecke vom Hals jagen musste

Joe Biden, Präsident der USA, stellt nach, wie er sich zuvor eine Heuschrecke vom Hals jagen musste

© Patrick Semansky/AP / DPA

Ein Zikadenschwarm hat den Abflug des Presseflugzeugs von Joe Biden verzögert – und vermutlich nicht nur den US-Präsidenten „erwischt“. Hinter der Insekten-Invasion steckt ein seltenes Naturschauspiel.

Nicht einmal der US-Präsident kann der derzeitigen Zikaden-Invasion in der Region rund um die Hauptstadt Washington entkommen: Eines der Insekten landete am Mittwoch auf dem Hals von Joe Biden, bevor er am Militärstützpunkt Andrews in die Air Force One in Richtung Europa einsteigen wollte. „Passen Sie auf die Zikaden auf“, sagte Biden. „Ich habe gerade eine erwischt – sie hat gerade mich erwischt.“

US-Medien berichteten, dass mitreisende Journalisten das Flugzeug wechseln mussten, weil sich Zikaden in die Triebwerke gesetzt hatten. Der neue Flieger sei dann mit sechseinhalb Stunden Verspätung abgehoben. „An diese nicht enden wollende Flugverspätung werde ich mich noch in 17 Jahren erinnern, Zikaden“, drohte der CNN-Korrespondent Phil Mattingly den Insekten scherzhaft bei Twitter. 

Berüchtigt für ihren Lärmpegel – und lange Zeit im Boden verborgen

Washington und andere Landesteile im Osten der USA sind derzeit Schauplatz eines seltenen Naturschauspiels: Dort tummeln sich Milliarden Zikaden der Art Brut X (römisch Zehn), die nur alle 17 Jahre auftauchen. Sie sind für ihren Lärmpegel berüchtigt, der 90 Dezibel und mehr erreichen kann – vergleichbar mit dem eines Benzin-Rasenmähers. Die männlichen Tiere werben mit ohrenbetäubendem Zirpen um eine Partnerin für die Fortpflanzung. Die „Washington Post“ berichtete, in der Hauptstadtregion sei die Zikadendichte so hoch, dass die Insekten auf dem Wetterradar auftauchten.

Die Brut-X-Zikaden graben sich als Nymphen (ähnlich der Larven bei anderen Insekten) in die Erde ein, aus der sie erst nach 17 Jahren wieder auftauchen. Sie häuten sich dann und fliegen in der Regel in Bäume, um sich dort zu paaren. Die jetzt erschienenen Tiere wurden also im Frühjahr 2004 gezeugt – zu diesem Zeitpunkt war George W. Bush US-Präsident, das Online-Netzwerk Facebook war gerade erst gegründet worden und Athen bereitete sich auf die Olympischen Sommerspiele vor.

fs DPA AFP