AfD: Alexander Gauland sieht Niederlage für Jörg Meuthen bei Wahl der Spitzenkandidaten

Es war nicht nur eine Personal-, sondern eine Richtungsentscheidung: Alice Weidel und Tino Chrupalla sollen die AfD im Bundestagswahlkampf anführen. 71 Prozent der Teilnehmer stimmten bei einer Online-Mitgliederbefragung für die Co-Fraktionschefin und den Co-Parteichef. Das Duo Joana Cotar und Joachim Wundrak erhielt nur 27 Prozent, trotz der Unterstützung durch den zweiten Parteichef Jörg Meuthen.

Der AfD-Ehrenvorsitzende Alexander Gauland, zusammen mit Weidel an der Spitze der Fraktion im Bundestag, sieht das Votum als Botschaft. »Normalerweise wäre eine solche Entscheidung keine Frage von Sieg oder Niederlage für einen Parteichef«, sagte Gauland dem SPIEGEL. Wegen der Unterstützung für Cotar und Wundrak müsse sich Meuthen aber »ihre Niederlage persönlich anrechnen lassen«.

Gauland und Meuthen haben sich über die Frage der Ausrichtung der AfD zerstritten. Weidel und Chrupalla hatten im Gegensatz zu Cotar und Wundrak im internen Machtkampf auch auf den völkischen-nationalistischen Flügel in der Partei gesetzt.

Gauland zeigte sich erstaunt darüber, dass Meuthen auf die innerparteilich weitgehend unbekannten Cotar und Wundrak gesetzt habe. »Ich habe das Ergebnis so vorausgesehen. Mir war klar, dass die Kandidaten-Wahl keinen knappen Ausgang nehmen würde. Umso mehr war ich über Meuthens Positionierung überrascht«, sagte Gauland.

Gauland warf dem Parteichef zudem vor, dass er in »jüngster Zeit nichts dazu beigetragen hat, die Partei zusammenzuführen«. Das ist eine Anspielung darauf, dass Meuthen den Weg zur Onlinebefragung durch einen Vorstandsbeschluss eröffnet hatte.

Ursprünglich wollten Gegner Meuthens das Duo Weidel/Chrupalla bereits auf dem Bundesparteitag in Dresden im April wählen lassen. Doch zuvor hatten sich die Mitglieder in einer von Meuthen und dem Vorstand durchgesetzten Befragung für einen Basisentscheid über das Spitzenduo ausgesprochen. Das Ergebnis wurde erst vergangenen Dienstag verkündet.

Klar ist, dass das Votum für das Duo Weidel/Chrupalla Meuthens Position in der Partei nicht stärkt. Voraussichtlich im November will die AfD auf einem Bundesparteitag ihre Führungsspitze neu wählen, seit Herbst 2019 sind Meuthen und Chrupalla gleichberechtigte Vorsitzende.

Gauland bezeichnet erneute Kandidatur als Fraktionschef als unwahrscheinlich

Gauland nannte es zwar »reine Kaffeesatzleserei«, ob Meuthen im Herbst Parteichef bleiben könne. Eines habe die Kandidaten-Wahl aber gezeigt: »Besonders geschickt, ironisch angemerkt, hat er sich dabei nicht angestellt.« Meuthen und die gesamte Parteiführung sollten im Wahlkampf ihre persönlichen Befindlichkeiten hinten anstellen.

Persönlich hegt Gauland, 80, offenbar keine großen politischen Ambitionen mehr. Er bezeichnete eine erneute Kandidatur als Co-Fraktionschef nach der Bundestagswahl als »eher unwahrscheinlich« und »keine gute Idee«. Weidel und Chrupalla, so der Ehrenvorsitzende, hätten nach der Bundestagswahl »das Zugriffsrecht auf den Fraktionsvorsitz«. Das sei bei Weidel und ihm 2017 als damalige Spitzenkandidaten auch nicht anders gewesen.

Die AfD war bei der Bundestagswahl 2017 mit 12,6 Prozent der Stimmen erstmals in den Bundestag eingezogen und ist damit größte Oppositionspartei. In Umfragen liegt die Partei aktuell meist leicht unter diesem Wert.