Der alte Mann und das Leer

Zum aller­neu­es­ten WDR-Podcast mit Christian Drosten bin ich noch nicht gekom­men. Hier zunächst die Zusammenfassung der Sendung vom 2.6. mit Sandra Ciesek und STIKO-Chef Thomas Mertens. Über letz­te­ren läßt sich viel Kritisches sagen. Hier schlägt er sich tap­fer gegen die Verblödungstechnik der Damen Ciesek und der Moderatorin Hennig. Nicht nur das. Was Mertens hier mit­teilt, bestä­tigt so ziem­lich alles, was in kri­ti­schen Medien zu lesen ist.

Zahlen schwanken und schwanken

Woran merkt Frau Ciesek das?

»Wir haben viel weni­ger Fälle und wir mer­ken das natür­lich immer dar­an, wie vie­le neue Fälle wir dem Gesundheitsamt mel­den müs­sen. Das hat sich schon deut­lich entspannt…

Schaut man sich dann die Daten für die Bundesländer ein­zeln an, fällt auf, dass die Positivrate schwankt…

Es schwankt nicht nur zwi­schen den Bundesländern, son­dern auch zwi­schen den Laboren…

Und selbst in einer Stadt oder einem Gebiet gibt es in Laboren wahn­sin­ni­ge Schwankungen. Wenn ich zum Beispiel eine Uniklinik sehe, die vor allen Dingen Aufnahme-Screenings macht bei Patienten, die sie auf­neh­men, dann ist die Positivrate ganz nied­rig, bei zum Beispiel 3, 3,5 Prozent, ver­sus einem Labor, die nur Symptomatische tes­tet von nie­der­ge­las­se­nen Ärzten oder die­sen Abstrichpunkten, da ist es bei 21 Prozent. So schwankt das sehr stark inner­halb Deutschlands und ist auch lokal sehr unter­schied­lich.«

Was ent­deckt Frau Ciesek hier? Wer mit einem gebro­che­nen Bein ins Krankenhaus kommt, hat eine Chance von drei zu hun­dert auf ein posi­ti­ves Testergebnis, auch wenn er oder sie kei­ner­lei Symptome hat oder gar Covid-krank ist. Von Menschen mit Symptomen (Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Geschmacksverlust) schlägt der Test in einem von fünf Fällen an. Auch von die­sen Personen ist nie­mand zwangs­läu­fig an Covid-19 erkrankt. (In Peru wer­den aller­dings alle Symptomatischen in die Statistik gesteckt, sie­he Peru: Wundersame Vermehrung von „Corona-Toten“ und Erpressung durch Biontech.)

Was machen die Varianten so?

»Hennig: Frau Ciesek, Sie sind in Frankfurt. Eben haben Sie es schon kurz gesagt, da ist das gro­ße Drehkreuz der Frankfurter Flughafen. Welche Rolle spie­len da momen­tan die Varianten, die ja viel mit Reiseverkehr zu tun haben?

Ciesek: Ja, schon eine gro­ße Rolle. Wir über­prü­fen die Sequenzen seit eini­ger Zeit und haben auch schon mehr­mals erzählt, dass wir natür­lich in Frankfurt sehr divers sind, sehr vie­le ver­schie­de­ne Sequenzen fin­den kön­nen und natür­lich immer noch mal genau auf­pas­sen wol­len, dass hier nichts rein­ge­tra­gen wird. Insgesamt kann ich auch nur für mei­ne Region sagen, dass man deut­lich merkt, dass sich die Situation ent­spannt. Das merkt man, den­ke ich, auch wenn man raus­geht, an den Menschen, dass sich die gesam­te Pandemie-Situation im Moment deut­lich ent­spannt und die Laune bei den meis­ten Menschen auch deut­lich ansteigt.«

Wie war die Frage noch gleich? Ich habe ihn übri­gens geliebt damals, den Variant, der so viel mit Reiseverkehr zu tun hat­te (nicht so sehr wie den R4):

automobile-lopp.de

Neue Mutante in Vietnam? Kirchenausbrüche

Da kann Ciesek Entwarnung geben:

»Dazu muss man sagen, das ist jetzt kein Hybrid oder kei­ne Kreuzung von Viren oder eine Rekombination, wie oft dann fälsch­li­cher­wei­se geschrie­ben wird, son­dern es ist eine B.1.617.2‑Variante. Also die indi­sche vom Subtyp zwei, die eine Deletion hat an der Stelle 144, also eine Tyrosin-Deletion, und die ist im Spike-Protein. Diese Deletion an Position 144, die fin­det man auch in der B.1.1.7‑Variante aus Großbritannien…«

Wobei die Kirchenausbrüche in Ho Chi Minh nicht zu ver­nach­läs­si­gen sind:

»Es gibt Provinzen, gera­de wo vie­le Industriegebiete sind, wo Hunderttausende Arbeiter beschäf­tigt sind, mit grö­ße­ren Ausbrüchen in Firmen. Da sind bis zu 20 Prozent der Arbeiter infi­ziert. In Ho Chi Minh [sic!], eine der gro­ßen Städte in Vietnam, eine Neun-Millionen-Stadt, hat man zum Beispiel auch einen Kirchenausbruch gemel­det. Nach dem Kirchenbesuch waren ins­ge­samt 85 Personen positiv.

Wenn man sich dann über­legt, dass nur ein Prozent der Bevölkerung geimpft ist, gibt es eigent­lich kei­ne Immunität. Mich erin­nert das ein biss­chen an die Fälle, die wir letz­ten Sommer oder Frühherbst gese­hen haben, ob es jetzt die fleisch­ver­ar­bei­ten­de Industrie oder auch Kirchengemeinden waren, da hat­ten wir auch gro­ße Ausbrüche. Diese indi­sche Variante ist ja sehr ansteckend…

Aber im Grunde genom­men ist das aus unse­rer Sicht noch ein rela­tiv kon­trol­lier­tes Infektionsgeschehen, was wir in Vietnam sehen, mit einer Inzidenz von 2 pro 100.000.«

Dieser Erkenntnis kann man sich nicht ver­schlie­ßen. Es heißt mit ande­ren Worten, daß aktu­ell 0,002 Prozent der VietnamesInnen als Fälle gel­ten. Die Rate sinkt im übri­gen bereits wie­der. Woher Ciesek die 20 Prozent infi­zier­ten Arbeiter haben mag von hun­dert­tau­sen­den? Denn ins­ge­samt, seit Beginn der „Pandemie“, wur­den 9.027 „Infektionen“ bei fast 100 Millionen EinwohnerInnen gezählt, 53 gel­ten als „Coronatote“ (corona-in-zahlen.de, 8.6.). Da „gibt es eigent­lich kei­ne Immunität“, sagt die Virologin, die für ihre vor­bild­li­che Aufklärungsarbeit mehr­fach aus­ge­zeich­net wurde.

Alle Buchstaben erst mal neu lernen

»Gerade hat­te ich alle aus­wen­dig gelernt, jetzt kann ich schon wie­der neu ler­nen. Damit man wahr­schein­lich fle­xi­bel bleibt, ich weiß es nicht… Und auch die „Variants of Interest“ sind mitt­ler­wei­le nach dem grie­chi­schen Alphabet durch­de­kli­niert wor­den. Das fängt bei Epsilon an mit der Variante, die in den USA gefun­den wur­de, also B.1.427 und B.1.429. Und hört mit Kappa auf, das ist die indi­sche Variante vom Subtyp eins. Ich weiß nicht, ich glau­be, wir müs­sen das alles jetzt neu ler­nen. Damit wir im Podcast dann noch wis­sen, von wel­cher Variante wir spre­chen, müs­sen wir jetzt alle Buchstaben erst mal neu lernen.«

Frau Hennig hat es noch nicht so drauf:

»Hennig: Also Delta ist dann, wenn wir dar­über spre­chen, B.1.617.2. Ein letz­ter Blick bei die­sem Varianten-Thema noch mal auf die Zahlen in Deutschland. Wir haben zuletzt gesagt, die­se Variante bewegt sich im nied­ri­gen ein­stel­li­gen Bereich, die wir als die indi­sche Variante bis­her kann­ten, in Deutschland bei zwei Prozent. Das ist unge­fähr gleich geblie­ben. Wobei der spe­zi­el­le Untertyp, um den es geht, der am meis­ten unter Beobachtung steht, der ist im Verhältnis leicht mehr geworden.

Ciesek: Ja, das liegt dar­an, dass man in der letz­ten Woche, laut dem RKI-Bericht vom 26. Mai, den Untertyp eins nicht gefun­den hat. Und Untertyp drei gibt es eh ganz sel­ten. Der spielt eigent­lich kei­ne Rolle. Dann steigt natür­lich im Verhältnis die Untergruppe zwei an. Die liegt jetzt bei 2,2 Prozent in Deutschland. Also ist noch nicht stark ange­stie­gen, wird aber natür­lich wei­ter beob­ach­tet. Muss man ein­fach schau­en, wie sich das wei­ter­ent­wi­ckelt in den nächs­ten Wochen.«

Bei aller Zahlentrickserei gehen die Werte ein­fach nicht hoch. Wo sie doch so anste­ckend ist, die Delta oder wie sie heißt. Hennig ver­sucht es aufs Neue, zum Ausgleich:

»Hennig: Zum Ausgleich ist die süd­afri­ka­ni­sche Variante – Moment, jetzt muss ich nachgucken …

Ciesek: Die ist 1,1 Prozent zurück­ge­gan­gen. Auch die P1, also die neue Gamma, die ist jetzt bei 0,3. Die wird auch sehr sel­ten in Deutschland gefun­den, kann sich hier zum Glück nicht durch­set­zen.«

Verflixt!

Am Drehkreuz ist ein Teil geimpft, aber auch im Auto

»Hennig: Was die­se Varianten angeht, gera­de weil Sie am Drehkreuz Frankfurt sit­zen: Rechnen Sie damit, dass das mit zuneh­men­dem Reiseverkehr im Sommer mehr wird? Oder schät­zen Sie das so ein, dass die Regelungen, die wir im Reiseverkehr haben, aus­rei­chen, um das einzudämmen?

Ciesek: Das ist eine schwie­ri­ge Frage. Ich den­ke, dass das mehr wird… Was macht man mit denen, die geimpft sind oder denen, die nicht geimpft sind? Das wird sich ja irgend­wann am Flughafen bemerk­bar machen, dass ein Teil geimpft ist und ein ande­rer nicht. Wie geht man mit denen genau um? Aber hier möch­te ich noch mal beden­ken, dass der Flughafen allei­ne gar nicht das größ­te „Problem“ sein muss, son­dern auch der Reiseverkehr zum Beispiel mit dem Auto eine gro­ße Rolle spielt…«

Was wir von den Modellierern wissen und von Vietnam

»Hennig: Ganz all­ge­mein gespro­chen, was die Zahlen angeht, wir haben schon gesagt, das sieht alles sehr gut aus, die Entwicklung. Die Zahl der Neuinfektionen geht rapi­de zurück. Wir wis­sen aber von Ihnen, von ande­ren Fachleuten und auch von Modellierern, dass das nicht allein der Impfeffekt sein kann. Das heißt, wenn jetzt Maßnahmen wie­der gelo­ckert wer­den, Außengastronomie offen ist, Geschäfte haben geöff­net, die Schulen sind vom Wechselunterricht wie­der zur vol­len Besetzung zurück­ge­kehrt. Rechnen Sie damit in den kom­men­den Wochen, dass da die Zahlen jetzt wie­der leicht stei­gen oder stagnieren?

Ciesek: Ich glau­be, das ist genau­so. Erinnern wir uns noch mal an Vietnam, wo sie dem Virus die Gelegenheit geben – zum Beispiel bei gro­ßen Menschenansammlungen, wo vie­le noch nicht geimpft sind und geschützt sind – da wird das Virus sei­ne Chance nut­zen. Gerade wenn man Varianten hat, die über­trag­ba­rer oder leich­ter über­trag­bar sind als jetzt das ursprüng­li­che Virus war. Ich ver­mu­te, dass wir dann auch wie­der mehr die­se Ausbrüche sehen wer­den, wie wir das letz­tes Jahr in Deutschland hat­ten, aber auch jetzt zum Beispiel in Vietnam beob­ach­ten kön­nen. Wenn Sie eine Veranstaltung machen mit tau­send Leuten, dann haben Sie natür­lich das Risiko, dass dort ein gro­ßer Ausbruch die Folge sein könn­te.«

Anstelle von Modellen soll­ten sich die Damen viel­leicht obi­ge Fakten ansehen.

Gesundheitsminister hat sich schon sehr weit ins Feld geworfen

Nun kommt Thomas Mertens ins Gespräch, der Chef der STIKO. Frau Hennig stellt ihn vor und dann fest:

»Herr Mertens, die Politik, der Gesundheitsminister, aber auch ande­re Politiker, haben sich schon sehr weit ins Feld gewor­fen und pro­pa­gie­ren eigent­lich eine Kinder-Impfung. Aber die STIKO-Empfehlung steht noch aus. Sie sind noch in den Beratungen. Wer jetzt auf­merk­sam die Medien ver­folgt, der weiß, dass Sie von der STIKO bis­lang eher zurück­hal­tend sind. Was ist der Hauptgrund für Ihre Zurückhaltung?«

Mertens erklärt es ihr und auch, daß die STIKO ehren­amt­lich arbeitet.

»Hennig: Das heißt, Sie sind auch völ­lig unab­hän­gig von der Politik. Das kann man jetzt in die­ser klei­nen Diskrepanz – Risikobewertung, was für Folgen wer­den dar­aus gezo­gen – ganz gut sehen.«

Hennig sieht, was für Folgen aus der klei­nen Diskrepanz gezo­gen wer­den. Sie wird als Journalistin bezeichnet.

0,001 Prozent Todesfälle bei Kindern. Was ist Long Covid?

Nun macht Mertens die gan­ze Rechnung auf.

»Mertens: … Das Problem des soge­nann­ten Long Covid bei Kindern wirk­lich sehr schlecht hin­sicht­lich der Datenlage ist. Das fängt schon damit an, dass das Krankheitsbild bei Kindern nicht gut defi­niert ist und dass es zwar die bekann­te Publikation aus England gibt, die da Prozentzahlen angibt. Aber letzt­end­lich sind wir zu der doch lite­ra­tur­ge­stütz­ten Auffassung gekom­men, dass es hin­sicht­lich Long Covid in die­ser Altersgruppe – wohl­ge­merkt es geht hier um die Zwölf- bis 17-Jährigen, also um die, die jetzt mög­li­cher­wei­se geimpft wer­den sol­len – die Datenlage prak­tisch völ­lig unzu­rei­chend ist.

Aber viel­leicht soll­te man noch mal sagen, was Covid an sich für die­se Altersgruppe bedeu­tet. Wir wis­sen, dass in der Meldestatistik unge­fähr 188.000 Kinder und Jugendliche in die­sem Alter, also 12 bis 17, erfasst wor­den sind. Und von die­sen 188.000, die eine Infektion gesi­chert hat­ten – das wer­den sicher noch mehr sein, aber letzt­end­lich die, die gemel­det wor­den sind -, sind etwa ein Prozent, 1.800 hos­pi­ta­li­siert wor­den. Von die­sen 1.800 wie­der­um ist nur ein Prozent inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt wor­den. Das han­delt sich also, wenn man das run­ter­rech­net, um unge­fähr 18 Kinder und Jugendliche. Es hat zwei Todesfälle gege­ben. Das macht dann einen Prozentsatz von 0,001 Prozent aus. Da muss man sagen, bei­de Todesfälle betra­fen Kinder, die schon prak­tisch in pal­lia­ti­ver Situation waren. Das heißt, sie waren sehr schwer krank.

Man muss auch sagen, dass vie­le der Infektionen bei den Kindern in den Krankenhäusern, wenn sie hos­pi­ta­li­siert wur­den, zufäl­lig ent­deckt wor­den sind. Also ein Beispiel: Ein Kind kommt wegen einer aku­ten Blinddarmentzündung ins Krankenhaus. Es wird ein Test gemacht und dabei stellt sich raus, dass das Kind auch PCR-posi­tiv ist für SARS-CoV‑2. Dann hat das Kind defi­ni­ti­ons­ge­mäß eine Infektion, aber die Einweisung ins Krankenhaus erfolg­te wegen des Blinddarms. Zusammengenommen ist es wirk­lich eine aus­ge­spro­che­ne Rarität. Und die zwei regis­trier­ten Todesfälle in die­ser Altersgruppe betra­fen alle Kinder, die schon ohne Covid sehr schwer krank waren.«

Ich hat­te ja schon die Vermutung, daß ich der ein­zi­ge Mensch bin, der den Podcasts noch folgt. Ist anders zu erklä­ren, daß Mertens hier in sen­sa­tio­nel­ler Weise alles das bestä­tigt, was in alter­na­ti­ven Medien zu dem Thema gesagt wur­de, und nie­mand bekommt es mit? Doch, wenn ich nach­den­ke, es ist auch anders erklärbar.

Das Risiko für PIMS ist gering

Hennig läßt nicht locker:

»Hennig: Vielleicht kön­nen wir ein biss­chen durch­ge­hen, was für Gründe da noch hin­ein­spie­len. Das ist eine kom­ple­xe Entscheidung, sonst wür­den Sie längst mit Ihren Beratungen fer­tig sein. Das ist eine sehr emo­tio­nal geführ­te Diskussion, gera­de unter Eltern, die wir im Moment haben. Ich habe eben das Stichwort Long Covid schon ange­spro­chen. Ein wei­te­res fällt, auf das vie­le Eltern beson­ders ängst­lich gucken, auf das mul­ti­sys­te­mi­sche Entzündungssyndrom, das bei Kindern meh­re­re Wochen nach Infektion auf­tre­ten kann – in sel­te­nen Fällen. PIMS, haben wir hier auch schon bespro­chen im Podcast. Das schließt auch unbe­merk­te Infektionen ein. Nun gibt es Schätzungen, dass das bei eins zu 1.000 oder eins zu 5.000 liegt. Welche Rolle spie­len die­se Überlegungen in Ihrer Risikoabschätzung? Das ist ja schon nicht ganz so sel­ten, eins zu 1.000 oder eins zu 5.000

Auch hier muß Mertens sie aufklären:

»Mertens: Ja, natür­lich gibt es in Deutschland ganz gute Daten von der Erfassung der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie. Die wur­den natür­lich sehr genau dis­ku­tiert. In der Tat ist es so, dass es die­se Erkrankung gibt. Und bei den Zwölf- bis 17-Jährigen wur­den im gesam­ten Beobachtungszeitraum von Beginn im Jahr 2020 bis zum 30. April 2021 390 Fälle gemel­det. Von denen wur­den 131 Kinder dann wegen Covid-19 hos­pi­ta­li­siert. Was auch zu sagen ist in die­sem Zusammenhang und was wich­tig ist: Die Kinder mit PIMS hat­ten auch im Durchschnitt zu etwa 50 Prozent, also zur Hälfte, eine Komorbidität, wie man sagt, oder eben eine wei­te­re Erkrankung. Das ist auch gut doku­men­tiert wor­den. Es ist nie­mand ver­stor­ben von die­sen Kindern. Die sind zwar zum Teil inten­siv­me­di­zi­nisch behan­delt wor­den, aber es gab kei­nen Todesfall in Deutschland bei PIMS.

Und die Auskunft der päd­ia­tri­schen Infektiologen sagt auch ganz ein­deu­tig, dass vie­le die­ser Kinder auch pro­phy­lak­tisch sta­tio­när bezie­hungs­wei­se auf Intensivstation auf­ge­nom­men wur­den, weil man sich noch rela­tiv unsi­cher fühl­te hin­sicht­lich die­ses Krankheitsbildes. Zusammengefasst: Natürlich ist das genau ange­schaut wor­den, aber das Risiko für PIMS ist gering. Die Prognose ist gut. In die­sem Zusammenhang glau­ben wir auch, dass PIMS jetzt nicht die kla­re Indikation für die Impfung aller gesun­den Kinder darstellt.«

Risiko wie bei Influenza

Neuer Versuch:

»Ciesek: Bei Ihrer Entscheidungsfindung, spielt da eigent­lich auch ein Vergleich zur Grippe, also zur Influenza-Impfung, eine Rolle? Das wird ja auch nicht emp­foh­len in Deutschland.

Mertens: Genau, das haben wir über vie­le Jahrgänge der Influenza gemacht. Die Daten sind genau ana­ly­siert wor­den. Man kann gene­rell sagen, dass es kei­nen Aspekt gibt, dass Covid-19 in die­ser Altersgruppe über das Risiko einer Influenza-Erkrankung bei die­sen Kindern hin­aus­ging. Genau das haben wir natür­lich auch gemacht. Diese Ergebnisse sind auch sehr klar.«

Zum Glück ist da aber noch Frau Ciesek, die befragt wer­den kann, „auf sach­li­cher Ebene„:

»Hennig: Frau Ciesek, Sie sind ja auch Ärztin, wenn wir jetzt gera­de beim Stichwort Influenza sind. Die STIKO emp­fiehlt für Kinder kei­ne Influenza-Impfung. Trotzdem wis­sen Sie als Ärztinnen und Virologin, dass es da auch Komplikationen gibt. Und es gibt ja auch Eltern, die ihre Kinder gegen Influenza imp­fen las­sen. Gibt es da so einen Grenzbereich, wo Sie die Sorgen von Eltern trotz­dem auch von sach­li­cher Ebene nach­voll­zie­hen kön­nen in Bezug auf Covid?

Ciesek: Ja, auf jeden Fall. Bei der Influenza gilt, dass es kei­ne gene­rel­le Empfehlung für alle Kinder gibt. Dass es aber natür­lich bestimm­te Kinder gibt, bei denen eine Impfung auch gegen Influenza jedes Jahr sinn­voll ist. Zum Beispiel bei vor­er­krank­ten Kindern, bei organ­trans­plan­tier­ten Kindern zum Beispiel. Wir sehen auch bei Influenza immer wie­der schwe­re Verläufe, die sta­tio­när auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Auch bei Jugendlichen und Kindern. Und des­halb kann man das natür­lich nach­voll­zie­hen. Es ist eine indi­vi­du­el­le Entscheidung der Eltern, der Jugendlichen, ob man sich gegen Influenza imp­fen lässt.

Ist auch ein biss­chen abhän­gig von den Lebensumständen, sage ich immer…«

Mertens erinnert sich an die Schweinegrippe. Ihm wird bange

Er sagt zur Biontech-Studie:

»Mertens: Diese Zulassungsstudie, da sind also unge­fähr 1.100 Kinder geimpft wor­den. Und sie sind in den Daten, die zur Verfügung ste­hen, zwei Monate nach­be­ob­ach­tet wor­den. Also eine sehr kur­ze Zeit und sehr klei­ne Zahl von Kindern. Ich habe Ihnen geschil­dert oder ver­sucht zu schil­dern, wie das tat­säch­li­che Risiko bei den Kindern ist. Wenn man sich nur vor­stellt, dass es zu einer wie immer gear­te­ten Spätfolge kom­men kann. Also ich nen­ne jetzt ein­fach nur als Beispiel die Narkolepsie bei Pandemrix …

Hennig: Bei der Schweinegrippe-Impfung.

Mertens: Oder ich nen­ne auch nur jetzt das Beispiel von den TTS-Fällen bei Vektor-Impfstoffen.

Hennig: TTS, also die sel­te­nen Sinusvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel.

Mertens: Dann gibt es sehr schnell die Situation – vom Sicherheitsaspekt her -, dass das mög­li­che Risiko durch die Impfung höher wird als das Risiko durch die Erkrankung in die­ser Altersgruppe. Wohlgemerkt, das ist ja immer die Voraussetzung. Von daher sind wir natür­lich sehr zurück­hal­tend. Denn auch die Tatsache, dass in den USA jetzt zwei Millionen Kinder geimpft wor­den sind, die hilft uns da gar nicht wei­ter. Es gibt über­haupt kei­ne Daten über Nebenwirkungen, über irgend­wel­che Dinge, die nach der Impfung gesche­hen sind.

Also nur die­se sta­tis­ti­sche Angabe ersetzt jetzt über­haupt kei­ne Studien. 1,3 Prozent der geimpf­ten Kinder, nur von die­sen 1.100, hat­ten nach Einschätzung der Studien schwe­re Reaktionen. Also der Impfstoff ist schon sehr reak­to­gen, wie wir sagen, bei den Kindern. Und wenn man mal 1,3 Prozent hoch­rech­net auf fünf Millionen Kinder, die zu imp­fen wären, dann gibt es eine gan­ze Menge auch schwe­re aku­te Impfreaktionen, die nicht zu Schäden füh­ren müs­sen, aber immer­hin. Das sind auch Dinge, die man ein­fach berück­sich­ti­gen muss bei den Entscheidungen.«

Und selbst Frau Ciesek fällt ein:

»Ciesek: Was ich viel­leicht noch ergän­zen wür­de, ist: Sie haben schon erwähnt, dass es sich um rund .1000 Jugendliche han­delt, die in die­ser Studie ein­ge­schlos­sen waren, dass die Nachbeobachtungszeit sehr kurz war und auch nicht alle umschließt, das waren knapp 60 Prozent nur, also noch mal gerin­ger die Zahl. Und dass man so natür­lich sel­te­ne­re Nebenwirkungen gar nicht erfas­sen kann. Wir haben das jetzt schon beim AstraZeneca-Impfstoff gese­hen und dass die Nebenwirkungen mit den Thrombosen sel­ten auf­tra­ten. Und das kann man in so einer Studie gar nicht aus­rei­chend untersuchen.«

Spätfolgen der „Impfung“ nicht nur Thema bei Kindern

»Mertens: Das ist nicht nur ein Thema bei den Kindern. Das ist natür­lich – wenn man ehr­lich ist – ein Thema auch bei Erwachsenen-Impfung. So sehr man da theo­re­ti­sche Überlegung machen kann, auch Überlegungen zu mög­li­chen Mechanismen, mit denen eine Schädigung auf­tre­ten kann, wis­sen wir natür­lich, dass bestimm­te Spätfolgen einer Impfung schon auch nach Monaten sehr sel­ten natür­lich, aber mög­lich sind. Ich sehe das gar nicht so sehr als ein spe­zi­el­les Problem der Kinder, son­dern ich sehe das als ein gene­rel­les Problem. Dann kom­men wir wie­der zu der glei­chen Aussage: Wenn wir das wis­sen bezie­hungs­wei­se nicht wis­sen, dann müs­sen wir umso siche­rer sein, dass sozu­sa­gen die Kinder die­sen Impfstoff auf­grund ihrer eige­nen Gesundheit wirk­lich brau­chen. Denn das gibt ja sozu­sa­gen auch die Argumentation dafür, die Verantwortung für die­se gene­rel­le Kinder-Impfung zu übernehmen…

Man muss immer wie­der sagen: Den Kindern bie­tet man ja kein Lakritzbonbon an, son­dern das ist ja ein medi­zi­ni­scher Eingriff. Der muss eben ent­spre­chend indi­ziert sein, das ist eigent­lich das Entscheidende.«

Man möch­te wün­schen, daß Mertens sei­nen Gedanken kon­se­quent weiterentwickelt.

Christian Drosten, auch für Erwachsene gesprochen

Neuer Vorstoß Hennig, Mertens pariert gekonnt:

»Hennig: Herr Mertens, ich wür­de ger­ne abschlie­ßend noch ein­mal auch ein biss­chen vor­aus­bli­cken auf den Herbst, wo wir noch vie­le Fragezeichen haben, was die wei­te­re Entwicklung angeht. Es gibt Fachleute, Christian Drosten zum Beispiel gehört dazu, die sagen: Ich gehe davon aus, jetzt auch für Erwachsene gespro­chen, wenn ich mich gegen eine Impfung ent­schei­de, ent­schei­de ich mich eigent­lich mehr oder weni­ger dafür, frü­her oder spä­ter die Infektion zu bekom­men. Wir haben die epi­de­mio­lo­gi­sche Bedeutung der Kinder in die­sem Zusammenhang auch immer mal wie­der diskutiert.

Also spie­len sie eine Rolle für eine Art von Herdenimmunität zum Schutze aller? Wenn Sie jetzt das indi­vi­du­el­le Risikoprofil der Kinder angu­cken und das über alles stel­len, dann rückt das natür­lich eher in den Hintergrund. Aber kann sich im Herbst so was nicht trotz­dem noch ver­än­dern? Auch wenn wir die Virusvarianten angu­cken und sagen: Da ent­steht doch ein gewis­ser Druck…

Mertens: Für mein Gefühl sind das auch meh­re­re Dinge, die jetzt von Ihnen zusam­men­ge­bun­den wor­den sind… [Ich] glau­be, dass es ein Fehler ist, dass man manch­mal so leicht­hin Dinge pos­tu­liert, die ohne Weiteres nicht zu hal­ten sind. Das ist zum Beispiel die­se Frage der Schulöffnung, der Sportvereine. Da kann ich nur sagen, die STIKO – und ich glau­be auch vie­le ande­re ver­nünf­ti­ge Leute – hal­ten die­se sprach­li­che Verbindung von Impfung als Voraussetzung für das nor­ma­le Leben der Kinder für einen Irrweg. Den hät­te man nicht beschrei­ten sollen…

Man soll­te die Hoffnung auf den epi­de­mio­lo­gi­schen Effekt der Impfung die­ser Kinder nicht über­zie­hen und nicht über­trei­ben. Dazu ist das auch eine rela­tiv schma­le Alterskohorte. Dann kommt ja noch Folgendes hin­zu: Wenn man jetzt sagt: Wir imp­fen jetzt die Kinder, um einen epi­de­mio­lo­gi­schen Effekt zu erzie­len. Dann ist die der­zei­ti­ge Situation so, dass der Impfstoff, den die Kinder bekom­men, den kön­nen die 50-Jährigen und die 40-Jährigen nicht krie­gen. Denn wir haben kei­nen zusätz­li­chen Impfstoff für die Kinder. Das war auch eine klas­si­sche Fehlinformation, die auch mitt­ler­wei­le von der Kanzlerin kor­ri­giert wor­den ist…«

Von der Logik her grenzwertig

»Plötzlich wur­de gesagt, wir machen eine gro­ße Schulimpfkampagne und reser­vie­ren Impfstoffe für die Kinder. Das ist wirk­lich von der Logik her mei­nes Erachtens grenz­wer­tig. Das kann kei­nen posi­ti­ven Effekt geben und bei etwas Nachdenken soll­te eigent­lich jeder dar­auf kommen.«

Mertens wird ver­ab­schie­det, es folgt eine wei­te­re Runde, in der Frau Ciesek gefühlt 50 Mal betont, daß „Kinder-Impfung“ doch eine sehr indi­vi­du­el­le Entscheidung sei, bei der es Gründe dage­gen und wel­che dafür gebe.

Wenn man sich dann anschaut, was kam raus?

Ciesek berich­tet über die „Zulassungsstudie Biontech/Pfizer„, die erst­mals am 27.5. ver­öf­fent­licht wur­de und die ganz über­wie­gend von FirmenvertreterInnen ver­faßt wur­de. Selbst ihr fällt eini­ges auf:

»Man [hat] um die 1.100 Kinder, Jugendliche ein­ge­schlos­sen, die alle aus den USA waren. Und hat nach Immunogenität geguckt, nach Sicherheit und hat das mit einer Gruppe Älterer, zwi­schen 16 und 25, verglichen.

Diese Gruppe kam nicht nur aus den USA, son­dern es war eine welt­wei­te Gruppe, inklu­si­ve deut­schen Daten und aus Argentinien, Brasilien, Türkei und Südafrika. Also sind die Gruppen schon mal nicht ganz so homo­gen. Wobei die Daten, wo man nach neu­tra­li­sie­ren­den Antikörpern geschaut hat, die waren alle wie­der­um eine Subgruppe aus den USA, sodass das bes­ser ver­gleich­bar ist. Dann hat man die Sicherheit rela­tiv kurz nach­be­ob­ach­tet, meis­tens nur einen Monat nach der zwei­ten Impfung. Dann haben die Jugendlichen für sie­ben Tage elek­tro­ni­sches Tagebuch geführt. Daraus hat man dann die Reaktionen oder die „Nebenwirkungen“ doku­men­tiert. Und natür­lich wur­den schwe­re Ereignisse anders gemel­det oder noch zusätz­lich registriert.

Wenn man sich dann anschaut, was kam raus? Wie waren die Beschwerden nach der Impfung? Dann kann man sagen, dass es da wenig Unterschiede gibt zu der Gruppe der 16- bis 25-Jährigen. Das Häufigste waren Schmerzen an der Einstichstelle. Da waren es 79 bezie­hungs­wei­se 86 Prozent bei den Jüngeren. Und wenn man das jetzt mit dem Placebo ver­gleicht, eine Hälfte hat ja nur Kochsalz in den Arm gekriegt, hat­ten da auch 18 bis 23 Prozent die­se Schmerzen an der Einstichstelle. Und Müdigkeit, fand ich auch ganz beein­dru­ckend, gaben 60 bis 66 Prozent der Geimpften, also mit dem Impfstoff geimpf­ten Jugendlichen an, aber auch 25 bis 41 Prozent der mit dem Placebo, also mit rei­nem Kochsalz Geimpften.«

Und das ist doch wirk­lich so ziem­lich das Gleiche. Allerdings:

Manchmal sind die Effekte nicht ganz objektiv. Eine große Lücke

»Also da sieht man ganz schön, dass die Effekte auch manch­mal nicht ganz objek­tiv sind. Denn eigent­lich soll­te man durch Kochsalz im Oberarm nicht wirk­lich müde wer­den oder auch Kopfschmerzen waren hier rela­tiv häu­fig. Bei einem Kind hat­ten die eine Reaktion gese­hen, die stär­ker war. Das Kind hat­te über 40 Fieber. Dann hat man auf die zwei­te Impfung ver­zich­tet…«

Immerhin sieht Ciesek eine gro­ße Lücke.

»Ciesek: Genau, das ist so ein Problem. Was ich nicht so schön fin­de an der Studie, ist, dass die Kinder nur getes­tet wur­den, wenn sie ent­spre­chen­de Symptome hat­ten. Dann haben sie einen PCR-Test bekom­men. Deshalb kön­nen wir nur sagen, dass die Impfung vor einer sym­pto­ma­ti­schen Infektion schützt, was ja bei Kindern eh nicht immer der Fall sein muss. Und dass asym­pto­ma­ti­sche Infektionen hier lei­der gar nicht unter­sucht wur­den. Also wir kön­nen nicht aus­schlie­ßen, dass es trotz­dem zu asym­pto­ma­ti­schen Infektion bei den Geimpften gekom­men ist. Das ist eine gro­ße Lücke die­ser Studie, dass das nicht mit unter­sucht wurde.«

Werte Frau Ciesek, das ist kei­ne gro­ße Lücke, son­dern damit ist die Studie eine gro­ße Lüge. Wenn bei den von Ihnen emp­foh­le­nen und von der Politik durch­ex­er­zier­ten Massentests in Schulen posi­ti­ve Tests anfal­len, dann han­delt es sich fast aus­schließ­lich um sym­ptom­freie Kinder und Jugendliche. Monatelang wur­den den­noch dank Ihrer Expertise Schulen geschlos­sen oder in den Distanzunterricht gezwun­gen. Und nun sehen Sie eine Lücke, nicht etwa eine bewuß­te Fälschung bei einer Studie, die die­ses Kriterium bei „Geimpften“ unter den Tisch fal­len läßt?

Ethikkommission wird schuld sein

»Warum das nicht gemacht wur­de, ist schwie­rig. Das liegt meis­tens am Design der Studie. Also, Sie desi­gnen irgend­wann die Studie. Dann wird die bei Ethikkommissionen, bei Behörden so ein­ge­reicht. Es kann halt auch sein, dass man das nicht bedacht hat oder dass die Ethikkommission gesagt hat: Nein, wenn bei Kindern und Jugendlichen jemand asym­pto­ma­tisch ist, dann möch­ten wir nicht, dass die unnö­tig abge­stri­chen wer­den. Denn das ist ja auch mehr oder weni­ger ein Eingriff und kann viel­leicht belas­tend sein. Und des­halb machen wir das nur, wenn eine Indikation für den Abstrich vor­liegt. Das ist natür­lich auch denk­bar. Weiß ich jetzt aber nicht, wie es in die­sem Fall war.«

Hennig erkennt das Glatteis und führt des­halb noch mal ein paar PIMS ein, was die Sache nicht bes­ser macht. Denn über die „Impfung“ könn­te es nur mal ganz theo­re­tisch gedacht, auch dazu kom­men. Ciesek „kann es nicht aus­schlie­ßen, dass das auch vor­kom­men kann„. Hennig wird vorsichtig:

»Hennig: Vorsichtig gesagt, nicht aus­schlie­ßen kön­nen, heißt auch anders­rum gesagt nicht, dass wir einen Hinweis dar­auf hät­ten, dass es so wäre.

Ciesek: Genau. Es gibt kei­nen Hinweis dar­auf, dass jetzt in den USA, wo Jugendliche geimpft wur­den, bei denen PIMS auf­tritt. Aber man kann sich theo­re­tisch natür­lich ein Konstrukt über­le­gen, dass das mög­lich ist. Man kann es ein­fach nicht aus­schlie­ßen, denn die Daten feh­len.«

Die Formulierung hat Drosten-Qualität: Man kann sich theo­re­tisch natür­lich ein Konstrukt überlegen.

Unterricht mit Impfungen absichern?

Wieder ein­mal ist es Hennig, die treibt, und auch dies­mal will Ciesek nicht so ganz mit­spie­len. H. beginnt wirr:

»Hennig: Gerade bei Kindern und Jugendlichen ist die zwei­te Dosis noch eine gan­ze Weile ent­fernt, auch bei dem Impftempo in den USA. Wenn wir über den Herbst reden, das ist ja eine gro­ße Argumentationskette in Zusammenhang mit Impfung von Kindern und Jugendlichen. Den Unterricht mit Impfungen absi­chern ist etwas, das da viel dis­ku­tiert wird. Wie schät­zen Sie das ein? Auch, was die Entwicklung einer mög­li­cher­wei­se dann doch vier­ten Welle durch Varianten und so wei­ter angeht? Muss man den Unterricht, wenn Kinder eben eher nicht geimpft wer­den und Jugendliche, dann anders absi­chern im Herbst?

Ciesek: Das lässt sich, fin­de ich, sehr schwer vor­her­sa­gen. Das ist natür­lich abhän­gig davon, wie weit der Impffortschritt bei den Erwachsenen ist. Wir sehen ja jetzt, wenn man mal mit ande­ren Ländern wie Israel ver­gleicht, dass die sehr weit sind und die Inzi­den­zen jetzt unter zwei pro 100.000 sind, obwohl die Kinder und Jugendlichen nicht geimpft sind. Und obwohl die sehr vie­le Kinder und Jugendliche in Israel haben…

Deswegen wäre mei­nen Rat [sic]: Auf jeden Fall gute Konzepte in der Hinterhand haben, die dann rela­tiv schnell grei­fen können.«

CDC haben ein bisschen was erhoben. Antigentests sind doof

»Hennig: Das heißt, es geht auch jetzt um das Thema, von dem vie­le sagen, die Politik hat es ver­schla­fen. HEPA-Filter in den Schulen zum Beispiel, Luftreiniger. Aber auch viel­leicht wei­ter mit Masken und Tests erst mal machen, auch wenn die Kinder das nicht so sehr ger­ne hören wer­den. Da gibt es ja auch ein paar Daten vom CDC dazu, die ein biss­chen erho­ben haben, was für Wirkungen das haben kann.«

Nun ist Ciesek ganz auf Drostens Spuren:

»Ciesek: Genau. Es sind in den letz­ten zwei Wochen ins­ge­samt zwei Studien erschie­nen vom CDC, die sich bei­de mit Schulen und Maßnahmen in Schulen beschäf­ti­gen, die eigent­lich bei­de ganz span­nend sind. Auch wenn sie die Realität nicht kom­plett abbil­den oder die Situation in Deutschland, haben sie doch inter­es­san­te Hinweise da drin, dass man doch eini­ges machen kann.«

Es geht um Testen in Utah. Das war ganz toll. An 13 Schulen konn­te man damit „ins­ge­samt 109.000 Unterrichtstage sozu­sa­gen für die Schüler sichern„. Wir sind aber noch bes­ser, wenn auch gilt:

»Natürlich könn­te man sagen: Antigentests sind doof. Wir müs­sen PCR machen. Das dis­ku­tie­ren die auch und sagen: Klar, PCR wäre sen­si­ti­ver. Aber einen Antigentest [sic] ist ein­fach schnel­ler und bil­li­ger. Dann ist die Frequenz, wenn wir das ver­glei­chen – im Moment tes­ten wir alle Schüler zwei­mal die Woche – natür­lich eine ganz ande­re, wenn Sie sagen: alle zwei Wochen [wie in Utah]. Trotzdem sieht man schon einen Effekt.

Das ist noch mal wich­tig zu beto­nen, dass im Moment die­se Frequenz, die wir haben, die ist gut, weil die Fälle auch noch hoch sind und die Situation so ist, dass vie­le noch nicht geimpft sind, auch von den Lehrern. Aber man muss wei­ter­den­ken, was ist im Herbst, im Winter, nächs­tes Jahr? Kann man das dann wirk­lich noch so durch­zie­hen, dass man alle Kinder zwei­mal die Woche tes­tet?…«

Und dann gibt es da noch die Studie aus Georgia:

Zumindest mal so Werte berechnet für Georgia

»Hennig: Dazu gehö­ren eben auch noch ande­re Erfahrungen aus den USA, was ande­re Maßnahmen angeht, die man sich jetzt zwar nicht ein­zeln angu­cken konn­te, nicht ein­zeln raus­ge­rech­net, aber zumin­dest mal so Werte berech­net hat für Georgia, was Maßnahmen wie Masken, Barrieren auf den Tischen und Abstand hal­ten so auf Schulen bezo­gen brin­gen kann. Gibt es da Werte, die Sie über­rascht haben aus die­sen Daten?«

Frau Ciesek ist über­rascht. Alles hat was gebracht, bis auf die Plexiglas-Barrieren zwi­schen den Tischen.

Weiter geht es mit dem „Impfstoff-Mix“. Der ist pri­ma, sagt eine Preprint-Studie der Charité, die eige­ne MitarbeiterInnen unter­sucht hat, und eine Presseerklärung aus Spanien.

Verunreinigungen im Impfstoff nicht weiter schlimm

Die hat­te die Universität Ulm fest­ge­stellt, was nicht ganz geheim blieb, denn es gab Anfragen an den NDR. Hennig ord­net das Problemchen gleich rich­tig ein:

»Hennig: … Zu die­ser Ulmer Studie haben uns auch schon Hörerfragen erreicht. Das ist auch ein Preprint. Und zwar geht es da um Verunreinigungen im Impfstoff. Also ver­ein­facht gesagt, ob da Bruchstücke von Proteinen drin schwim­men, die nicht rein­ge­hö­ren. Und sie sind fün­dig gewor­den. Frau Ciesek, Verunreinigungen, das klingt erst mal ziem­lich ungut, aber klei­ner Spoiler vor­weg, ich glau­be, das hört sich erschre­cken­der an, als es ist. Oder?«

Die Ulmer machen das nur, um Aufmerksamkeit zu hei­schen oder weil sie schon geimpft sind:

»Ciesek: Ja. Generell kann man zu der Studie und auch ande­ren sagen, dass es im Moment natür­lich, wenn so ein Thema so aktu­ell ist, das reizt natür­lich jeden Forscher, da die Ursache her­aus­zu­fin­den und sei­nen Beitrag zu leis­ten. Dann sind natür­lich vie­le die­ser Forscher sel­ber betrof­fen, weil sie zum Beispiel die ers­te Impfung AstraZeneca bekom­men haben und noch mehr Interesse haben, her­aus­zu­fin­den, was da los ist und was der Grund ist. Und oft – ist mir auf­ge­fal­len – wer­den dann Ergebnisse von sol­chen Beobachtungen an Laien öffent­lich kom­mu­ni­ziert, ohne dass die Fachwelt sie schon beur­teilt hat. Insbesondere habe ich auch das Gefühl, dass manch­mal die Schlussfolgerungen und die Interpretationen der eige­nen Studie dann schon eine sehr star­ke Meinung ver­tritt, um zum Beispiel bei einem höhe­ren Journal Aufmerksamkeit zu bekom­men, in den Review-Prozess zu kom­men, also zum Beispiel „Nature“ oder „Science“. Dann macht man sehr star­ke Aussagen, um ein­fach das Interesse des Editors, des Reviewers zu wecken.«

Sie beschreibt nicht etwa sich, Drosten oder Lauterbach, die seit Monaten vor­zugs­wei­se (Überschriften von) Preprints „an Laien öffent­lich kom­mu­ni­zie­ren„. Äußerst sel­ten ent­ste­hen dabei ja „sehr star­ke Aussagen„, die irgend­je­man­des Interesse erwecken…

Ohne eingebundenen Virologen falsche Rückschlüsse

»Das sind oft Forscher, die gar nicht unbe­dingt einen Virologen mit ein­ge­bun­den haben. Oder einen wirk­li­chen Experten für Vektor-Impfstoffe. Und dann viel­leicht auch manch­mal fal­sche Rückschlüsse zie­hen auf die Dinge, die sie sehen und das nicht ganz 100 Prozent kor­rekt einordnen.«

Manchmal beschleicht mich das mul­mi­ge Gefühl, Drosten und Ciesek sind eigent­lich ein und die­sel­be Person. Vielleicht sind die Pläne des Weltwirtschaftsforums zu gen­tech­ni­schen Veränderungen von Menschen und dem Zusammenwachsen von Biologie und Technik doch wei­ter fort­ge­schrit­ten, als wir denken?

Das ist jetzt auch nicht mein Fachgebiet, was die gemacht haben

»Bei dem Ulmer Preprint ist es so, dass die drei Chargen vom AstraZeneca-Impfstoff unter­sucht und bio­che­misch cha­rak­te­ri­siert haben. Es sind kei­ne Virologen. Das ist jetzt auch nicht mein Fachgebiet, was die gemacht haben. Deswegen kann ich das metho­disch, wie sau­ber das ist, nicht gut beur­tei­len. Aber was sie gefun­den haben: Verglichen mit dem rei­nen Vektor waren mehr Proteinbestandteile in die­sen Chargen und es wur­den vor allen Dingen soge­nann­te Hitzeschock-Proteine gefunden.«

Sie macht mich so kir­re, daß ich Hitchcock-Proteine gele­sen haben. Sie hat erklär­ter­ma­ßen kei­ne Ahnung, doziert aber, was pas­siert sein muß:

»Man muss dazu­sa­gen, wenn man weiß, wie die­se Impfviren her­ge­stellt wer­den, die wer­den im Labor mit­hil­fe von Zelllinien ver­mehrt. Also da nutzt man mensch­li­che Zelllinien, um mehr Impfviren zu bekom­men und die zu vermehren.

Weil sich natür­lich ein Virus nicht so ver­meh­ren lässt, son­dern immer eine mensch­li­che oder eine Zelle braucht. Da in vie­len Zellen vie­le Hitzeschockproteine sind, ist das gar nicht ver­wun­der­lich, dass man auch die­se Proteine im Impfstoff fin­det. Diese Impfstoffe wer­den eigent­lich nach der Vermehrung in Zellen dann noch mal auf­ge­r­ei­nigt. Dann hat man irgend­wann – sage ich mal – einen Kompromiss. Wenn Sie 100 Prozent auf­rei­ni­gen wür­den, dann hät­ten Sie auch kei­nen Impfstoff mehr, weil Sie alles weg­rei­ni­gen. Da man auch vira­le Proteine bei die­ser Aufreinigung ver­liert, ver­sucht man zum Schluss, eine Menge von Fremdproteinen zu tole­rie­ren. Zum Beispiel haben die Stoffe 95 oder 99 Prozent Reinheit. Eine gewis­se Menge wie gesagt an Fremdproteinen ist nor­mal. Und das wis­sen natür­lich auch die Aufsichtsbehörden, dass das so ist. Die Firmen müs­sen ja auch offen­le­gen, wie die­ser Herstellungsprozess verläuft…

Was ich scha­de fin­de, ist ein­fach, dass bei die­ser Art der Kommunikation die brei­te Öffentlichkeit ver­un­si­chert wird und ein­fach nur hän­gen bleibt: Oh, AstraZeneca ist schmut­zig.«

Wo doch alle wis­sen, ein biss­chen Schmutz hat noch nie gescha­det. Da muß man sich nicht aus­ge­rech­net beim „Impfstoff“ anstellen.

Da gibt es so viele Fragezeichen

»Ciesek: Ja, wenn man natür­lich frem­de Proteine inji­ziert, spritzt, dann kann das zu einer Reaktion füh­ren. Das kann sein. Je höher die Menge der Proteine ist, des­to höher die Wahrscheinlichkeit, dass man reagiert. Das kann schon sein. Es erklärt aber nicht, war­um man bei der zwei­ten Impfung dann weni­ger reagiert. Im Grunde genom­men ist das schwie­rig. Dazu müss­te man vie­le wei­te­re Untersuchungen machen. Ist das bei allen Chargen so? Ist das bei ande­ren Vektor-Impfstoffen, die ähn­lich reak­to­gen sind, anders? Bei den mRNA-Impfstoffen ist das auch ein reak­to­ge­ner Impfstoff. Da spielt das anschei­nend kei­ne Rolle. Da gibt es so vie­le Fragezeichen, bevor ich da wirk­lich einen Schluss dar­aus zie­hen wür­de, das kann man nicht beant­wor­ten. Natürlich ist, wenn man Fremdprotein inji­ziert, immer die Möglichkeit da, dass es eine all­er­gi­sche Reaktion auch gibt.«

Ein schö­nes Schlußwort, das die Virologin da spricht. Da wird seit Monaten in Deutschland ein „Impfstoff“ ver­wen­det, der nach­weis­lich zu Todesopfern geführt hat. In meh­re­ren Ländern wird er des­halb nicht mehr ein­ge­setzt. Auch bei uns ver­gam­meln zehn­tau­sen­de Dosen davon wegen feh­len­der Nachrage. Dann fin­den WissenschaftlerInnen Verunreinigungen und sehen dar­in eine Möglichkeit der Gefährdung (sie for­dern selbst wei­te­re Untersuchungen). Das Sprachrohr der Pharmaindustrie stellt sich hin und kri­ti­siert nicht etwa das Festhalten an dem Stoff, son­dern die­je­ni­gen, die eine plau­si­ble Hypothese für die Nebenwirkungen entwickeln.

Wenn so gese­hen es wie­der gut ist, daß nie­mand mehr die­sen Podcast hört oder liest, bleibt doch die ver­hee­ren­de Wirkung, daß der­ar­ti­ges Gerede nicht etwa von JournalistInnen nach­ge­prüft, son­dern in kna­cki­ge Überschriften gepackt wird.

(Hervorhebungen nicht im Original.)

Author: aa