Corona-Ursprung: Jetzt hält auch der britische Geheimdienst die „Labortheorie“ für glaubhaft

Pandemie Corona-Ursprung: Jetzt hält auch der britische Geheimdienst die „Labortheorie“ für glaubhaft

Pandemie: Corona-Ursprung: Jetzt hält auch der britische Geheimdienst die "Labortheorie" für glaubhaft
Sehen Sie im Video: WHO gibt Corona-Varianten neue Namen: „Kein Land soll stigmatisiert werden“.

Die Varianten des Corona-Virus bekommen neue Namen. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag bekannt gab, sollen die Mutationen künftig nach griechischen Buchstaben benannt werden – und zwar in der Reihenfolge ihrer Entdeckung: So wird aus der britischen Variante „Alpha“, aus der südafrikanischen „Beta“, aus der brasilianischen „Gamma“ und aus der indischen „Delta“. „Kein Land soll für die Entdeckung und die Meldung von Varianten stigmatisiert werden“, erklärte WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove. Auch die Buchstaben-Zahlen-Kombinationen wie B.1.351 sollten laut WHO nicht mehr genutzt werden, da sie nur schwer in Erinnerung blieben. Der Entscheidung für das griechische Alphabet waren monatelange Überlegungen vorausgegangen, wie der daran beteiligte Bakteriologe Mark Pallen berichtet. Er selbst habe den Vorschlag gestoppt, die Varianten als VOC, beziehungsweise „voc“ zu bezeichnen. Ausgesprochen ähnelte dies doch zu sehr einem englischen Schimpfwort.

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Nach den US-Geheimdiensten wollen auch die britischen Nachrichtendienste nicht länger ausschließen, dass das Coronavirus durch einen Laborunfall in China in die Welt gelangt ist. Beweise aber haben sie ebenso wenig, wie ihre amerikanischen Kollegen.

Der genaue Ursprung von Sars-CoV-2 ist auch anderthalb Jahre nach Ausbruch der Pandemie ungeklärt. Die meisten Fachleute aber gehen davon aus, dass der Erreger, wie so viele vor ihm, irgendwann vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Daneben gab und gibt es allerlei andere Ideen, von denen einige als Verschwörungserzählung abgetan werden – darunter die „Labortheorie“. Für die amerikanischen Geheimdienste jedoch ist sie eine plausible Option – und nun halten auch die britischen Nachrichtendienste das Szenario für „glaubhaft“, wonach das Virus durch ein Leck im Forschungslabor von Wuhan in die Welt gekommen ist.

Schon kurz nach Ausbruch der Pandemie war darüber spekuliert worden, dass das Virus aus dem Institut für Virologie in Wuhan, in dem an Coronaviren geforscht wird, entwichen sein könnte. Die chinesische Regierung aber bestreitet das energisch. Beweise oder handfeste Indizien für die These haben die Briten ebenso wenig wie ihre amerikanischen Kollegen. Ein anonymer Informant sagte der Zeitung „Sunday Times“: „Es mag Hinweise geben, die uns in eine Richtung führen, und welche, die uns auf einen anderen Weg lenken. Die Chinesen werden so oder so die Unwahrheit sagen, deshalb glaube ich nicht, dass wir es je wissen werden.“

„Laborunfälle passieren ständig“

US-Präsident Joe Biden hatte vor einigen Tagen seine Geheimdienste aufgefordert, der „Labortheorie“ nachzugehen und innerhalb von 90 Tagen einen Bericht über die Herkunft des Coronavirus vorzulegen. Das Außenministerium in Peking hat den USA daraufhin vorgeworfen, von eigenem Versagen bei der Bekämpfung der Pandemie ablenken zu wollen, die Hunderttausende Amerikaner das Leben gekostet habe. In einem Interview mit dem US-Sender CBS hat der frühere Chef der US-Lebens- und Arzneimittelbehörde, Scott Gottlieb, gesagt, dass Laborunfälle „ständig“ passierten. „Auch hier in den USA hatten wir solche Fälle und aus China sind sechs Ausbrüche von Sars-1 durch Laborlecks bekannt.“

Dass die „Labortheorie“ so umstritten ist, liegt auch daran, dass ein Team internationaler Experten im Auftrag der WHO vor Ort in Wuhan recherchiert und sie danach als „extrem unwahrscheinlich“ eingestuft hat. Es sei vielmehr „wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich“, dass das Virus Sars-CoV-2 von einer Fledermaus über ein Zwischenwirt-Tier auf den Menschen übergangen ist. An dem Bericht wurden aber schnell Zweifel laut. Zahlreiche Staaten äußerten ihre Besorgnis darüber, dass den Experten bei ihrer Untersuchung in China der Zugang zu Daten verwehrt worden sei. 

WHO bittet um Trennung von Politik und Wissenschaft

Die Einmischung der Politik in die Ursachenforschung zur Pandemie ist der Weltgesundheitsorganisation ein Dorn im Auge. „Wir bitten darum, die Wissenschaft von der Politik zu trennen und uns in einer angemessenen, positiven Atmosphäre die Antworten finden zu lassen“, sagte WHO-Notfalldirektor Michael Ryan jüngst. Die Untersuchung werde „von der Politik vergiftet“, beklagte er. Es bringe die Organisation in die „unmögliche Lage, die Antworten zu liefern, die die Welt haben möchte.“

Quellen: Fox News, „Sunday Times„, DPA, AFP

nik