„Doppelmoral“: Twitter-Nutzer kritisieren Regenbogen-Profilbilder bei deutschen Unternehmen

Kritik an BMW & Co. „Doppelmoral“: Twitter-Nutzer kritisieren Regenbogen-Profilbilder bei deutschen Unternehmen

Regenbogenflaggen vor einem Unternehmensgebäude

Regenbogenflaggen vor einem Unternehmensgebäude

© Christoph Hardt / Geisler-Fotopress / Picture Alliance

Viele Firmen zeigen zum Pride Month auf verschiedenste Weise ihre Solidarität zu homo- und bisexuellen Menschen. Zumindest in westlichen Ländern, in denen ein solches Engagement für ein positives Echo sorgt.

Vom 1. Juni bis zum 1. Juli ist Pride Month – während dieser Zeit stehen homo- und bisexuelle Menschen, die in fast allen Ländern der Welt über Jahrhunderte verfolgt, bestraft oder ausgestoßen und ignoriert wurden, im Mittelpunkt. Sie fordern endlich Gleichberechtigung und Akzeptanz. Und viele große Firmen wollen ihre Solidarität mit diesem Anliegen zeigen. Das ist im Zeitalter von Social Media recht einfach: BMW etwa tauschte für den Pride Month sein Twitter-Logo vom klassischen Markensymbol zu einem mit den Farben der Regenbogenflagge unterlegten Bild. Ähnlich machten es viele andere Konzerne.

Das Problem: Aktionen wie diese werfen die Frage auf, ob es hier wirklich um Solidarität, unter anderem mit sicherlich zahlreichen homo- und bisexuellen Mitarbeitern geht – oder lediglich um Imagepflege. Diese Frage scheint berechtigt, wenn man – wie der Twitter-Nutzer @philhackemann – entdeckt, dass zwar der BMW-Hauptaccount auf Twitter und auch der BMW-Deutschland-Account ihre Logos angepasst haben, die Länderaccounts für Saudi-Arabien und für Russland aber nach wie vor das klassische Logo zeigen. Keine Regenbogenflagge, kein Kommentar zum Pride Month. Schweigen.

Pride Month: Viele Firmen wollen Solidarität signalisieren

Der Twitter-Nutzer Phil Hackemann kommentiert das unwirsch mit: „Doppelmoral, die.“ Und schließt direkt auch andere große Betriebe mit in seine Kritik ein, die ähnlich vorgingen: Mercedes, Bethesda, Cisco oder Lenovo etwa. Engagement für homo- und bisexuelle Menschen zeigen die Firmen dort, wo es erwartet wird und gut für ein modernes, menschenfreundliches Image ist – aber nicht dort, wo es diejenigen, um die es beim Pride Month geht, immer noch besonders schwer haben. Dabei könnten gerade große Firmen in dieser Hinsicht wirklich etwas bewirken.

In den Kommentaren unter dem Tweet liefern viele Nutzer jedoch Erklärungsversuche für das Handeln der großen Konzerne: Teils ist Homosexualität und sogar das Zeigen von entsprechenden Symbolen, wie der Regenbogenflagge, in anderen Ländern gesetzlich verboten, man würde sich also offiziell strafbar machen. Zudem könnte ein solches Engagement die Mitarbeiter vor Ort zum Ziel von Hass und Angriffen machen.

„Doppelmoral“ und „Anbiederungsversuche“?

Dennoch scheinen die meisten Menschen, die Phil Hackemanns Tweet gelesen haben, der Meinung zu sein, dass die genannten Großkonzerne mehr tun könnten, als es aktuell der Fall ist. „Auf so billige Anbiederungsversuche von Unternehmen reagiert die Community doch schon lange nicht mehr. Einmal im Jahr irgendwo Regenbogenfarben platzieren, reicht nicht. Wie wäre es mal mit Führungskräften aus der Community, auch in Saudi Arabien?“, schreibt ein Kommentator.

Ein anderer glaubt: „Denen geht es doch nur um das Geschäft. Nicht um die Sache. Wenn sich in der westlichen Welt mit Homophobie mehr Geld machen ließe, dann würden sie das nach außen signalisieren. Es ist nur eine rationale, wirtschaftliche Entscheidung, hier Pride zu feiern und ‚dort‘ nicht.“ Weder BMW noch eines der anderen auf Twitter kritisierten Unternehmen äußerte sich bisher dazu.

wt