Brexit: Norwegen und Großbritannien sollen sich auf Handelspakt geeinigt haben

Am 18. Juni, kurz vor Mittsommernacht, tagt das norwegische Parament Storting zum letzten Mal vor der Sommerpause. Soll der neue Handelsvertrag mit Großbritannien noch vorher ratifiziert werden, ist Eile geboten. Auf die Eckpunkte einer entsprechenden Vereinbarung haben sich die Regierungen in Oslo und London Medienberichten zufolge nun zumindest geeinigt. Das berichten der öffentlich-rechtliche Sender NRK und die Nachrichtenagentur NTB jeweils unter Berufung auf Insider.

Details des Handelspakts des Nicht-EU-Landes Norwegen mit Großbritannien sind bisher nicht bekannt. Ein Sprecher des norwegischen Ministeriums für Handel, Industrie und Fischerei sagte, dass er die Informationen über eine Einigung auf den Handelspakt nicht bestätigen könne.

Einzelheiten sollen den Berichten zufolge aber am Freitag bekannt gegeben werden. Damit dürften nun monatelange Verhandlungen seit vergangenem Sommer enden. Seit Großbritanniens Austritt aus der EU und einer Übergangsphase, die am 31. Dezember endete, galten zwischen dem Land und Norwegen vorübergehende Handelsvereinbarungen.

Drohen Importquoten für britisches Rindfleisch?

Der Druck zu einem Abkommen wurde zuletzt immer größer, auch weil Großbritannien nach der EU Norwegens zweitwichtigster Handelspartner ist. Der Chef des norwegischen Arbeitgeberverbands NHO, Erik Almlid, hatte NRK gesagt: »Für jeden Tag, der ohne Vereinbarung vergeht, verlieren wir Arbeitsplätze und Chancen für Unternehmen. Damit können wir nicht leben.«

Großen Streit gab es in den Verhandlungen zuletzt bei den Themen Landwirtschaft und Lebensmittel. Großbritannien soll sehr offensiv auf einen besseren Zugang britischer Exporteure von Käse und anderen Agrarprodukten nach Norwegen gedrungen haben, besonders britische Forderungen nach Importquoten für unter anderem Rindfleisch hatte norwegische Bauern besorgt. Norwegen wiederum ging es um den leichteren Verkauf von Fisch und Meeresfrüchten im Vereinigten Königreich.

Das Vereinigte Königreich kann nach dem EU-Austritt seine Handelsbeziehungen selbst aushandeln – und ist dabei unterschiedlich erfolgreich. Erst am Mittwochabend hatte sich Großbritannien mit der EU beim hart umkämpften Thema Fischfang auf eine neue Quotenregelung einigen können.

Die Chancen auf ein Handelsabkommen mit den USA hatte die britische Handelskammer zuletzt skeptisch beurteilt. Die Möglichkeit, eigenständig Handelsverträge abschließen zu können, zählte zu den Hauptargumenten der Brexit-Befürworter.