CDU im Wahlkampf: »Armin, wir schaffen das«

Armin Laschet schaltet sich kurz vor Schluss in den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ein – und zumindest einer älteren Dame gefällt das.

»Sie ist extra hiergeblieben und hat Ihre Massage verschoben, damit wir die Autogramme kriegen.«

»Vielleicht schaffe ich es ja noch.«

»Vielleicht schaffen sie es ja noch. Ich weiß, dass der Armin ja pünktlich ist.«

»Müsste auch mal ne Massage wieder. So Armin, jetzt eine schöne Unterschrift.«

Es wird vorerst der letzte Kontakt mit den Wählern bleiben. Laschet tourt an diesem Nachmittag mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff durch Dessau. Erster Stopp: das Bauhaus-Museum. Der Besuch des Kanzlerkandidaten kurz vor der Landtagswahl ist pikant, denn Haseloff hatte als erster CDU-Ministerpräsident keinen Hehl daraus gemacht, dass er Söder bei der Kandidatenkür bevorzugen würde.

Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat
»Ich glaube, er hat irgendwann mal Angela Merkel unterstützt und ganz irgendwann auch mal Helmut Kohl. Also irgendwen hat jeder Landesverband mal unterstützt. Jetzt geht es darum Wird Angela… Wird Annalena Baerbock oder Armin Laschet Bundeskanzler? Und Sie können sicher sein, dass der ganze Landesverband Sachsen-Anhalt mit viel Engagement dafür ist, dass Armin Laschet Bundeskanzler wird? Ist so. Fragen Sie mal rum. Da ist keiner für Baerbock.«

Reporter
»Es gab diesen berühmten Tweet, der gesagt hat, das ist eine Katastrophe, wie das gelaufen ist mit Ihnen.«

Armin Laschet, CDU-Kanzlerkandidat
»Die Frage war doch, ob Annalena Baerbock von der CDU Sachsen-Anhalt als Kanzlerin gewünscht ist. Und ich kriege Briefe aus den Wahlkreisen, die sagen: Du bist der richtige Mann.«

Die Differenzen bei der Kandidatenkür sollen der Vergangenheit angehören. Schließlich ist die Wahl in Sachsen-Anhalt am 6. Juni der letzte echte Stimmungstest vor der Bundestagswahl. Auch beim zweiten Termin in einem Krankenhaus: demonstrative Geschlossenheit.

Florian Gathmann, DER SPIEGEL
»Das Interessante ist, dass die ja eigentlich einen Draht zueinander haben. Die verstehen sich, die mögen sich. Ich würde sagen, die sind sich auch menschlich ähnlich. Aber es war, glaube ich, zu der Zeit, als die Kanzlerkandidatur entschieden wurde, einfach aus Haseloffs Sicht eine ganz, ganz pragmatische Entscheidung zu sagen: Wir brauchen jetzt denjenigen, der uns in Sachsen-Anhalt in der Wahl, die ja sehr knapp wird, am meisten hilft. Und das war offensichtlich aus seiner Sicht Markus Söder, der einfach viel, viel populärer ist.«

Haseloff ist beliebt in seinem Bundesland. Die von ihm geführte »Kenia-Koalition« aus CDU, SPD und Grünen hat zwischenzeitlich gewackelt, aber gehalten. Der Hauptgegner ist die AfD, die in Umfragen nur knapp hinter der CDU liegt. Eine Zusammenarbeit mit den Rechtspopulisten schließt Haseloff kategorisch aus.

Reiner Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt
»Wir haben einen klaren Parteitagsbeschluss. Ich bin nominiert worden in geheimer Wahl mit dem klaren Programm: Reiner Haseloff, keinerlei Kooperation und Annäherung und in irgendeiner Weise Zusammenarbeit mit der AfD, klares Programm der Mitte, Mehrheit in der Mitte suchen und weiterhin so erfolgreich regieren, wie ich das zehn Jahre mit meinem Kabinett jeweils gemacht habe.«

Eine Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt dürfte innerhalb der Partei die AfD-Diskussion neu entfachen. Und das könnte den Christdemokraten und ihrem Kanzlerkandidaten Laschet im September bei der Bundestagswahl den Sieg kosten.