„Deutsche Aufsichtsbehörden sind nicht fit für das Internet-Zeitalter“

Die Opposition hält die Aufsichtsbehörden im Fall des Wirecard-Skandals nicht fähig zur Bewertung digitaler Geschäftsmodelle. Es habe ein „kollektives Aufsichtsversagen“ gegeben.

Die deutschen Aufsichtsbehörden sind nach Einschätzung der Initiatoren des Wirecard-Untersuchungsausschusses ungeeignet, um digitale Geschäftsmodelle angemessen bewerten zu können. „Deutsche Aufsichtsbehörden sind nicht fit für das Internet-Zeitalter“, heißt es im am Montag veröffentlichten Abschlussbericht von FDP, Grünen und Linken zu dem parlamentarischen Sondergremium.

Es habe im Fall Wirecard ein „kollektives Aufsichtsversagen“ gegeben. Vor allem die Finanzaufsicht Bafin und die Münchner Staatsanwaltschaft hätten bis zum Ende geglaubt, Wirecard sei „Opfer von bösen Marktmächten“.

Scharfe Kritik am Bilanzprüfer EY

Deutliche Kritik äußerten die drei Oppositionsparteien auch am jahrlangen Wirecard-Bilanzprüfer EY. „Die Prüfungstätigkeiten waren schlicht ungenügend.“ Eine kritische Grundhaltung sei nie erkennbar gewesen, obwohl die Alarmzeichen mit der Zeit immer größer geworden seien.

Es fehlten Nachweise für große Teile der Geschäftstätigkeit und Bestätigungen für angebliche Treuhandkonten in Milliardenhöhe. EY habe im U-Ausschuss zudem gemauert. Damit sei dem Berufsbild schwerer Schaden zugefügt worden.

Der Zahlungsabwickler und frühere Dax-Konzern Wirecard war im Juni 2020 nach Bekanntwerden milliardenschwerer Luftbuchungen in die Pleite gerutscht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Bilanzfälschung, Betrug, Marktmanipulation und Geldwäsche.