Datenanalyse zur Wahl in Sachsen-Anhalt: CDU jagt fast allen anderen Stimmen ab, AfD verliert auch an FDP

Für die CDU war es einer der erfolgreichsten Wahlabende der jüngeren Vergangenheit: Die Partei von Ministerpräsident Reiner Haseloff schnitt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht nur deutlich besser ab als in den Umfragen der vergangenen Wochen. Sie gewann auch im Vergleich zur Landtagswahl 2016 klar hinzu.

Haseloff sprach angesichts des satten Vorsprungs vor der AfD von einer »Abgrenzung nach rechts«, die die Bürgerinnen und Bürger vorgenommen hätten. (Unsere Blitzanalyse lesen Sie hier, einen Report aus Magdeburg finden Sie hier.)

Welche Wählerwanderungen führten zu diesem Ergebnis? Der Überblick

Die Christdemokraten nahmen allen Parteien außer der FDP Stimmen ab. Das geht aus einer Analyse der vorläufigen Wählerwanderung von Infratest dimap für die ARD hervor. Die meisten davon – 15.000 – holten sie von den Sozialdemokraten. Dazu kommen 13.000 frühere Wählerinnen und Wähler der Linken, 11.000 der AfD sowie 1000 Ex-Grünenwähler. Zwischen CDU und FDP gab es keinerlei statistisch erhebliche Wählerwanderung.

Besonders wichtig für den Wahlerfolg der Union: Sie konnte 35.000 frühere Nichtwählerinnen und Nichtwähler für sich gewinnen.

Die AfD verlor außer an die CDU vor allem an die FDP: 4000 einstige Wählerinnen und Wähler der Rechtspopulisten stimmten diesmal für die Liberalen. Auch an die SPD gab die AfD Stimmen ab (2000). Zugewinne für die AfD gab es lediglich von einstigen Wählerinnen und Wählern der Linken (3000). Zudem stimmten 6000 frühere Nichtwähler für die AfD.

Die Linke wurde zwar erneut drittstärkste Kraft im Landtag, verschlechterte sich im Vergleich zu 2016 aber um gut fünf Prozentpunkte. Grund dafür waren neben den 13.000 Stimmen, die die Partei an die CDU verlor, vor allem 11.000 frühere Wählerinnen und Wähler, die diesmal nicht zur Wahl gingen. Die Linke verlor auch an alle anderen Parteien: 7000 Stimmen an die Grünen, 4000 an die FDP, je 3000 an SPD und AfD sowie 4000 an Kleinparteien.

Die SPD musste eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Parteigeschichte hinnehmen. Die Sozialdemokraten nahmen nur der Linken (3000) und der AfD (2000) Stimmen ab. Im Übrigen verloren sie an alle anderen Parteien: 15.000 Wählerinnen und Wähler an die Union, 2000 an die Grünen, je 1000 an die FDP und kleine Parteien. Außerdem stimmten 7000 einstige Wählerinnen und Wähler der Sozialdemokraten bei dieser Wahl nicht ab.

Die FDP, nach zehn Jahren künftig wieder im Magdeburger Landtag vertreten, konnte vor allem frühere Wählerinnen und Wähler der AfD und der Linken überzeugen – hier gewannen die Liberalen je 4000 Stimmen hinzu. Zudem stimmten 2000 einstige Nichtwählerinnen und Nichtwähler für die FDP.

Die Grünen gewannen Stimmen aus dem linken Lager hinzu: Sie nahmen der Linken (7000) und der SPD (2000) Stimmen ab. Zugleich verloren die Grünen aber an die CDU sowie an die kleinen Parteien (2000). Außerdem gab 2000 frühere Wählerinnen und Wähler der Partei ihre Stimme nicht ab.

Union punktet bei Frauen, AfD bei Jungen

Bemerkenswert ist, dass die CDU bei Wählerinnen (41 Prozent) beliebter war als bei Wählern (33 Prozent). Das entgegengesetzte Bild zeigt sich bei der AfD. Ihre Wählerschaft war überwiegend männlich – bei Männern lag der Stimmanteil der Partei bei 27 Prozent, bei Frauen betrug er 16 Prozent.

Die anderen Parteien verzeichneten hingegen keine nennenswerten Unterschiede zwischen dem Wahlverhalten nach Geschlecht.

Die Analyse nach Altersgruppen zeigt, dass die AfD in der Gruppe der jüngeren Wählerinnen und Wählern besonders punktete. Bei den 18- bis 24-Jährigen lag die AfD beinahe gleichauf mit der CDU, ebenso bei den 35- bis 44-Jährigen. In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen war die AfD sogar deutlich besser als die Christdemokraten und klar stärkste Partei.

Die Stimmenanteile der CDU wurden mit zunehmendem Alter der Wählergruppen immer größer. Entsprechend holten die Christdemokraten holten ihre besten Ergebnisse bei Menschen ab 60 Jahren: Der Stimmanteil lag in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen bei 43 Prozent; bei Wählerinnen und Wählern ab 70 sogar bei 49 Prozent.

Die CDU holte sowohl unter Wählern mit einfacher (41 Prozent) als auch unter solchen mit hoher Bildung (34 Prozent) den höchsten Stimmanteil. Bei der AfD war der Unterschied größer. Ihr Stimmenanteil war bei Menschen mit einfacher Bildung (26 Prozent) doppelt so groß wie unter jenen mit hoher Bildung.

Bei den Grünen und der FDP verhalt es sich umgekehrt: Sie schneiden unter Menschen mit hoher Bildung deutlich besser ab als unter jenen mit einfacher Bildung.