Autobranche im Wandel: Tesla ver�ndert Autos von Hardware in Software

� Tesla treibt Elektrifizierung der Autobranche voran
� Software wird wichtiger als Hardware
� Transformation der Autoindustrie vergleichbar mit Weiterentwicklung des W�hlscheibentelefons zum Smartphone

Die Autoindustrie befindet sich in einer Phase der Transformation. Die fortschreitende Digitalisierung sowie ein wachsendes Umweltbewusstsein machen auch vor der tr�gen Autoindustrie keinen Halt. Ein Autobauer der diesen Wandel ma�geblich mit voran treibt, ist der US-E-Pionier Tesla. Lange Zeit wurde das Unternehmen von Vision�r Elon Musk als Randerscheinung bel�chelt, den Konkurrenten d�rfte in den letzten Jahren das Lachen jedoch gr�ndlich vergangen sein.

Denn w�hrend der Elektro-Fahrzeughersteller noch vor wenigen Jahren kurz vor dem finanziellen Ruin stand, ist er mittlerweile gemessen an der Marktkapitalisierung zum gr��ten Autobauer der Welt aufgestiegen. L�ngst haben auch die anderen alteingesessenen Autobauer begriffen, dass es f�r traditionelle Verbrennermotoren in der Zeit der Energiewende bald eng werden wird und dementsprechend ihre eigenen Ambitionen in Sachen E-Mobilit�t konkretisiert.

Die n�chste Transformation: Software

Tesla ist unterdessen erneut einen Schritt voraus und hat schon die n�chste Transformation in der Autowelt gestartet – die Fokusverlagerung von Hardware zu Software. Dabei hat Tesla mit dem sogenannten „Software-defined Vehicle“, zu Deutsch software-definiertes Fahrzeug, eine eigene Autokategorie geschaffen, die zukunftsweisend sein d�rfte. So handelt es sich der Technologiefirma Aptiv zufolge bei einem solchen Software-Fahrzeug um ein Auto, dessen Funktionen und Feature vorrangig durch Software erm�glicht werden. Dabei werden insbesondere die drei Trends „Elektrifizierung, Automatisierung und Konnektivit�t“ mithilfe von Softwareanwendungen adressiert.

W�hrend sich Fahrzeuge und auch die verschiedenen Autobauer in der Vergangenheit insbesondere durch variierende Hardware-Eigenschaften wie Drehmoment oder Leistung voneinander unterschieden, r�cken heutzutage andere Funktionen wie die M�glichkeit zum autonomen Fahren, ein eigenes Infotainment-System oder ein intelligentes Fahrzeug in den Fokus von Kunden.

Von der W�hlscheibe zum Smartphone – bei Autos

Tesla hat dies bereits verstanden und steuert schon heute zahlreiche der Features seiner Modelle �ber Over-the-Air-Softwareupdates, sodass Tesla-Fahrer auch von Weiterentwicklungen, die nach dem Kauf des Fahrzeugs ausgerollt werden, profitieren k�nnen.

Wie Barron�s-Journalist Al Root in einem Artikel schreibt, k�nne in diesem Sinne aktuell in der Fahrzeugbranche eine �hnliche Transformation beobachtet werden, wie vor nicht allzu langer Zeit die vom einstigen W�hlscheibentelefon zum heutigen Smartphone.

Die Tesla-Konkurrenz holt auf

Doch auch wenn der E-Spezialist hier einen Vorsprung, holt auch die Konkurrenz auf. So k�ndigte US-Riese Ford k�rzlich an, neben einer breit angelegten Elektrifizierungs-Offensive auch weitere Fortschritte in der Softwareentwicklung zu planen. So soll die Zahl der Autos, die mithilfe von Softwareupdates �ber das Internet auf dem aktuellsten Stand gehalten wird, bis Ende 2021 auf ein Million anwachsen. Im Jahr 2028 sollen es dann schon 33 Millionen Fahrzeuge sein.

Die andere Seite von Software

Allerdings weist Root in seinem Bericht darauf hin, dass die bevorzugte Nutzung von Software gegen�ber Hardware bei Tesla auch zu Konflikten f�hrt. So k�ndigte der E-Autobauer k�rzlich an, in seine neueren Model 3 und Model Y keine Radar-Sensoren f�r das autonome Fahren mehr verbauen zu wollen und stattdessen vollst�ndig auf die im und au�erhalb des Fahrzeug angebrachten zahlreichen Kameras zu setzen. Das intelligente KI-System, dass das autonome Fahren erm�glicht, nennt sich Tesla Vision. Mit diesem Ansatz steht Tesla in der Autobranche in Sachen selbstfahrende Autos allein da, alle anderen halten die Nutzung von Sensoren f�r unerl�sslich.

Die Ank�ndigung kostete Teslas Model 3 die „Top Pick“-Auszeichnung des US-Verbrauchermagazins Consumer Reports. Hintergrund ist, dass mit der Umstellung des Fahrassistenzsystems von Radar-Sensoren auf Kameras einige Funktionen vor�bergehend nicht funktionieren, bis die Umstellung vollst�ndig abgeschlossen ist, was nicht nur bei den Verbrauchersch�tzern, sondern auch der US-Verkehrsbeh�rde NHTSA Sicherheitsbedenken ausl�st. Diese entschloss sich daher dazu, den Tesla-Modellen 3 und Y, die seit dem 27. April 2021 und daher ohne Radar-Sensoren produziert wurde, ein Pr�fzeichen zu entziehen.

Trotz diesen R�ckschlags tr�gt der Fokus auf Software gegen�ber Hardware hier zu einer Kostenreduzierung bei, da keine teuren Sensoren mehr ben�tigt werden. Auch Root argumentiert, dass der Kostenvorteil von Software gegen�ber Hardware nicht untersch�tzt werden sollte. So h�tte Tesla eine h�here Bruttogewinnspanne als Traditionsautobauer BMW, und das obwohl der US-E-Pionier viel kleiner als der deutsche Konkurrent sei.

Er sieht dementsprechend voraus, dass Kunden sich beim Autokauf in der Zukunft immer weniger auf die �u�eren und viel mehr auf die inneren Werte eines Fahrzeugs konzentrieren w�rden. Ob dies tats�chlich so sein wird, bleibt abzuwarten.

Redaktion finanzen.net

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